Mutterpass

Der Mutterpass: Welche Informationen finde ich hier?

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06.06.19
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Der Mutterpass: Welche Informationen finde ich hier

Es ist ein magisches Gefühl, den Mutterpass zum ersten Mal in den Händen zu halten. Hier steht es nun schwarz auf weiß: Sie sind schwanger! Seit 1961 begleitet der Mutterpass Deutschlands Mütter durch Ihre Schwangerschaft. In diesem kleinen Heft werden Ihr Arzt und Ihre Hebamme von nun an alle Daten und Untersuchungen zu Ihrer Schwangerschaft notieren.

Wann bekommt man den Mutterpass?

Der Mutterpass wird Ihnen von Ihrer Frauenarztpraxis oder Ihrer Hebamme bei der Feststellung der Schwangerschaft ausgehändigt. Sie müssen ihn also weder bestellen noch kaufen. Ob Sie nun Ihre Hebamme, ein Krankenhaus oder Ihren Gynäkologen besuchen: Haben Sie stets Ihren Mutterpass bei sich. Das kleine Büchlein (am besten mit einer Schutzhülle versehen) passt in jede Tasche, sodass Sie es immer bei sich tragen können und auch im Notfall dabeihaben.

Es gibt Aufschluss über den aktuellen Stand Ihrer Schwangerschaft und wann Ihr Entbindungstermin sein wird. Falls Sie bei einem Frauenarztbesuch den Pass einmal vergessen haben, ist das nicht gleich ein großes Problem. Ihr Arzt macht sich neben den Aufzeichnungen im Mutterpass selbst auch Notizen.

Heben Sie den Mutterpass nach der Schwangerschaft auf. Zum einen ist er natürlich ein wunderschönes Erinnerungsstück und zum anderen sind die darin festgehaltenen Daten für eine weitere Schwangerschaft sehr hilfreich. Der Pass hält nämlich Platz für insgesamt zwei Schwangerschaften bereit.

Was steht im Mutterpass?

Die vielen Seiten, Fachbegriffe und Abkürzungen im Mutterpass könnten Sie auf den ersten Blick etwas verwirren. Daher wollen wir Sie im Folgenden mit Erklärungen durch jede einzelne Seite führen. Der Gemeinsame Bundesausschuss bietet eine pdf – Ansicht des Mutterpasses, die man sich auch herunterladen kann.

Ihr Mutterpass: Seite 1

Hier werden alle Kontaktdaten festgehalten. Auf dieser Seite sollten sich also Ihr Frauenarzt, Ihre betreuende Hebamme und Ihre Geburtsklinik eintragen. So haben Sie jederzeit alle wichtigen Informationen griffbereit. Außerdem können Sie Ihre nächsten Untersuchungstermine auf dieser Seite eintragen.

Mutterpass Seite 1

Ihr Mutterpass: Seite 2

Hier werden nun auch Ihre Daten, wie Ihr Name, der Wohnort etc. eingetragen. Außerdem finden sich auf der zweiten Seite Angaben zu Ihrer Blutgruppe und dem Rhesusfaktor. Gerade die Bestimmung des Rhesusfaktors ist relevant. Sollte einer der Elternteile einen positiven Rhesusfaktor (Rh+) haben, besteht die Möglichkeit, dass dieser an das Kind weitervererbt wird und unbehandelt zu Komplikationen mit dem ggf. negativen Rhesusfaktor einer Schwangeren führt.

Ist die Mutter rhesusnegativ und kommt mit dem Blut des Kindes in Kontakt (z.B. bei einer Fehlgeburt oder während der Geburt), kann es passieren, dass sie Antikörper entwickelt. In dem Fall würde Ihr Arzt Ihnen ganz einfach in der 27.-29. SSW prophylaktisch Anti-D-Globuline spritzen. Bei der ersten Schwangerschaft ist dies jedoch meist noch nicht zu erwarten.

