Baby schläft nicht

Wenn Ihr Baby Schlafprobleme hat

3 Ansichten
04.05.20
5 Lesedauer

Stundenlanges Wiegen, Auf- und Ablaufen, Schunkeln oder Wippen. Fast alle frischgebackenen Eltern kennen das: Das Baby kann einfach nicht schlafen und ist doch so müde! Je länger diese Phase dauert, desto mehr drängt sich der Gedanke auf, dass das Baby unter echten Schlafproblemen leiden könnte. Aber ab wann spricht man wirklich von einer Schlafstörung und was kann man dagegen tun?

Worum geht es in diesem Artikel?

Was ist normal? Schlafbedürfnisse ändern sich stetig! Was sind häufige Schlafprobleme? Was versteht man unter einer Schlafstörung? Was können Sie tun, um Schlafproblemen vorzubeugen?

Was ist normal? Schlafbedürfnisse ändern sich stetig!

Das Schlafbedürfnis eines Menschen sinkt mit zunehmendem Alter. Säuglinge benötigen in den ersten Wochen und Monaten innerhalb von 24 Stunden ungefähr 17 Stunden Schlaf. Bis zum 10. Lebensjahr halbiert sich die Zahl fast (9 Stunden). Erwachsene benötigen nur noch 7 bis 8 Stunden. Das Schlafbedürfnis befindet sich also im stetigen Wandel. Auch ist es für jeden Menschen unterschiedlich.

Bei Neugeborenen wird der Tag und die Nacht von Nahrungsaufnahme und Schlaf bestimmt. Ungefähr 5 Schlafeinheiten sind durchaus normal. Bis zum 6. Monat schläft so manches Baby schon etwas länger am Stück. Im Laufe des ersten Jahres sinkt das Schlafbedürfnis. Jetzt werden unter Tags nur noch zwei Nickerchen gemacht. Mit 18. Monaten gehen viele Kinder zum Mittagschlaf über und ruhen tagsüber nur noch einmal.

Es ist schwer, ganz genau zu sagen, wie viel Stunden ein Baby wirklich benötigt. Auch unter Babys gibt es Nachteulen, Langschläfer und Frühaufsteher. Außerdem beeinflussen auch äußere Faktoren, wie zum Beispiel Krankheitsphasen, den Schlaf. Sollte Ihr Baby also nicht die empfohlenen Schlafzeiten einhalten, heißt das noch lange nicht, dass es ein echtes Schlafproblem hat.

Was sind häufige Schlafprobleme?

Was wir unter normalem Schlaf verstehen, kann man nicht einfach so auf Babys übertragen. Für unser Empfinden, schlafen fast alle Babys bis zum Ende ihres ersten Lebensjahres schlecht.

Übliche Schlafschwierigkeiten

Eine Reihe von Schlafproblemen sind für ein Baby völlig normal und werden sich im Laufe der Monate und Jahre von selbst regulieren. Dazu gehören:

  • Ihr Baby schläft nicht durch und wacht immer mal wieder auf, obwohl es satt sein müsste.
  • Es wirkt auf Sie, als schläft Ihr Baby besonders unruhig, weil es häufig seine Schlafposition verändert oder sich viel bewegt.
  • In den ersten drei Monaten lasst sich noch kein geregelter Tag-Nacht-Rhythmus feststellen.
  • Ihr Baby findet in den ersten Lebensmonaten nicht ohne Ihre Hilfe in den Schlaf.
  • Der Schlaf wird unterbrochen, weil Ihr Baby hungrig ist.

All das ist erst mal völlig normal und sollte Sie nicht in Sorge versetzen. Oft steckt hinter unruhigem Schlaf oder Einschlafproblemen auch eine Regulationsstörung. Diese lässt sich bei manchen Babys in den ersten 3 Monaten beobachten und bessert sich im Laufe der Zeit.

Temporäre Faktoren

Äußere Faktoren haben einen großen Einfluss auf den Schlaf der Kleinen:

