Die Geburt auslösen: Wie man Wehen fördern kann

Die letzten Tage der Schwangerschaft können für Frauen durchaus zur Belastung werden: Die Neugierde von allen Seiten, ob das Baby schon auf der Welt ist, wächst oder es kann zu zunehmenden körperlichen Beschwerden kommen. Wird der errechnete Geburtstermin dann noch überschritten, suchen viele Schwangere bei ihrer Hebamme Rat. Ihr Anliegen: hilfreiche Tipps, um die Wehen zu fördern und somit die Geburt auszulösen.

Wann ist in der Regel mit den ersten Wehen zu rechnen?

Die Schwangerschaft dauert in der Regel ungefähr 40 Wochen. Dies darf allerdings lediglich als ein Richtwert verstanden werden, denn nur sehr wenige Frauen bringen ihr Kind zum errechnet Geburtstermin zur Welt. Weicht der Termin um zwei Wochen (davor oder danach) ab, spricht man immer noch von einer zeitgerechten Entbindung.

Geburtsanzeichen

Gerade in den letzten Wochen der Schwangerschaft steigt die Spannung, denn Dein Körper und auch Dein Baby bereiten sich auf die nahende Geburt vor. Das ein oder andere der folgenden Anzeichen dafür wirst Du wahrscheinlich spüren:

  • Absenkung des Babybauches

  • evtl. Durchfall

  • vermehrt Rückenschmerzen

  • Vor- und Senkwehen

  • der Schleimpfropf löst sich

Stellst Du diese Symptome bei Dir fest, wird es wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis sich Dein kleiner Liebling auf den Weg macht.

Terminüberschreitung

Je weiter der eigentliche Stichtag überschritten wird, desto sehnlichster wünschen sich einige Frauen die Geburt bzw. das Einsetzen der Wehen herbei oder möchten diese sogar fördern. Das ist verständlich, denn das letzte Trimester der Schwangerschaft kann körperlich anstrengend werden. Von einer echten Terminüberschreitung spricht man im -Allgemeinen jedoch erst, wenn die 42. SSW beendet wurde.

Dauert eine Schwangerschaft wesentlich länger als üblich, könnte es zu Komplikationen (z. B. Verminderung des Fruchtwassers, Funktionsverlust der Plazenta) kommen, die es nötig machen, mithilfe eines wehenfördernden Mittels die Geburt einzuleiten. Wehen kann man aber auch schon vor diesem Zeitpunkt auf natürliche Weise etwas anregen.

Ab wann kann man die Wehen anregen?

Wenn es Dir und Deinem Baby gut geht, gibt es nach einer leichten Überschreitung des errechneten Geburtstermins (ET) eigentlich keinen Anlass, Wehen zu provozieren. Du wirst allerdings normalerweise ab Deinem ET öfter als sonst untersucht, um sicherzustellen, dass noch alles in Ordnung ist.

Hierzu gehört eine CTG-Untersuchung alle zwei bis drei Tage, um u. a. die Herztöne Deines Babys zu kontrollieren. Auch eine Messung der Fruchtwassermenge könnte vorgenommen werden. Ab der 41. SSW kann es sinnvoll sein, dass Du mit Deiner Hebamme oder Deinem Gynäkologen/Deiner Gynäkologin darüber sprichst, ob und wie man die Geburtswehen auf natürlichem Weg fördern kann.

Die zwei wichtigsten Voraussetzungen, um die Wehen zu fördern, sind ein geburtsbereiter Muttermund und eine optimale Lage des Kindes im Becken. Selbstverständlich muss sich auch die Mutter bereit dafür fühlen, ihr Kind zur Welt zu bringen.

Auch wenn Du im Internet oder von anderen Schwangeren vieles zum Thema Wehen fördern liest oder hörst, solltest Du die Geburt nie im Alleingang anregen. Sprich immer erst mit Deiner Hebamme darüber - und das vielleicht auch schon frühzeitig (ca. ab SSW 38).

Methoden Wehen natürlich zu fördern

Die natürlichen Methoden und wehenfördernden Mittel für eine Geburtseinleitung sind wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht, sodass es hierzu keine offiziellen Empfehlungen gibt. Jede Hebamme verfügt jedoch über ihren ganz eigenen Erfahrungsschatz und kann Dir Tipps und Tricks an die Hand geben, wie Du möglicherweise Wehen auslösen kannst. Einige davon haben wir im Folgenden für Dich zusammengestellt.

