
Wann geht es los? Alles über die Geburtsanzeichen
Viele Frauen fragen sich: Woran erkenne ich, dass die Geburt bald beginnt? Genau diese Frage ist in den letzten Wochen der Schwangerschaft ganz normal – und manchmal auch ein bisschen nervenaufreibend. Denn selbst wenn der errechnete Termin näher rückt, hält sich dein Körper selten an den Kalender.
Wichtig zu wissen: Geburtsvorzeichen und andere Anzeichen für die Geburt können schon Tage oder sogar Wochen vor dem eigentlichen Start auftreten. Manche Signale sind eher unauffällig (z. B. ein anderer Druck im Becken), andere sind deutlicher – etwa wenn regelmäßige Wehen einsetzen oder Fruchtwasser abgeht. Typische Vorzeichen der Geburt sind außerdem, dass sich das Baby tiefer ins Becken senkt, der Schleimpfropf abgeht oder ein Blasensprung passiert.
Gleichzeitig gilt: Jede Schwangerschaft ist einzigartig. Was für die eine Frau eindeutige Anzeichen kurz vor der Geburt sind, kann sich bei einer anderen ganz anders zeigen – und das ist völlig okay. In diesem Artikel erfährst du, welche Geburtsanzeichen häufig sind, wie du sie einordnen kannst und wann es sinnvoll ist, deine Hebamme oder das Krankenhaus zu kontaktieren.
Welche frühen Anzeichen deuten auf die bevorstehende Geburt hin?
Nicht jede Veränderung bedeutet sofort „Es geht los“ – aber viele frühe Geburtsanzeichen zeigen, dass dein Körper sich auf den großen Moment vorbereitet. Diese erste Anzeichen für eine Geburt können Tage oder Wochen zuvo auftauchen und kommen nicht bei jeder Frau in gleicher Kombination vor – solche „kurz vor Geburt“-Symptome sind also ganz individuell.
Wenn du solche Geburtsanzeichen bemerkst, ist das erst einmal kein Grund zur Sorge. Achte darauf, wie sich die Symptome entwickeln, und sprich bei Unsicherheit lieber früh mit deiner Hebamme oder Ärztin/deinem Arzt.
Wie erkennst du, dass sich dein Baby ins Becken gesenkt hat?
Wenn sich dein Baby in den letzten Wochen der Schwangerschaft tiefer ins Becken senkt, sprechen viele vom „Lightening“ – das Baby senkt sich vor Geburt merklich. Häufig spürst du schon, dass das Atmen wieder leichter fällt, weil weniger Druck auf Brustkorb und Zwerchfell liegt. Gleichzeitig nimmt der Druck nach unten zu: Du musst öfter zur Toilette, und ein Ziehen im Beckenboden kann auftreten – das Baby rutscht ins Becken.
Dieses Absinken wird oft von Senkwehen begleitet. Der Bauch wirkt sichtbar tiefer, manchmal verändert sich auch deine Haltung oder Silhouette. Wichtig: Die Senkung kann Wochen vor der Geburt passieren, bei manchen erst kurz davor – sie ist ein Anzeichen, aber nicht automatisch der Startschuss. Wenn du unsicher bist, ob es Senkwehen oder bereits echte Wehen sind, hilft vor allem der Blick auf Regelmäßigkeit und Intensität.
Die stillen Anzeichen der Geburt
Sowohl dein Körper als auch dein Baby bereiten sich auf die Entbindung vor – vieles läuft im Hintergrund.
Was passiert im Körper der Frau?
Zu den stillen Anzeichen gehören körperliche Veränderungen vor Geburt: Muttermund, Scheide, Damm, Beckenboden und Geburtskanal werden nachgiebiger, damit dein Kind leichter durchkommt. Im Becken lockert vor allem das Schwangerschaftshormon Relaxin die Bandstrukturen; dadurch kann eine empfindliche Lockerung der Symphyse entstehen. Auch der Gebärmutterhals verändert sich: In der Zervixreifung wird er weicher und kürzer, und es kann sich der Muttermund vor Geburt bereits leicht öffnen.
Wie bereitet sich das Kind auf die Geburt vor?
Dein Baby „trainiert“ mit Drehungen und Abstoßen (Geburtsgymnastik) und liegt idealerweise mit dem Kopf nach unten, um tiefer ins Becken zu rutschen. Rhythmisches Pochen kann Schluckauf sein – Training für die Atemmuskulatur. Zudem lagert es braunes Fett als Wärmemantel ein, weil Neugeborene ihre Körpertemperatur nach der Geburt noch nicht selbst regulieren können. Hormone wie Progesteron aus deiner Plazenta, Östrogen und Oxytocin unterstützen die finale Reifung – so ist der Körper auf die Geburt vorbereitet. Auch wenn du das alles kaum bemerkst, arbeitet dein Körper für den Endspurt – sprich bei Unsicherheit mit Hebamme oder Arzt.
