Babys Schlaf vom 4.-12. Monat

Alles über den Schlaf Ihres Babys zwischen dem 4. und 12. Monat

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04.05.20
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Woran man frischgebackene Eltern erkennt? Sie sehen glücklich aus, aber auch müde! Ein kleines Baby schläft zwar viel, aber auf unseren Schlafrhythmus pfeift der kleine Knirps die ersten Monate leider. Wann sich Normalität einstellt – und vor allem, was dies bei Babys überhaupt bedeutet – erfahren Sie hier.

Worum geht es in diesem Artikel?

Welchen Schlafrhythmus hat ein Baby? Welches Schlafverhalten ist bei Babys normal? Wie viel Schlaf brauchen Babys? Der Traum vom Durchschlafen – ab wann lässt ein Baby ihn Wirklichkeit werden? Wie Sie das Schlafverhalten Ihres Babys unterstützen können

Welchen Schlafrhythmus hat ein Baby?

Irgendwie ist es verständlich: 9 Monate lang wuchs Ihr Baby in wohliger Dunkelheit heran und musste seine Schlaf-Perioden, die es schon ab der 36. Schwangerschaftswoche hat, weder irgendwelchen Uhrzeiten noch Elternwünschen anpassen.

In den ersten Wochen brauchen Sie also gar nicht erst damit rechnen, dass Ihr Schatz sich nach einem geregelten Tag- und Nacht-Rhythmus richtet. Er hat schlicht keine Ahnung, was das ist. Erst im Alter von etwa 4 bis 6 Monaten beginnt ein Baby damit, seinen Schlafrhythmus an bestimmte Zeiten anzupassen.

Der Schlaf von Neugeborenen gestaltet sich etwas anders als der von älteren Kindern. In den ersten Wochen kann ein Baby in der Regel den Schlaf-Wach-Rhythmus beibehalten, den es im Mutterleib hatte: Die Schlafphasen des Babys, etwa fünf an der Zahl, sind hierbei gleichmäßig über Tag und Nacht verteilt. In den kürzeren Wachphasen ist dann Zeit, um gefüttert und ausgiebig bekuschelt zu werden.

Im Laufe der ersten 12 Monate verlagert sich der Schlaf zunehmend auf die dunklen Stunden. Die Schlafphasen werden länger, während die Gesamtschlafdauer langsam kürzer wird.

Welches Schlafverhalten ist bei Babys normal?

Anders als bei Erwachsenen, überwiegt bei Säuglingen übrigens der sogenannte REM-Schlaf (Rapid-Eye-Movement-Schlaf). Von den zwei unterschiedlichen Schlafarten ist das der oberflächlichere, in dem Träume stattfinden und bei dem sich – wie der Name schon sagt – die Augen schnell bewegen.

Überhaupt ist dieser Schlaf von größerer motorischer Unruhe geprägt. Eine unregelmäßige Atmung, Zuckungen im Gesicht oder auch Strampeln sind nicht nur normal, sie dienen auch der frühkindlichen Entwicklung. Widerstehen Sie also der Versuchung, Ihr Kleines zu wecken, wenn es sich derart körperlich betätigt.

Den Tiefschlaf erkennt man bei Babys daran, dass sich die Augäpfel unter den Lidern nicht bewegen und das Kind insgesamt ruhiger wirkt. In solchen Phasen kann das Kind meist umgebettet werden, ohne dass es aufwacht.

Übrigens ist es normal, dass ein Baby auch während des REM-Schlafs zwischenzeitlich Wach-Phasen durchläuft. Wie ältere Menschen auch, nimmt es diese Momente kaum wahr.

Wie viel Schlaf brauchen Babys?

Zunächst einmal ist der Schlafbedarf Ihres Babys so individuell wie Ihr kleiner Liebling selbst. Ebenso, wie manche Erwachsene mit weniger Schlaf auskommen als andere, variiert das Schlafverhalten auch bei Babys.

So gibt es in jungem Alter schon Nachteulen und Frühaufsteher, Kurzschläfer und Murmeltiere sowie alle Varianten von In-der-Nacht-Aufwachern.

Die Schlaftabelle für Babys bis zu 12 Monaten

Obwohl sich also nur schwer bestimmen lässt, wie viel Schlaf Ihr Schatz konkret braucht, gibt es Empfehlungen von Schlafexperten, an denen Eltern sich orientieren können. Wie viel der durchschnittliche Schlafbedarf bei Babys pro Tag ungefähr beträgt, zeigt diese Tabelle:

Alter0 – 3 Monate4 – 6 Monate7 – 9 Monate10 – 12 Monate
Schlafbedarf16 – 18 Stunden14,5 Stunden14,2 Stunden14 Stunden
Tagesschlafetwa die Hälfte des gesamten Schlafszunehmender Nachtschlaf, abnehmender Tagesschlafoft Beginn des Durchschlafens in der Nacht (6 bis 8 Stunden)tagsüber nur noch Nickerchen
Anzahl Schläfchen am Tagca. 4-5ca. 3-4ca. 2-3ca. 2

Respektieren Sie das Schlafbedürfnis Ihres Babys

Wenn Ihr Baby davon abweicht, bedeutet dies noch lange nicht, dass es Schlafprobleme hat. Denn auch, wenn diese Tabelle einen hilfreichen Anhaltspunkt darüber gibt, wie viel Schlaf ein Baby braucht, um erholt zu sein: Es handelt sich hier um Mittelwerte von Perzentilenkurven, die sämtliche statistische Verteilungen anzeigen.

Allein in den ersten 4 Wochen schwanken die individuellen Werte zwischen 9 bis 19 Stunden. Wenn Kinder keine weiteren Auffälligkeiten in ihrem Verhalten oder ihrer Gesundheit zeigen, besteht auch kein Grund zur Sorge.

Wenn Sie das individuelle Schlafbedürfnis Ihres eigenen Schatzes in Erfahrung bringen wollen, kann ein Schlafprotokoll helfen, das über 10 bis 14 Tage geführt werden sollte. Anhand dessen können Sie sehen, wann und wie viel Ihr Baby schlafen will. Auch ob möglicherweise Schlafprobleme bestehen, lässt sich so am besten beobachten.

Passen Sie diesen Schlafphasen soweit wie möglich an, wie oft Sie Ihr Baby tagsüber schlafen legen und um welche Uhrzeit abends Zapfenstreich ist.

Woran Sie merken, dass Ihr Baby mehr Schlaf braucht

Ein müdes Baby ist meist unschwer zu erkennen: Gähnen und Augenreiben sind untrügliche Zeichen, dass jetzt Schlummern angesagt ist. Eltern von unruhigen Kindern haben jedoch manchmal den Eindruck, ihr Kleines wolle nicht schlafen, weil es im Bett auf einmal weint. Nicht selten liegt das allerdings eher daran, dass es übermüdet ist.

Ist ein Baby überreizt und kommt tagsüber kaum zur Ruhe, kann das dazu führen, dass es auch dann, wenn es einschlafen soll, keine Entspannung findet. Auch sehr häufiges und anhaltendes Weinen kann daher ein Signal für Schlafmangel sein. Wenn Sie ein solches Verhalten bei Ihrem Kind bemerken, achten Sie besonders tagsüber auf Anzeichen von Müdigkeit.

Der Traum vom Durchschlafen – ab wann lässt ein Baby ihn Wirklichkeit werden?

Auch das kennen viele Eltern: Gerade erst haben sie ihren Liebling schlafen gelegt, und schon trötet er wieder lauthals los. Sie staunen dann über die prahlenden Mütter und Väter, die behaupten, bei ihnen sei Durchschlafen schon nach wenigen Wochen möglich gewesen.

Beide Szenarien sind denkbar und vollkommen normal. Ab wann ein Baby durchschlafen kann, ist ebenso individuell wie das gesamte Schlafverhalten. In der Regel gelingt dies frühestens ab einem Alter von 6 Monaten.