  • Ungewohnter Tagesablauf. Babys lieben Routinen. Der immer gleiche Ablauf beim Essen, Spielen und Zubettgehen helfen Kindern, auch am Abend zur Ruhe zur kommen. Alles hat also seine feste Zeit. Gerät das durcheinander – zum Beispiel durch eine Reise oder dem Besuch bei Verwandten und Freunden – kann sich das auch negativ auf den Schlaf auswirken.
  • Zahnen. Wacht Ihr Baby häufig auf und reibt es sich das Zahnfleisch oder das Ohr, könnte es daran liegen, dass es Zähne bekommt. Im Durchschnitt beginnt ein Baby mit 6. Monaten zu Zahnen. Da das nicht immer schmerzfrei verläuft, könnte das vorübergehend zu Schlafproblemen führen.
  • Verschiebung des Rhythmus. Während der Elternzeit eine Fernreise zu machen, ist sehr beliebt. Normalerweise sind die Babys dann zwischen 4 und 13 Monate alt. Liegt das Reiseziel in einer anderen Zeitzone, wird Ihrem Baby der Jet-Leg zu schaffen machen und Schlafprobleme sind vorprogrammiert.
  • Impfen. Es ist nicht wirklich erwiesen, dass es nach einer Impfung zu Schlafproblemen kommt. Allerdings berichten Eltern immer wieder davon. Tatsächlich kann ein unruhiger Schlaf eine mögliche Nebenwirkung der Pneumokokken-Impfung (drei Impfungen zwischen dem 2. und 11. Lebensmonat) sein.

Bevor Sie sich also allzu große Sorgen machen, sollten Sie kurz in sich gehen und überlegen, ob es in letzter Zeit Veränderungen gab, die vielleicht dazu führen, dass Ihr Baby gerade sehr unruhig schläft. Das herauszufinden, kann sehr erleichternd sein, denn Sie wissen nun, dass auch wieder andere Zeiten kommen werden. Es ist auch beruhigend zu wissen, dass fast ein Fünftel aller Kinder bis zu ihrem sechsten Lebensjahr Schlafprobleme haben. Sie sind also nicht allein damit!

Was versteht man unter einer Schlafstörung?

Sollte Ihr Baby tagsüber quengelig oder unausgeglichen sein, weil es nachts nicht gut schläft, sollten Sie etwas genauer hinschauen. Vielleicht liegt doch ein schwerwiegenderes Problem zugrunde.

Nachtschreck

Der Nachschreck (Pavor Nocturnus) ist ein Phänomen bei Kleinkindern. Wenn Sie folgende Dinge an Ihrem Liebling beobachten, könnte es sich evtl. um den Nachtschreck handeln:

  • Ihr Kind wacht in der ersten Hälfte der Nacht auf, aber Sie haben das Gefühl, dass es eigentlich noch schläft.
  • Es ist Ihnen nur schwer möglich, Ihr Kind aufzuwecken.
  • Ihr Baby schreit und wirkt besonders ängstlich.
  • Am nächsten Tag kann es sich offensichtlich an nichts erinnern.

Der Nachtschreck tritt gern im Zusammenhang mit fiebrigen Erkrankungen, in Phasen emotionaler Belastungen oder bei Schlafmangel auf. Das heißt, es muss sich also auch hier nicht um einen Dauerzustand handeln und die Durchschlafprobleme Ihres Babys verschwinden von alleine wieder.

Schlaftrunkenheit

Weniger drastisch hingegen ist die Schlaftrunkenheit. Wird ein Baby oder Kind spontan wach oder geweckt, kann es hier zu einer Art Orientierungslosigkeit kommen. Diese äußert sich folgendermaßen:

  • verlangsamte Reaktion auf äußere Reize
  • ggf. undeutliche Sprache
  • örtliche und zeitliche Orientierungslosigkeit
  • kein Erinnerungsvermögen an die Zeit des Aufwachens

Dieser Zustand normalisiert sich nach 10 – 15 Minuten wieder. Mit Einsetzen der Pubertät verwächst sich meist auch die Schlaftrunkenheit.

Schnarchen und Atemaussetzer

Sollten Sie nachts ein Schnarchen vernehmen, muss das nicht immer von Ihrem Partner kommen. Auch Babys können schon ordentlich schnarchen und sogar Atemaussetzer (Apnoe) haben. Die Gründe hierfür könnten vergrößerte Mandeln, eine Fehlstellung des Kiefers oder eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte sein.

Die Folge bei Erwachsenen: Trotz genügend Stunden Schlaf fühlen sie sich abgeschlagen und leiden unter Müdigkeit. Bei Kindern ist jedoch genau das Gegenteil der Fall: Sie sind aufgedreht und zappelig. Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt. Dieser wird Sie ggf. an ein Schlaflabor verweisen, um festzustellen, wie ausgeprägt das Problem ist und wie man Abhilfe schaffen kann, damit Ihr Baby wieder ruhig schläft.

Auch Schlafwandel und häufige Albträume sind ernst zu nehmende Probleme, die von den Eltern gut beobachtet und am besten mit einem Arzt besprochen werden sollten. Denn manchmal stehen Schlafprobleme bei Babys auch in einem Zusammenhang mit einer organischen Störung, die behandelt werden kann.

Was können Sie tun, um Schlafproblemen vorzubeugen?