Des Weiteren wird auf dieser Seite dokumentiert, ob Sie Rötelnantikörper durch eine Erkrankung oder Impfung aufweisen. Eine Erkrankung in der Schwangerschaft stellt ein Risiko für das ungeborene Kind dar.

Mutterpass Seite 2

Ihr Mutterpass: Seite 3

Es gibt einige wenige Krankheitserreger, die die Gesundheit Ihres Kindes bereits jetzt und nach der Geburt gefährden könnten. Daher soll dies schon sehr früh in Ihrer Schwangerschaft durch einen Blut- und Urintest ausgeschlossen werden. Diese Seite des Mutterpasses hält die Ergebnisse folgender Tests fest:

  • Chlamydia trachomatis-Antigen. Eine Infektion mit Chlamydien kann Entzündungen in der Lunge, den Augen oder der Harnorgane auslösen und bei der Geburt auf das Kind übertragen werden. Ist der Test positiv, kann die Infektion noch während der Schwangerschaft gut behandelt werden und ist dann für das Kind nicht mehr ansteckend.
  • Antikörper- und Rötelnantikörpertest. Diese Tests werden bereits ganz am Anfang durchgeführt und dienen später zur Kontrolle. Sollten Sie rhesusnegativ sein, wird der Antikörpersuchttest zwischen der 24. bis 27. Schwangerschaftswoche wiederholt.
  • LSR-Test. Die Abkürzung LSR steht für die Lues-Such-Reaktion. Allgemein ist die sexuell übertragbare Erkrankung Lues unter der Bezeichnung Syphilis bekannter. Eine Infektion kann man mit der entsprechenden Behandlung trotz Schwangerschaft gut in den Griff bekommen.
  • Hbs-Antigen. Hep B ist die Abkürzung für die Leberentzündung Hepatitis B. Diese kann auch auf Ihr Kind bekommen. Sollte ein positiver Befund vorliegen, kann Ihr Kind durch eine Impfung sofort ab der Geburt geschützt werden.
  • Darüber hinaus können Sie optional folgende Tests durchführen lassen:
  • HIV. Dieser Erreger löst die Immunkrankheit AIDS aus. Durch Schutzmaßnahmen kann eine Übertragung auf das Kind bei der Geburt vermieden werden.
  • Toxoplasmose. Toxoplasmose ist für die Mutter harmlos, kann aber beim Kind zu Schäden an den Augen und dem Gehirn führen. Diese Infektion wird zum Beispiel durch Katzenkot, Gartenerde oder nicht ausreichend erhitztes Fleisch übertragen.
  • B-Streptokokken. Mit Streptokokken der Gruppe B kann sich das Kind bei der Geburt anstecken. Dies kann man jedoch durch entsprechende Maßnahmen während der Geburt verhindern. Die Kosten für diesen Test werden im Regelfall allerdings nicht von den Krankenkassen übernommen.
Mutterpass Seite 3

Ihr Mutterpass: Seite 4

Auf dieser Seite werden gegebenenfalls Angaben zu vorherigen Schwangerschaften festgehalten. Hier ist auch Platz für besondere Notizen. Folgendes verbirgt sich hinter den Fachausdrücken:

  • Spontangeburt: vaginale Geburt ohne operative Eingriffe in den Geburtsverlauf
  • Sectio: Kaiserschnitt
  • Vag. Operation: vaginale operative Eingriffe bei der Geburt (z. B. Saugglocke oder Zangengeburt
  • Abort: Fehlgeburt
  • Abruptio: Schwangerschaftsabbruch
  • EU: Extra-Uterin-Schwangerschaft (z. B. eine Bauchhöhlen- oder Eileiterschwangerschaft)
Mutterpass Seite 4

Ihr Mutterpass: Seite 5 und 6

Bei Ihrer ersten Untersuchung wird sich Ihr Frauenarzt viel Zeit für das Gespräch mit Ihnen nehmen. Zum einen werden allgemeine Informationen wie Alter, Gewicht, Körpergröße und die Anzahl der Schwangerschaften (Gravida) sowie Geburten (Para) festgehalten.