Dein Babybauch verändert sich: Zervixreifung und Senkwehen
Im letzten Monat deiner Schwangerschaft (oft ab der 36. Schwangerschaftswoche) rutscht dein Baby tiefer ins Becken und dein Babybauch kann sich sichtbar senken. Gleichzeitig startet die Zervixreifung: Beim Verstreichen wird der Gebärmutterhals dünner und weicher, bei der Muttermundöffnung weitet sich der Muttermund bis etwa 10 cm. Wehen treiben das voran.
Das sagen die Frauenärzte-im-netz: „Die Eröffnungsperiode zeichnet sich durch den Beginn regelmäßiger Wehen (alle 3 bis 6 Minuten) aus, welche die Öffnung des Muttermundes bewirken.”
Manche Frauen kennen diese Beschwerden von der Regelblutung oder dem Dehnungsschmerz der Mutterbänder während der Schwangerschaft. Spürst du mehr Druck nach unten oder einen häufig harten Bauch, beobachte Rhythmus und Verlauf und hol dir bei Unsicherheit Unterstützung.
Woran erkennst du, dass die aktive Geburtsphase begonnen hat?
Die aktive Geburtsphase beginnt meist, wenn regelmäßige Wehen spürbar schmerzhaft werden und sich steigern. Per familienplanung.de (Geburtsverlauf): „Die Frau erkennt die Eröffnungsphase meist daran, dass die Wehen nun in regelmäßigen Abständen kommen und schmerzhaft sind.”
Typische Zeichen, dass die Geburt beginnt, sind:
Laut Frauenärzte-im-netz (Geburtsphasen) und der AWMF S3-Leitlinie: Vaginale Geburt am Termin führen diese regelmäßigen, schmerzhaften Kontraktionen zu einer fortschreitenden Muttermundöffnung. Echte Wehen hören – anders als Übungswehen – nicht durch Ruhe oder Positionswechsel auf. Wenn du unsicher bist, ruf lieber einmal mehr bei deiner Hebamme an.
Sind das schon echte Wehen?
Das wohl eindeutigste Geburtsanzeichen sind die Wehen. Doch gerade beim ersten Kind ist es nicht ganz einfach zu entscheiden, ob es sich bei den Schmerzen im Bauch oder Rücken auch um echte Wehen handelt.
Unechte und geburtseinleitende Wehen
Übungswehen und Senkwehen kommen und gehen in unregelmäßigen Abständen, ohne dabei so richtig an Fahrt aufzunehmen. Selbst wenige Tage vor der Geburt können Vorwehen einsetzen, die sich zwar intensiv anfühlen, aber immer noch keine echten Geburtswehen sind.
Geburtswehen von Übungswehen unterscheiden: Tipps und Tricks
Gerade für Erstgebärende ist es nicht immer leicht, zu entscheiden, ob es nun schon so weit ist oder nicht. Es gibt ein paar kleine Tricks, wie du herausfindest, dass die Wehen die Geburt einleiten und es jetzt wirklich losgeht:
Allerdings bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel und was auf die eine Frau zutrifft, kann bei der nächsten schon ganz anders sein. In jedem Fall gilt immer: Solltest du dir nicht sicher sein, ob du die körpereigenen Anzeichen der Geburt richtig deutest, ruf deine Hebamme oder im Krankenhaus an.
Wie misst du die Abstände zwischen den Wehen?
Wenn du Wehen-Abstände messen möchtest, miss immer vom Beginn einer Wehe bis zum Beginn der nächsten. So erkennst du, ob sich die Abstände verkürzen – ein wichtiges Zeichen, dass die Geburt voranschreitet. Laut familienplanung.de kommen Geburtswehen häufig regelmäßig alle 5–15 Minuten und dauern etwa eine Minute; frühe Eröffnungswehen treten meist alle 5–20 Minuten auf und halten 30–60 Sekunden an.
Achte beim Wehen-Timer auf drei Werte: die Häufigkeit (Abstand zwischen den Wehen), die Dauer jeder Wehe sowie den Verlauf – also ob die Wehen näher zusammenrücken und stärker werden.
Zur Orientierung, wann Du bei Wehen ins Krankenhaus gehen solltest: Bei Erstgebärenden kann es sinnvoll sein, Hebamme oder Klinik zu kontaktieren, wenn die Wehen etwa eine Stunde lang regelmäßig alle 5 Minuten kommen und nicht mehr gut wegzuatmen sind. Ab dem zweiten Kind wird oft schon bei regelmäßigen Wehen alle 10 Minuten reagiert. Laut Frauenärzte-im-netz solltest du die Geburtseinrichtung bei Wehenabständen von 5–10 Minuten aufsuchen; ergänzend erklärt die Apotheken-Umschau, dass echte Wehen sich nicht durch Ruhe oder Positionswechsel stoppen lassen. Diese Angaben sind Richtwerte – individuelle Empfehlungen deiner Hebamme oder Ärztin/deines Arztes haben immer Vorrang.
Ein sicheres Geburtsanzeichen: der Schleimpfropf
Der Schleimpfropf verschließt während der Schwangerschaft den Gebärmutterhals und verhindert somit das Eindringen von Keimen. Kurz vor der Geburt dehnt beziehungsweise öffnet sich der Muttermund und der Schleimpfropf geht ab. Dies gilt als sicheres Geburtsanzeichen.
