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Blasensprung

Wenn die Fruchtblase platzt: Alles über den Blasensprung

4 Min. LesezeitAktualisiert am 7 September 2023

Man kennt es aus Filmen: Mit einem plötzlichen Schwall ist die Fruchtblase geplatzt und die werdende Mutter stürmt ins Krankenhaus. Ganz so dramatisch geht es im echten Leben meist nicht zu. Dennoch ist der Blasensprung im Regelfall ein sicheres Zeichen dafür, dass die Geburt begonnen hat oder kurz bevorsteht.

In diesem Artikel erfährst du, welche Formen ein Blasensprung haben kann, wie du ihn erkennst, was du bei Fruchtwasserabgang tun solltest und wann ein sofortiger ärztlicher Kontakt wichtig ist. Der Ablauf orientiert sich am natürlichen Geburtsverlauf, wie er auf familienplanung.de beschrieben wird. Mit dem richtigen Wissen kannst du gelassen bleiben – egal, wann und wie ein Blasensprung eintritt.

Die Funktion der Fruchtblase und des Fruchtwassers

Bis zur Geburt ist dein Baby von der Fruchtblase umgeben, die mit Fruchtwasser gefüllt ist. Die Fruchtblase bildet sich bereits in der Frühschwangerschaft vollständig aus und besteht aus zwei stabilen Eihäuten. Reißen diese Eihäute, ist die Fruchtblase geplatzt und Fruchtwasser tritt aus der Scheide aus – je nach Art des Blasensprungs schwallartig oder nur tröpfchenweise.

Das Fruchtwasser schützt dein Baby, wirkt wie ein Stoßdämpfer und unterstützt seine Entwicklung. Es wird vor allem von den Eihäuten gebildet; auch der Urin des Kindes trägt zur Fruchtwassermenge bei. Typischerweise ist Fruchtwasser klar bis leicht gelblich und geruchlos – ein wichtiges Erkennungsmerkmal beim Blasensprung.

Die Fruchtwassermenge verändert sich im Verlauf der Schwangerschaft: Um die 20. Schwangerschaftswoche sind etwa 500 ml vorhanden, um die 38. Schwangerschaftswoche herum erreicht sie mit rund 1,5 Litern ihren Höchststand und nimmt Richtung Geburt wieder etwas ab. Das erklärt, warum ein Blasensprung manchmal deutlich sichtbar ist und sich in anderen Fällen nur als wiederkehrendes Nässen bemerkbar macht.

Auch die Farbe des Fruchtwassers liefert wichtige Hinweise. Grünlich verfärbtes Fruchtwasser kann darauf hindeuten, dass das Baby Kindspech (Mekonium) abgegeben hat, und sollte immer zeitnah medizinisch abgeklärt werden. Zu wenig oder zu viel Fruchtwasser kann ebenfalls auf mögliche Risiken hinweisen.

Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese): Stellt eine Gynäkologin oder ein Gynäkologe beim Ultraschall oder im Rahmen des Ersttrimester-Screenings Unregelmäßigkeiten fest, kann eine Untersuchung des Fruchtwassers zusätzliche Klarheit schaffen. Im Fruchtwasser befinden sich Zellen des Fötus, die entnommen und analysiert werden können, um medizinische Fragestellungen weiter abzuklären.

Welche Arten des Blasensprungs gibt es?

Nicht jeder Blasensprung verläuft gleich. In der Geburtshilfe wird danach unterschieden, wann die Fruchtblase im Geburtsverlauf reißt.

Rechtzeitiger Blasensprung: Die Fruchtblase platzt gegen Ende der Eröffnungsphase, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist. Das ist der normale Verlauf und tritt bei etwa zwei Dritteln aller Geburten auf („Bei zwei Drittel der Gebärenden platzt gegen Ende der Eröffnungsphase schmerzlos die Fruchtblase.“; AWMF S3‑Leitlinie 015‑083).

Frühzeitiger Blasensprung: Die Fruchtblase platzt während der Eröffnungsphase, bevor der Muttermund vollständig geöffnet ist. Wehen haben bereits eingesetzt – dies ist nicht dasselbe wie ein vorzeitiger Blasensprung.