Bedenken Sie jedoch, dass Babys ihre eigene Definition von Durchschlafen haben. Bei ihnen bedeutet das zunächst, 6 bis 8 Stunden am Stück zu schlafen, ohne die Hilfe von Dritten zu benötigen. Wenn Sie schon um vier Uhr wieder geweckt werden, zählt das vielleicht für Sie nicht als Durchschlafen – für Ihr Kind aber schon.

Eine Umfrage der Elternselbsthilfeorganisation GEPS e.V. ergab übrigens, dass nur die Hälfte aller einjährigen Babys schon durchschlafen. Wenn also Ihr 8 oder 10 Monate altes Baby noch nicht ohne Pausen durch den Schlaf kommt, ist das also keinesfalls ungewöhnlich.

Das können Sie tun, wenn ihr Baby nachts aufwacht:

  • Liegen lassen: Nehmen Sie das Baby nicht sofort aus dem Bett, sondern sprechen Sie es mit sanfter Stimme und beruhigenden Worten an.
  • Kleine Rituale: Wenden Sie ein Einschlafritual an, zum Beispiel ein bekanntes Lied oder eine kurze Gute-Nacht-Geschichte.
  • Nächtliche Stimmung: Vermeiden Sie es nach Möglichkeit, das Licht anzumachen oder mit dem Baby zu spielen. Ist ein Wechseln der Windel nötig, sollte das schnell und unaufgeregt vonstatten gehen.
  • Einschlafhilfe: Bieten Sie Ihrem Baby einen Schnuller oder ein kleines Kuscheltier an (nicht so groß, dass es die Atemwege verdecken könnte).

Wie Sie das Schlafverhalten Ihres Babys unterstützen können

Im Großen und Ganzen bestimmt ein Baby selbst, wann es schläft. Es gibt einige Dinge, die Sie tun können, um Ihrem Kind den Einstieg in einen geregelten Schlafrhythmus zu erleichtern.

Tipps für guten Baby-Schlaf:

  • Keinen Schlaf erzwingen: Den natürlichen Schlafrhythmus Ihres Babys werden Sie nach und nach kennenlernen. Achten Sie auf die Signale, die Ihr Schatz Ihnen gibt und richten Sie sich danach. Es macht wenig Sinn, einen hellwachen Knirps zum Mittagsschlaf hinzulegen. Wenn er jedoch Zeichen von Müdigkeit zeigt, sollte er die Gelegenheit bekommen, sich auszuruhen.
  • Überreizung vermeiden: Ihr Baby will gemeinsam mit Ihnen die Welt kennenlernen. In den ersten Monaten ist die Verarbeitung von Eindrücken jedoch eine Herausforderung für das Kleine und bedarf immer wieder Ruhezeiten. Ist ein Zustand der Übermüdung erreicht, schläft das Kind nämlich nicht besser, sondern eher schlechter ein.
  • Feste Abläufe und Rituale für die Schlafenszeit: Wer seinem Körper etwas Gutes tun will, sollte ihm Regelmäßigkeit gönnen. Das gilt auch für Babys: Am besten lernen sie einen festen Tag-Nacht-Rhythmus, indem Gewohnheiten und Zeiten eingehalten werden. Das gilt insbesondere fürs Einschlafen. Wiederkehrende Reihenfolgen und Rituale – sanftes Wiegen, eine Gute-Nacht-Geschichte oder Schlaflieder – helfen Ihrem Schatz von klein auf zu erkennen: Jetzt kommt das Sandmännchen!
  • Geborgenheit bieten: Viel Liebe, Nähe und die Befriedigung aller Bedürfnisse – ob Kuscheln, Trinken oder Spielen: Das sind die besten Voraussetzungen für einen entspannten Schlaf. Holen Sie Ihren Schatz also gern ins Elternschlafzimmer. Wenn das Baby nicht alleine schlafen muss, wird es auch nicht alleine sein, wenn es aufwacht. Der rhythmische Atem von Mama und Papa bietet zudem eine beruhigende Geräuschkulisse.
  • Eine sichere Schlafposition: Auch, wenn manche Babys auf dem Bauch leichter einschlafen, widerstehen Sie der Versuchung: Nachts ist zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstodes die Rückenlage angesagt. Im wachen Zustand ist die Bauchlage wichtig und gut für die Koordination und Wirbelsäule Ihres Kindes. Die Schlafposition eines Babys sollte tagsüber wie nachts immer nur auf dem Rücken sein.

Die Dos and Don'ts rund um Babys Schlaf

So bereiten Sie Ihrem Baby einen gesunden Schlaf, sowohl nachts als auch tagsüber:

  • Legen Sie Ihr Baby zum Schlafen immer auf den Rücken.
  • Achten Sie auf eine nicht zu warme Raumtemperatur zwischen 16 und 19 Grad.
  • Wählen Sie eine feste Matratze und vermeiden Sie Felle und Kissen.
  • Die Schlafumgebung sollte rauchfrei, möglichst ruhig und dunkel sein.
  • Sorgen Sie möglichst dafür, dass Ihr Baby satt ist, wenn Sie es schlafen legen.
  • Legen Sie Ihr Baby zum Schlafen ins Bett, wenn es schon müde, aber noch wach ist.

Was für Babys Schlaf eher hinderlich ist:

  • Warme Kleidung – es reicht, wenn Sie Ihrem Baby zum Schlafen eine Windel, einen Schlafanzug oder einen Schlafsack anziehen.
  • Im Bett mit dem Baby spielen oder gar fernsehen – der Schlafplatz sollte ein Ort der Ruhe bleiben
  • Einschlafhilfen wie Fläschchen, Autofahren oder sich dazulegen möglichst meiden – das Baby wird sich daran gewöhnen und alleine schlechter einschlafen.
  • Das Kind „müde machen“ - Erschöpfung kann für das Einschlafen vom Baby eher hinderlich sein.

Als Mutter oder Vater will man immer alles richtig machen. Bei einem komplexen Thema wie Schlaf ist das nicht immer einfach – zumal Eltern in den ersten Monaten selbst selten genug davon bekommen. Ob Sie nun zu denjenigen gehören, deren Kinder viel schlafen, oder ob Ihre eigenen Augenringe aufgrund kurzer Nächte stetig dunkler werden: Freuen Sie sich auf die wachen Stunden Ihres Lieblings, in denen Sie ihm die Welt zeigen können.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel.
Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.

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Alle Quellen sehen
Quellen:

DGKJ: "Mein Kind schläft nicht"

Kindergesundheit-info.de: Das Wichtigste zum Schlaf im ersten Lebensjahr

Kindergesundheit-info.de: Wann Babys einschlafen und durchschlafen – Tipps für eine ruhige Nacht

Paediatrie.at: Hat mein Kind Schlafprobleme

Kinder- & Jugendärzte im Netz: Babys: Training im Schlaf

Kinder- & Jugendärzte im Netz: Tag-Nacht-Schlaf-Rhythmus beginnt sich erst im Alter von etwa vier Monaten abzuzeichnen

GEPS: Die optimale Schlafumgebung für Ihr Baby

Linz, Christian, Kunz, Felix, Böhm, Hartmut, Schweitzer, Tilmann. Lagerungsbedingte Schädeldeformitäten. In: Deutsches Ärzteblatt Int 2017; 114 (31-32): Seiten 535 ff.

Dr. Barbara Schneider, Dr. Hans-Günter Weeß (Redaktion): Patientenratgeber der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Schlafstörungen bei Säuglingen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen. MBE Landau. 2011

Oskar G. Jenni, Ivo Iglowstein, C. Benz, Remo H. Largo: Perzentilenkurven für die Schlafdauer in den ersten 16 Lebensjahren. pädiat. prax. 63 (2003) Hans Marseille Verlag. München. Seiten 481-489

Dr. med. Illing, Stephan. Kinderheilkunde für Hebammen. Stuttgart: Hippokrates Verlag, 2003, Seiten 46 - 48

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