Wehentee

Zahlreiche Hebammen und Frauen berichten von einer positiven Wirkung von Wehen förderndem Tee. Diese ganz einfache Maßnahme lässt sich wunderbar in den Alltag einbauen.

Zutaten:

  • 1 Liter Wasser

  • 10 Nelken

  • 1 Stange Zimt

  • einige Scheiben frischer Ingwer

  • 1 Esslöffel Eisenkraut (Verbena officinalis)

  • etwas Kardamom

Koche alle Zutaten mit Wasser auf und lass das Ganze dann zehn Minuten lang ziehen. Den Tee kannst Du über den ganzen Tag verteilt trinken.

Himbeerblättertee

Einige Mütter schwören auf die Wirkung von Himbeerblättertee. Er wird Schwangeren ab der 37. SSW empfohlen und soll sowohl die Geburtszeit verkürzen als auch Wehen fördern.

Dem Tee wird nachgesagt, dass er den Muttermund weich macht und die Gebärmuttermuskulatur stimuliert. Des Weiteren soll Himbeerblättertee die Beckenbodenmuskulatur lockern und dadurch das Risiko eines Dammschnitts minimieren.

Himbeerblätter kannst Du in Apotheken, Reformhäusern und gut sortierten Teegeschäften kaufen und ihn Dir dann wie folgt zubereiten:

  • Teelöffel Himbeerblätter pro Tasse (250 Milliliter)

  • Blätter mit kochendem Wasser übergießen

  • 10 – 15 Minuten ziehen lassen

In der 37. SSW soll man täglich eine Tasse davon trinken, dann eine Woche pausieren und in der 39. SSW maximal vier Tassen pro Tag zu sich nehmen. In der 40. SSW sollte dann wieder eine Pause folgen.

Massage mit ätherischen Ölen

Dieselbe Kräutermischung, die für den wehenfördernden Tee verwendet wird, eignet sich auch als Öl für eine Massage Deines Babybauchs in den letzten Tagen Deiner Schwangerschaft. Diese Mischung findest Du in dem sogenannten Ut-Öl, welches Du im Internet oder gut sortierten Apotheken kaufen kannst.

Reibe Deinen Bauch damit mehrmals täglich ein. Das Öl kann besser von der Haut aufgenommen werden, wenn Du Deinen Bauch vor der Massage mit warmem Wasser (Achtung: nicht zu heiß) befeuchtest. Die Wirkung kannst Du anschließend noch mit einem warmen Bauchwickel verstärken.

Manchmal kann bereits eine Fußmassage mit demselben Öl nach einem warmen Fußbad Wehen auslösen. Richtig angewendet könnte die Massage den Muttermund weich machen und das Becken lockern. Frag gern bei Deiner Hebamme nach, ob Sie eine Fußreflexzonenmassage durchführen oder Dir eine Adresse dafür empfehlen kann.

Akupunktur

Die Akupunktur ist eine Behandlungsmethode aus der traditionellen chinesischen Medizin. Hierbei werden sehr kleine Nadeln an ausgewählten Stellen des Körpers platziert, um eine bestimmte therapeutische Wirkung zu erzielen, wie beispielsweise das Fördern von Wehen.

Auch hier kann sich nur dann eine Wirkung einstellen, wenn alle körperlichen Voraussetzungen für die Geburt erfüllt sind. Einige Hebammenpraxen bieten sogar Akupunktur an. Eine Behandlungseinheit dauert in etwa 20 Minuten.

Akupunktur kann nicht nur die Wehen anregen, sondern auch zur Schmerzlinderung unter der Geburt beitragen. Ab der 36. SSW kann sie geburtsvorbereitend zum Einsatz kommen. Eine Sitzung pro Woche soll die Entbindung bereits erleichtern können.

Rizinus-Wehen-Cocktail

Der Rizinus-Wehen-Cocktail gilt als ein sehr effektiver natürlicher Wehenauslöser.

Zutaten:

  • 2 Esslöffel Rizinusöl

  • 2 Esslöffel Mandelmus

  • 250 ml Aprikosensaft

Das Ganze füllst Du mit Mineralwasser auf, sodass Du einen halben Liter Flüssigkeit erhältst. Dieser Wehen-Cocktail ist keinesfalls ein Hausmittel zur Selbstmedikation und sollte immer zusammen mit einer Hebamme eingenommen werden. Vor allem bei Mehrgebärenden mit Blasensprung könnte das Getränk sehr schnell den gewünschten Effekt auslösen. Nach etwa sechs bis acht Stunden kann es bereits zum Einsetzen von kräftigen Wehen kommen.