Egal, ob Ihr Baby an relativ üblichen Schlafprobleme oder einer echten Schlafstörung leidet: Sie sollten auf jeden Fall darauf reagieren, denn nicht nur Ihr Baby braucht genügend Schlaf, sondern auch Sie.

Eine gute Schlafumgebung

Ein Erwachsener, aber auch ein Baby, schläft nur dann richtig gut ein, wenn es sich sicher und geborgen fühlen und nicht gestört wird. Sorgen Sie also für eine ruhige und gemütliche Atmosphäre. Vermeiden Sie grelles Licht, Lärm und zu viel Chaos im Schlafbereich. Es soll ein Ort sein, an dem Ihr kleiner Schatz loslassen und entspannen kann.

Gerade ein Säugling schläft am besten in unmittelbarer Nähe zu seinen Eltern und nicht gern alleine. Daher sollte Ihr Schlafzimmer ein Ort der Ruhe sein, falls Ihr Kind die Nacht mit Ihnen in einem Raum oder Bett verbringt. Das gilt auch nachts, wenn Sie Ihr Baby füttern. Hier empfiehlt sich ein gedämpftes oder indirektes Licht.

Einschlafrituale

Einzuschlafen heißt auch immer, dass Ihr Baby sich in gewisser Art und Weise von Ihnen trennen muss. Helfen Sie ihm dabei, indem Sie Einschlafrituale einführen. Diese sollten sich an jedem Abend ungefähr zur selben Uhrzeit wiederholen. So ist das Zubettgehen für Ihr Baby berechenbar und es kann sich darauf einstellen.

Beliebte Rituale sind:

Das Ritual sollte nicht länger als 30 Minuten dauern und immer gleich ablaufen. Tätigkeiten, die Ihr Kind zu sehr aufwühlen würden, wie das Hören von lauter Musik oder ein zu intensives Spiel, sind hier natürlich ungeeignet. Nutzen Sie vielmehr diese Zeit, den Tag langsam und ruhig zu verabschieden.

Für einen guten Nachtschlaf

Darüber hinaus sollten Sie die folgenden Dinge gewährleisten, damit Ihr Kind nachts ruhig schlafen kann:

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Baby nicht schwitzt. Die Raumtemperatur sollte zwischen 16 - 18°C liegen.
  • Legen Sie Ihr Baby zum Schlafen auf den Rücken.
  • Verwenden Sie einen Schlafsack.
  • Wählen Sie eine härtere Matratze für das Babybett.
  • Geben Sie keine schwere Kost vor dem Zubettgehen.

Im Allgemeinen sollte die Einschlafsituation der Schlafsituation in der Nacht entsprechen. Ihr Baby wacht ungefähr aller zwei Stunden auf. Findet es dann eine andere Umgebung oder Situation vor (z. B. nicht mehr auf Ihrem Arm), als die, in der es eingeschlafen ist, könnte Ihr Baby ängstlich reagieren und will nicht mehr einschlafen. Ideal wäre es also, wenn es lernt, ohne Hilfsmittel einzuschlafen.

Falls Sie das Gefühl haben, dass Ihr Baby unter Schlafproblemen leidet, sollten Sie Ihre Schlafmütze ganz genau beobachten. Führen Sie vielleicht ein Schlaftagebuch, um herauszufinden, wie viel Stunden Ihr Kind innerhalb von 24 Stunden wirklich schläft. Vor allem scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel.
Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.

Flexible banner
Alle Quellen sehen
Quellen:

DGKJ: "Mein Kind schläft nicht"

Gesundheit.gv.at: Wenn das Traummännlein nicht kommt...

Paediatrie.at: Hat Mein Kind Schlafprobleme

Kindergesundheit-info: Wenn der Babyschlaf große Probleme bereitet

Kinder- & Jugendärzte im Netz: Anstrengend für Baby und Eltern: Wenn die ersten Zähne kommen

Kindergesundheit-info: Das Wichtigste zum Schlaf im ersten Lebensjahr

BZGA: Pneumokokken-Impfung bei Kindern

RKI: Themenblatt: Schlaf

DGSM: Schlafstörungen

Dr. Barbara Schneider, Dr. Hans-Günter Weeß (Redaktion): Patientenratgeber der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Schlafstörungen bei Säuglingen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen. MBE Landau. 2011

GEPS-NRW e.V. (Hrsg.): Die optimale Schlafumgebung für Ihr Baby. Ein Ratgeber für Eltern und alle, die es werden wollenMünster. 2008.

Weigert, Viviane: Schlaf, Baby, Schlaf. Goldmann. München. 2004

Das könnte Sie auch interessieren: