Während der Schwangerschaft steht Self-care an oberster Stelle. Ein Bereich, den du dabei nicht vernachlässigen solltest, sind die Zähne: Zahnpflege und Zahnreinigung sind während der Schwangerschaft ganz besonders wichtig, denn die Zähne sind in dieser Zeit besonders anfällig für Zahnfleischentzündungen und Karies.

Warum Zahnpflege in der Schwangerschaft wichtig ist

Zahnpflege ist in der Schwangerschaft unerlässlich, denn Probleme mit Zähnen und Zahnfleisch gehören für viele Frauen zu den Nebeneffekten einer Schwangerschaft.

Wann können Zahnprobleme in der Schwangerschaft auftreten?

Geredet wird darüber allerdings nur selten. Womöglich kommt es also etwas überraschend, wenn dich in der Schwangerschaft nicht nur allseits bekannte Beschwerden wie Übelkeit oder Rückenprobleme plagen, sondern auch Zahnschmerzen oder eine Zahnfleischentzündung. Dabei ist das durchaus üblich: Bis zu 80 Prozent aller Schwangeren haben es in der Schwangerschaft mit Erkrankungen des Zahnfleisches oder Zahnfleischbluten zu tun. In der Regel fangen diese Beschwerden im dritten Schwangerschaftsmonat an. Ein Schwangerschaftsanzeichen sind Zahnschmerzen also nicht. Zahnprobleme können in den darauffolgenden Monaten immer wieder mal auftreten.

Wieso kann die Schwangerschaft Einfluss auf Zahnfleisch und Zähne haben?

Hierfür gibt es mehrere Gründe:

  • Die Hormonumstellung in der Schwangerschaft: Schwangerschaftshormone wie Östrogen und Progesteron verändern nicht nur das Bindegewebe, um Platz für das wachsende Baby zu machen, sondern wirken sich auch auf das Zahnfleisch aus. Es wird weicher und empfindlicher und könnte auch anschwellen.

  • Das Blutvolumen vergrößert sich: Dein Körper hat während der Schwangerschaft 30 bis 40 Prozent mehr Blut. Das ist wichtig, um dein Baby mit Sauerstoff zu versorgen. Damit steigen auch der Blutdruck sowie die Durchblutung von Gefäßen, Organen und auch des Zahnfleisches.

  • Die Immunabwehr verändert sich: So schön es für dich ist, dein Baby in deinem Bauch zu tragen – für den Körper ist es streng genommen ein Fremdkörper und dein Immunsystem muss sich auf die Schwangerschaft einstellen. Keime im Mund haben deswegen leichteres Spiel als sonst.

  • Übelkeit und Erbrechen: Übelkeit ist eine ganz klassische Begleiterscheinung in der Schwangerschaft. Häufiges Erbrechen bringt die Zähne in Kontakt mit Magensäure, die den Zahnschmelz und das Zahnfleisch angreifen kann. Falls du dich oft übergeben musst, solltest du für eine bessere Zahnhygiene danach deinen Mund gründlich ausspülen.

Zahnbeschwerden während der Schwangerschaft

Die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft können sich bei den Zähnen und dem Zahnfleisch bemerkbar machen. Dass während der Schwangerschaft die Zähne locker werden oder es gar zu Zahnverlust kommt, ist tatsächlich aber nur sehr selten der Fall. Deutlich wahrscheinlicher sind hingegen folgende Beschwerden:

  • Zahnfleischbluten: Die Kombination aus aufgelockertem Gewebe rund um die Zähne und erhöhtem Blutvolumen in der Schwangerschaft kann für empfindliches und blutendes Zahnfleisch sorgen.

  • Zahnfleischentzündung: Das Zahnfleisch ist nicht nur weicher, sondern auch anfälliger für Bakterien. Diese können sich aufgrund der veränderten Immunabwehr in der Schwangerschaft besonders gut im Mundraum ausbreiten, was zu Zahnfleischentzündung führen kann.

  • Karies: Indirekt haben die Schwangerschaftshormone auch Einfluss auf die Zusammensetzung vom Speichel. Hinzu kommt unter Umständen ein angegriffener Zahnschmelz, wenn du dich häufig übergeben musstest. Das macht die Zähne in und auch nach der Schwangerschaft anfälliger für Karies.

Diese Beschwerden solltest du ernst nehmen und dich behandeln lassen. Sich hochschwanger mit Zahnschmerzen plagen zu müssen, ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch gefährlich für dein Kind werden. Bleibt eine Zahnfleischentzündung sehr lange unbehandelt, können die Bakterien in die Blutbahn gelangen und somit zu einem Risikofaktor für eine Fehl- oder Frühgeburt werden.

Wie oft sollte man während der Schwangerschaft zum Zahnarzt/ zur Zahnärztin?

Zögere nicht, jederzeit ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bei einer geplanten Schwangerschaft sollte der Besuch in einer Zahnarztpraxis idealerweise schon vorher erfolgen. Wirst du von der Schwangerschaft überrascht, suche am besten direkt zu Beginn einen Zahnarzt oder eine Zahnärztin auf. Eine Zahnreinigung und bestimmte Behandlungen können auch jetzt noch stattfinden. Während der Schwangerschaft ist eine Zahnbehandlung nämlich nicht immer in vollem Umfang möglich. Nicht nur Röntgen ist in dieser Zeit ausgeschlossen, sondern auch bei invasiven Behandlungen muss der Zahnarzt oder die Zahnärztin mit dir zusammen Risiko und Nutzen abwägen. Dennoch solltest du während deiner Schwangerschaft einmal pro Trimester die Zahnarztpraxis besuchen. Bei akuten Schmerzen solltest du selbstverständlich sofort einen Termin vereinbaren.

Zahnschmerzen nach Geburt: Was tun?

Meist lassen die Beschwerden rund um die Zähne mit dem Ende der Schwangerschaft schnell wieder nach. Wurden Zahnfleisch und Zähne während der Schwangerschaft sehr in Mitleidenschaft gezogen, kann es aber auch nach der Geburt deines Lieblings zu Zahnschmerzen kommen. Die gute Nachricht: In der Stillzeit gelten in Sachen Zahnpflege, Behandlung und Medikamente wieder andere Regeln als während der Schwangerschaft. Lass dich dazu ausführlich ärztlich beraten. Egal, ob vor, während oder nach der Schwangerschaft: Du bist mit deinen Zahnproblemen nicht allein. Du darfst – und sollst – dir jederzeit Hilfe suchen.

So geht Zahnpflege in der Schwangerschaft

Viel hast du selbst in der Hand: Eine gewissenhafte Zahnpflege ist die wirkungsvollste Waffe gegen Zahnbeschwerden während der Schwangerschaft.

Wie werden die Zähne in der Schwangerschaft am besten gepflegt?

Folgende Dinge kannst du unternehmen, um deine Zähne zu pflegen und zu schützen:

  • Regelmäßiges Zähneputzen: Mindestens zweimal täglich sollte dies geschehen, und unbedingt zwischen der letzten Mahlzeit des Tages und dem Schlafengehen. Besonders nachts greifen Bakterien die Zähne an, da dann der Speichelfluss geringer ist.

  • Fluoridhaltige Mundpflegeprodukte: Fluorid stärkt den Zahnschmelz und schützt die Zähne vor Karies. Zusätzlich zu einer fluoridhaltigen Zahnpasta kannst du mit entsprechenden Gelees und Mundspülungen nachhelfen.

  • Reinigung der Zahnzwischenräume: Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten sollten jetzt ebenfalls täglich zum Einsatz kommen.

  • Nach dem Erbrechen: Spüle deinen Mund gründlich aus oder putze, wenn möglich, die Zähne. Wie bereits erwähnt, kann die Säure den Zahnschmelz angreifen.

  • Zahnbürste mit weichen Borsten: Weiche Borsten reizen das Zahnfleisch weniger als harte und sollten in der Schwangerschaft bevorzugt werden.

  • Bei Übelkeit: Falls du unter starker Übelkeit leidest, könnte auch das Zähneputzen Brechreiz auslösen. Nichtsdestotrotz ist Zahnhygiene wichtig. Hilfreich kann eine Zahnbürste mit kleinem Kopf oder eine Kinderzahnbürste sein. Zur Not kannst du auch vorübergehend die Zahnpasta weglassen: Eine rein mechanische Reinigung ist besser als gar keine.

  • Professionelle Zahnreinigung: Dies ist während der Schwangerschaft zur Zahnpflege in aller Regel erlaubt. Expert:inen raten sogar in jedem Schwangerschaftsdrittel zu einer professionellen Zahnreinigung.

Zahnschmerzen in der Schwangerschaft: Welche Hausmittel gibt es?

Trotz guter Zahnpflege kann es vorkommen, dass du während der Schwangerschaft schmerzempfindliche Zähne oder Zahnfleischbluten hast. Bei Beschwerden dieser Art solltest du dich immer in Behandlung begeben. Um die Zeit bis zum Zahnarztbesuch zu überbrücken, können folgende Hausmittel gegen Zahnschmerzen helfen:

  • Kamille (Pflanzenextrakt oder Tee)

  • Salbei (Pflanzenextrakt oder Tee)

  • Myrrhe (Pflanzenextrakt oder Tee)

  • Mundspülungen mit Wasserstoffperoxid

All diese Dinge sind in der Regel während der Schwangerschaft erlaubt. Es gibt allerdings altbewährte Hausmittel gegen Zahnschmerzen, von denen man heute weiß, dass sie sich negativ auf die Schwangerschaft auswirken könnten:

  • Jod: Dabei handelt es sich um ein wichtiges Spurenelement für dich und dein Baby. Zu viel Jod kann allerdings die Funktion der Schilddrüse des heranwachsenden Kindes beeinträchtigen.

  • Nelke: Das Kauen von Gewürznelken mag gegen Zahnschmerzen helfen, in der Schwangerschaft könnten Nelken jedoch Wehen auslösen.

Bei anhaltenden Schmerzen führt kein Weg an einem Zahnarztbesuch vorbei. Hier erfährst du auch, welche Medikamente du in der Schwangerschaft einnehmen darfst und welche nicht. Beispielsweise könnten bestimmte Antibiotika beim Baby zu Zahnverfärbungen führen.

Zahnfleischentzündung und Zahnschmerzen in der Schwangerschaft vorbeugen

Nicht immer lassen sich Zahnprobleme durch gute Zahnpflege vermeiden. Doch es gibt einige vorbeugende Maßnahmen, die du während deiner Schwangerschaft ergreifen kannst:

  • Ausreichend Fluorid: Wie bereits erwähnt, stärkt Fluorid den Zahnschmelz. Solltest du deshalb die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in Erwägung ziehen, besprich dies vorher mit deiner Hebamme oder deinem Gynäkologen / deiner Gynäkologin.

  • Kohlenhydrat- und zuckerarme Ernährung: Das ist leichter gesagt als getan, wenn während der Schwangerschaft süße oder salzige Gelüste aufkommen. Doch die Kombination aus Zucker, Stärke und Kohlenhydraten sind ein idealer Nährboden für Kariesbakterien.

  • Zahnärztliche Behandlung oder Zahnreinigung: Wenn du schwanger werden möchtest, solltest du einen Zahnarzttermin vereinbaren. Ein eventuell schlechter Zustand der Zähne kann so vor der Schwangerschaft korrigiert werden oder du lässt dir einfach noch einmal die Zähne gründlich reinigen.

Trotz all der Aufregung rund um deine Schwangerschaft darf die Zahnhygiene nicht zu kurz kommen. Und Vorsorge ist immer besser als Nachsorge.

FAKTEN IM ÜBERBLICK

Reinige deine Zähne mindestens zweimal täglich mit fluoridhaltigen Produkten und einer weichen Zahnbürste. Man sollte auf die Zahnzwischenräume achten und sich gegebenenfalls nach dem Erbrechen den Mund ausspülen oder die Zähne putzen.

Zahnhygiene und Zahnpflege in der Schwangerschaft betrifft nicht nur dich, sondern auch deinen kleinen Liebling in deinem Bauch. Schon bald wirst du dein Baby in deinen Armen halten und bevor du dich versiehst, sprießen die ersten Milchzähne und ihr werdet zu zweit eure Zähne putzen und pflegen.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen, fachspezifischen und öffentlichen Quellen. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultiere für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer deinen Arzt bzw. deine Ärztin.