Zum anderen wird Ihr Gynäkologe viele weitere Fragen an Sie haben, die auf den Seiten fünf und sechs ebenfalls aufgelistet sind. Besonderheiten, wie eine Mehrlingsschwangerschaft oder die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, werden schriftlich festgehalten.

Außerdem wird er Sie zu Themen wie Ernährung, Zahngesundheit oder sportlichen Aktivitäten während der Schwangerschaft beraten. Dass diese Beratung stattgefunden hat, wird auf Seite fünf Ihres Mutterpasses notiert.

Besonders spannend ist für viele Frauen sicherlich die Terminbestimmung, also in welchem Zeitraum Sie mit der Ankunft Ihres kleinen Schatzes rechnen können. Sollten Sie nicht bis zum ersten Besuch bei Ihrem Arzt warten können, können Sie schon einmal einen Blick in unseren Schwangerschaftsrechner werfen.

Mutterpass Seite 5 und 6

Ihr Mutterpass: Seite 7 und 8

Auf diesen sehr zentralen Seiten werden alle Untersuchungen dokumentiert, die im Laufe Ihrer Schwangerschaft durchgeführt werden. Die beiden Seiten sind gespickt mit Abkürzungen und Fachbegriffen. Im Folgenden wollen wir Ihnen einen Überblick geben:

  • Fundusstand/Symphysen-Fundusabstand (SFA). Der Fundus ist der oberste Rand Ihrer Gebärmutter. In Beziehung zum Schambein, zum Nabel und später zum Rippenbogen der Schwangeren beobachtet man das regelrechte Wachstum der Gebärmutter. Der SFA ist der Abstand vom Schambein bis zum Fundus und bezeichnet somit den Höhenstand Ihrer Gebärmutter. Mit dieser regelmäßigen Messung beobachtet man das Größenwachstum Ihrer Gebärmutter und Ihres Kindes.
  • Kindslage. Um den Geburtstermin herum sollte der Schädel des Kindes optimalerweise unten im Becken liegen. Davor könnte sich die Lage Ihres Kindes noch öfter ändern. Der Frauenarzt beschreibt die Lage mit den Abkürzungen SL (Schädellage), BEL (Beckenendlage oder Steißlage) oder auch QL (Querlage).
  • Herztöne und Kindsbewegung. Ihr Baby hat mit 110 bis 160 Herzschlägen pro Minute einen sehr viel schnelleren Puls als Sie selbst. Dieser wird bei den Untersuchungen abgehört und mit einem Pluszeichen eingetragen. Die meisten Frauen bemerken in der 18. bis 22. Schwangerschaftswoche zum ersten Mal die Bewegungen ihres Kindes. Spürt die Mutter die Bewegungen ihres Kindes, wird dies mit einem Pluszeichen vermerkt. Falls dem noch nicht so ist, wird ein Minuszeichen eingetragen.
  • Ödeme und Varikosis. Hier wird notiert, ob Sie Wasseransammlungen in Ihren Gliedmaßen haben oder unter Krampfadern leiden.
  • Gewicht und RR. Bei jeder Untersuchung wird sowohl Ihr Gewicht als auch Ihr Blutdruck (hier mit RR bezeichnet) gemessen. Beide Werte geben Aufschluss über Ihr Wohlbefinden.
  • Hb. Der Hämoglobinwert lässt Rückschlüsse auf den Eisengehalt in Ihrem Blut zu. Er ist für die Sauerstoffversorgung Ihres Kindes wichtig. Ist der Hb-Wert nicht hoch genug, wird Ihnen sicherlich die Einnahme von Eisenpräparaten empfohlen. Achten Sie aber auch auf die richtige Menge Eisen in Ihrer Ernährung.
  • Sediment. In dieser Spalte werden die Ergebnisse der regelmäßigen Urintests eingetragen.
  • Vaginale Untersuchung. Bei der vaginalen Untersuchung beurteilt Ihr Frauenarzt den Zustand Ihres Muttermundes sowie die Länge, Festigkeit und den Stand des Gebärmutterhalses.
Mutterpass Seite 7 und 8