Vorzeitiger Blasensprung: Die Fruchtblase platzt vor Beginn regelmäßiger Wehentätigkeit. Dies kann am Termin (≥ 37. Schwangerschaftswoche – SSW) auftreten oder vor dem Termin (< 37. SSW). Vor der 37. SSW spricht man von einem echten vorzeitigen Blasensprung (international: PPROM), der mit erhöhtem Infektionsrisiko verbunden ist und eine häufige Ursache für Frühgeburten darstellt (AWMF S2k‑Leitlinie 015‑025).

Auch familienplanung.de betont, dass Zeitpunkt und Schwangerschaftswoche das weitere Vorgehen bestimmen.

Hinweis: Im Alltag wird der Begriff „vorzeitiger Blasensprung“ oft allgemein verwendet. Medizinisch ist jedoch entscheidend, ob Wehen bereits eingesetzt haben und in welcher Schwangerschaftswoche der Blasensprung auftritt, da daraus abgeleitet wird, welche Maßnahmen erforderlich sind.

Was löst den Blasensprung aus und wann passiert er?

Was löst den Blasensprung aus?

Beim Blasensprung reißen die Eihäute der Fruchtblase meist im unteren Bereich nahe dem Muttermund. Zum Ende der Schwangerschaft nimmt ihre Stabilität ab, während die Wehen – also die Kontraktionen der Gebärmutter – zunehmend Druck auf die Fruchtblase ausüben. Im Verlauf des Geburtsprozesses kommt es daher häufig zum Blasensprung. In den meisten Fällen passiert dies gegen Ende der Eröffnungsphase, wenn der Muttermund nahezu oder vollständig geöffnet ist. Laut der AWMF S3‑Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“ platzt bei etwa zwei Dritteln aller Gebärenden die Fruchtblase in dieser Phase schmerzlos.

Wann genau platzt die Fruchtblase?

Viele Schwangere achten in den letzten Tagen besonders auf Anzeichen der Geburt. Ist die Fruchtblase geplatzt, beginnt normalerweise die Geburt oder sie steht kurz bevor. Eine Schwangerschaft dauert meist 38 bis 42 Wochen. Unregelmäßige Senk‑ oder Übungswehen davor sollten jedoch keinen Blasensprung auslösen. Tritt der Blasensprung ohne Wehen um den errechneten Geburtstermin herum auf, setzen diese häufig innerhalb von 24 Stunden ein. Jede Geburt verläuft individuell: Manchmal platzt die Fruchtblase erst kurz vor der Austrittsphase – selten kommen Kinder sogar mit intakter Fruchtblase zur Welt. Einen Überblick zum natürlichen Geburtsverlauf bietet - familienplanung.de.

Was passiert bei einem Blasensprung ohne Wehen?

Geht Fruchtwasser ab, ohne dass regelmäßige Wehen eingesetzt haben, spricht man von einem Blasensprung ohne Wehen. Medizinisch wird dies als vorzeitiger Blasensprung bezeichnet. Je nach Schwangerschaftswoche und Begleitumständen erfordert diese Situation eine sorgfältige ärztliche Abklärung.

Ursachen und Risikofaktoren

Die häufigste Ursache für einen vorzeitigen Blasensprung sind aufsteigende Scheideninfektionen, bei denen Keime die Eihäute schwächen. Weitere bekannte Risikofaktoren sind Mehrlingsschwangerschaften, eine übermäßige Fruchtwassermenge (Polyhydramnion) sowie eine vorangegangene Frühgeburt oder ein früherer vorzeitiger Blasensprung. Auch eine Zervixinsuffizienz (verkürzter oder geschwächter Gebärmutterhals) und Rauchen während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko, wie in der AWMF S2k‑Leitlinie 015‑025 beschrieben.

Risiken für Mutter und Kind

Nach dem Blasensprung ist das Baby weniger vor aufsteigenden Bakterien geschützt. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen der Fruchthöhle (Amnioninfektionssyndrom, AIS). Zudem kann es in seltenen Fällen zu einem Nabelschnurvorfall kommen, bei dem die Sauerstoffversorgung des Kindes beeinträchtigt wird. Ein vorzeitiger Blasensprung ist außerdem eine der häufigsten Ursachen für Frühgeburten: Laut AWMF beginnt etwa ein Drittel aller Frühgeburten mit einem vorzeitigen Blasensprung.

Behandlung nach Schwangerschaftswoche

Das weitere Vorgehen richtet sich maßgeblich nach der Schwangerschaftswoche:

  • Vor der 34. SSW steht das Ziel im Vordergrund, die Schwangerschaft zu verlängern. Dazu werden wehenhemmende Medikamente, Antibiotika zum Infektionsschutz und Kortison zur Lungenreifeinduktion eingesetzt

  • Zwischen der 34. und 36. bis 42. SSW erfolgt eine enge Überwachung, bei der Nutzen der Schwangerschaftsverlängerung und Infektionsrisiko sorgfältig abgewogen werden.

  • Ab der 37. SSW wird die Geburt in der Regel eingeleitet, da das Baby als reif gilt

Solltest du das Gefühl haben, dass du frühzeitig Fruchtwasser verlierst, wende dich umgehend an deine Hebamme, dein Krankenhaus oder deinen Frauenarzt / deine Frauenärztin.

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Anzeichen: Ist die Fruchtblase geplatzt?

Wie sich eine geplatzte Fruchtblase anfühlt, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Bei einigen Schwangeren platzt die Fruchtblase, ohne dass sie es überhaupt bemerken, da sie sich bereits vollkommen auf die Wehen konzentrieren.

Typische Anzeichen eines Blasensprungs

Einige Hinweise sprechen dafür, dass die Fruchtblase geplatzt ist: Dein Slip ist plötzlich feucht oder durchnässt, das Fruchtwasser kann schwallartig oder tröpfchenweise abgehen und lässt sich nicht bewusst zurückhalten. Fruchtwasser ist dünnflüssiger als Ausfluss, meist klar bis hellgelb und in der Regel geruchlos oder leicht süßlich. Anders als Urin lässt sich der Abgang von Fruchtwasser nicht durch Anspannen der Beckenbodenmuskulatur stoppen – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, das auch auf familienplanung.de beschrieben wird.

Wie wird ein Blasensprung diagnostiziert?

Besteht der Verdacht auf einen Blasensprung, erfolgt die Abklärung meist in der Klinik oder bei der Frauenärztin bzw. dem Frauenarzt. Häufig genügt bereits eine klinische Untersuchung: Bei einer Spekulumeinstellung kann sichtbar gemacht werden, ob Fruchtwasser aus dem Muttermund austritt.

Ergänzend können pH‑Teststreifen eingesetzt werden. Fruchtwasser ist basisch (pH > 7), während Scheidensekret und Urin saurer sind – ein pH‑Wert über sieben spricht daher für Fruchtwasser. Bei unklaren Fällen kommen Schnelltests zum Einsatz, die fruchtwasserspezifische Eiweiße nachweisen. Zusätzlich kann ein Ultraschall helfen, die verbleibende Fruchtwassermenge zu beurteilen und das weitere Vorgehen festzulegen. Dein Arzt oder deine Ärztin erklärt dir, was genau in deiner Situation zu tun ist.

Was solltest du tun, wenn dein Blasensprung eintritt?

Ist deine Schwangerschaft bisher ohne Komplikationen verlaufen und liegt der Kopf deines Babys bereits tief im Becken, muss ein Blasensprung zunächst keine Unruhe auslösen. Häufig haben bereits leichte Wehen eingesetzt, und du kannst dich in Ruhe auf den Weg ins Krankenhaus machen oder deine Hebamme informieren. Spätestens, wenn die Wehen etwa alle fünf Minuten auftreten, solltest du deine Kliniktasche nehmen und losfahren. Einen Überblick zum normalen Geburtsverlauf findest du auch auf familienplanung.de.

Wichtig ist, dass du dir Zeitpunkt und Eigenschaften des Fruchtwassers merkst: War es klar, gelblich, grünlich oder blutig? Ging es schwallartig ab oder nur tröpfchenweise? Gab es einen auffälligen Geruch? Diese Informationen helfen dem medizinischen Team 4

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FAKTEN IM ÜBERBLICK

Ein Blasensprung ist das Reißen der Fruchtblase, wodurch Fruchtwasser abgeht. Er kann rechtzeitig (am Ende der Eröffnungsphase), frühzeitig (in der Eröffnungsphase vor vollständiger Öffnung) oder vor Beginn regelmäßiger Wehen auftreten.

Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen findest du im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultiere für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer deinen Arzt.

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