Weitere wehenfördernde Methoden

Neben den hier geschilderten Dingen gibt es noch viele weitere Methoden, die Wehen auslösen könnten:

  • Spazierengehen

  • spezielle Übungen (z. B. Beckenkreisen)

  • schärfere Lebensmittel

  • ein warmes Bad

  • Heublumendampfbad

  • Akupressur

Einiges kann auch von Hebammen oder Frauenärzten/Frauenärztinnen unternommen werden, um Wehen ohne Medikamente zu fördern. Dazu könnten zum Beispiel zählen:

  • Muttermundmassage

  • Eipollösung (innerlich angewendet)

Was die Wehen schlussendlich fördert, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Egal welche Maßnahme in Angriff genommen wird: Es gibt absolut keine Garantie dafür, dass damit auch wirklich Wehen ausgelöst werden. Sei also nicht enttäuscht, wenn trotz aller Bemühungen die Geburtswehen bei Dir noch nicht einsetzen.

Fakten im Überblick

  • Wehen sollte man erst ganz am Ende der Schwangerschaft anregen bzw. dann, wenn der errechnete Geburtstermin bereits überschritten wurde.

  • Wehen sollten immer nur nach Rücksprache mit dem Frauenarzt/der Frauenärztin angeregt werden und nie im Alleingang. Um Wehen zu fördern, muss der Muttermund geburtsbereit sein und das Baby eine optimale Lage im Becken eingenommen haben.

  • Es gibt viele unterschiedliche Methoden, um Wehen zu fördern. Sie reichen von Tees bis hin zur Akupunktur. Was davon die Geburt einleitet und ob die Methoden überhaupt zum Ziel führen, ist von Frau zu Frau unterschiedlich.

  • Die Senkwehen befördern das Baby normalerweise um die 36. SSW in die Geburtsposition. Das heißt allerdings noch nicht, dass kurz danach die echten Geburtswehen einsetzen. Wann ein Baby genau dazu bereit ist, das Licht der Welt zu erblicken, kann nur ein Facharzt/eine Fachärztin oder ein:e ausgebildete:r Geburtshelfer:in bestimmen.

Tatsächlich kommt es gar nicht so oft vor, dass sich ein Baby nicht von selbst auf den Weg machen möchte, obwohl alle körperlichen Voraussetzungen stimmen. Auch wenn es vielleicht nicht immer leicht ist: Versuche, die letzten Tage Deiner Schwangerschaft zu genießen und mach Dir nicht allzu große Sorgen, denn sehr wahrscheinlich werden die Wehen von ganz allein einsetzen.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen findest Du im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultiere für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Deinen Arzt bzw. Deine Ärztin.

    • Bund Deutscher Hebammen: Schwangerenvorsorge durch Hebammen. Hippokrates. Stuttgart. 2005.
    • Deutscher Hebammenverband: Geburtsarbeit. Hebammenwissen zur Unterstützung der physiologischen Geburt. Hippokrates. Stuttgart. 2013.
    • Glueck, Simon: Das Geheimnis einer glücklichen Geburt. Die 7 Schritte zu einer sicheren und glücklichen Geburt. Natürliche Geburt, Kaiserschnitt und Entspannung. NOVA MD. Vachendorf. 2019.
    • Goerke, Junginger (Hrsg.): Pflege konkret. Gynäkologie. Geburtshilfe. Urban & Fischer. München. 2010.
    • Laue, Birgit: Schwangerschafts 1x1: Die besten Hebammentipps für entspannte 9 Monate. Gräfe und Unzer Verlag. München. 2015.
    • Löseke, Andrea: Skibbe, Xaver: Gynäkologie und Geburtshilfe für Pflegeberufe. 3. Auflage. Thieme. Stuttgart. 2013.
    • Mills, Simon; Bone, Kerry: The Essential Guide to Herbal Safety. Elsevier. St. Louis. 2005.
    • Römer, Ansgar: Akupunktur für Hebammen, Geburtshelfer und Gynäkologen. 5. Auflage. Hippokrates. Stuttgart. 2013.
    • Stadelmann, Ingeborg: Die Hebammen-Sprechstunde. Stadelmann Verlag. Wiggensbach. 2005.
    • Verbraucherzentrale NRW: Schwangerschaft und Geburt selbstbestimmt (Stand: 15.09.2021)