Ihr Mutterpass: Seite 9

Eventuell werden hier Besonderheiten notiert, die sich auf die Befragung auf der fünften und sechsten Seite Ihres Mutterpasses beziehen. Sollte es während Ihrer Schwangerschaft zu einem Krankenhausaufenthalt kommen, wird das hier festgehalten. Unter „cardiographische Befunde“ werden die Herztöne des Kindes sowie die Ergebnisse des CTGs, welcher ab der 28. Schwangerschaftswoche regelmäßig durchgeführt werden kann, festgehalten.

Mutterpass Seite 9

Ihr Mutterpass: Seite 10 bis 14

Im Laufe Ihrer Schwangerschaft sind mindestens drei große Ultraschalluntersuchungen vorgesehen, die Sie in Anspruch nehmen können. Hierbei wird die Größe des Kindes, die Entwicklung seiner Organe, die Herzaktivität, die Fruchtwassermenge oder der Sitz der Plazenta gemessen.

Diese Werte werden auf der Seite zehn Ihres Mutterpasses eingetragen und können in der Normkurve auf Seite 13 noch einmal veranschaulicht werden. Sie treffen eine Aussage über die Entwicklung Ihres Kindes. Damit Sie sich besser zurechtfinden, haben wir hier im Folgenden eine Liste der Abkürzungen für Sie erstellt:

  • SSW = Schwangerschaftswoche. Sie kann mittels der Größenbestimmung festgestellt werden. Dabei ist eine Abweichung von plus minus fünf Tagen normal.
  • FS = Fruchtsackdurchmesser. Der Fruchtsack, oder auch Fruchthöhle genannt, kann bereits ab der 5. Schwangerschaftswoche im Ultraschall festgestellt werden.
  • SSL = Scheitel-Steiß-Länge. Es wird hier die Länge des Kindes vom äußersten Kopfende bis zum äußersten Steißende gemessen.
  • BPD = Biparietaler Durchmesser. Damit ist der Querdurchmesser des Kopfes gemeint.
  • FOD = Fronto-okziptaler Durchmesser oder Längsdurchmesser des kindlichen Kopfes.
  • KU = Kopfumfang Ihres Babys.
  • ATD = Abdomenquerdurchmesser. Hier wird der Durchmesser des Bauches Ihres Babys von einer Seite zur anderen festgehalten.
  • APD = Anterior-posteriorer Durchmesser. Der Bauch wird auch von vorne nach hinten gemessen.
  • AU = Abdomenumfang. Hier betrachtet man den gesamten Umfang des kindlichen Bauches.
  • FL = Femurlänge. Auch der Oberschenkelknochen wird beim Ultraschall vermessen.
  • HL = Humeruslänge. Damit ist die Länge des Oberarmknochens gemeint.

Sollten Auffälligkeiten festgestellt werden, kann Ihr Arzt weitere Ultraschalluntersuchungen veranlassen, die auf den Seiten 12 und 14 des Mutterpasses kommentiert werden können.

Mutterpass Seite 10 und 11
Mutterpass Seite 14

Ihr Mutterpass: Seite 15 und 16

Auf den beiden letzten Seiten Ihres Mutterpasses werden die Schwangerschaft, die Geburt, das Wochenbett und die zweite Untersuchung nach der Geburt zusammengefasst.

Mutterpass Seite 15 und 16

Den Mutterpass nach der Geburt wieder in den Händen zu halten ist eine kleine Reise zurück zu der spannenden Zeit Ihrer Schwangerschaft. Heben Sie dieses besondere Büchlein auf. Vielleicht gestalten Sie sich auch eine individuelle Hülle für Ihren Mutterpass mit dem Namen und Geburtsdatum Ihres Kindes?

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