Das Ablösen des Pfropfes kann schon einige Tage vor der eigentlichen Geburt passieren. Manchmal sogar schon in der 38. Schwangerschaftswoche. Wenn du bereits ein Kind geboren hast, kann es sein, dass du etwas früher bemerkst, dass der Schleimpfropf abgegangen ist, da die Muskeln um den Gebärmutterhals lockerer sind als bei der ersten Schwangerschaft.
So erkennst du, dass sich der Schleimpfropf gelöst hast:
Da sich der Schleimpfropf unter Umständen schon Wochen vor der ersten echten Geburtswehe lockern kann, lässt sich keine sichere Aussage darüber treffen, wann es nun genau losgehen wird. Sicher ist allerdings: Dein Körper macht sich bereit für die Geburt.
Was ist die Zeichnungsblutung und wie unterscheidet sie sich vom Schleimpfropf?
Eine Zeichnungsblutung bei der Geburt ist meist ein leichter, rosa bis bräunlicher, blutig-schleimiger Ausfluss (Blutung vor Geburt), wenn sich der Muttermund zu öffnen beginnt. Laut familienplanung.de (37–40 SSW) wird der Abgang des Schleimpfropfs auch „Zeichnen“ genannt. Der Schleimpfropf selbst ist oft zäher und gelartig; die Zeichnungsblutung ist eher eine kleine Blutbeimengung. Laut MSD Manual: „Ein blutiger Ausfluss (eine kleine Menge Blut mit schleimigem Ausfluss aus der Zervix) kann ein frühes Anzeichen dafür sein, dass die Wehen bald einsetzen werden” – teils bis zu 72 Stunden vorher. Eine geringe Menge Blut ist normal; starke, hellrote blutige Schleimpfropf-Blutungen müssen sofort ärztlich abgeklärt werden (z. B. über Frauenärzte-im-netz).
Zu guter Letzt: der Blasensprung
Beim sogenannten Blasensprung reißen die Eihäute der Fruchtblase, die dein Kind umgibt. Dabei verlierst du das sich darin befindende Fruchtwasser. Jetzt gibt es keine Zweifel mehr: Die Geburt hat begonnen.
Im Gegensatz zu dem, was man oft in Filmen sieht, passiert dies während der Eröffnungsphase der Entbindung und in seltenen Fällen auch erst kurz vor oder nach dem Austreten des kleinen Köpfchens. Also dann, wenn du bereits in den Wehen liegst. Denn eigentlich kann es erst durch den Druck der Kontraktionen auf die Fruchtblase zum Blasensprung kommen.
Wann solltest du deine Hebamme oder das Krankenhaus kontaktieren?
Wenn du unsicher bist, ob die Geburt wirklich begonnen hat, gilt: Lieber einmal zu oft anrufen als zu wenig. Für die Frage : „wann ins krankenhaus?“ bei der Geburt gibt es jedoch klare Orientierungswerte: Laut familienplanung.de (BZgA) sollten Erstgebärende bei Wehen ihre Hebamme anrufen, wenn Wehen etwa eine Stunde lang regelmäßig alle 5 Minuten auftreten, jeweils rund eine Minute dauern und sich nicht mehr gut wegatmen lassen. Ab dem zweiten Kind wird oft schon bei regelmäßigen Wehen alle 10 Minuten reagiert.
Nach Frauenärzte-im-netz solltest du die Geburtseinrichtung aufsuchen, wenn die Wehen alle 5–10 Minuten kommen. Ergänzend erklärt die Apotheken-Umschau: Wenn Frauen ungefähr alle zehn Minuten Wehen haben und reflexartig mitatmen, ist es Zeit, loszufahren (Geburt: wann losfahren?). In jedem Fall gilt: Bei Blasensprung, deutlicher Blutung oder starkem, anhaltendem Druck im Becken sofort Kontakt aufnehmen. Für ein sicheres Gefühl hilft eine vorbereitete Kliniktasche – z. B. mit der Pampers Kliniktasche Checkliste.
Welche Warnzeichen erfordern sofortige ärztliche Hilfe?
Die meisten Geburtsanzeichen sind harmlos. Es gibt jedoch klare Geburt-Warnzeichen, bei denen du sofort medizinische Hilfe holen solltest. Laut AWMF S3-Leitlinie und gängiger geburtshilflicher Empfehlung zählen dazu: starke vaginale Blutungen (keine leichte Zeichnungsblutung), Fieber über 38 °C – besonders nach einem Blasensprung –, starke Kopfschmerzen oder Sehstörungen sowie plötzliche Schwellungen von Gesicht oder Händen (mögliche Präeklampsie). Auch deutlich verminderte oder fehlende Kindsbewegungen sind ein Notfall in der Schwangerschaft. Grünlich verfärbtes oder übel riechendes Fruchtwasser kann laut MSD Manual auf kindlichen Stress hinweisen. Ergänzend betont Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Kontaktiere sofort deine Hebamme, deine Frauenärztin / deinen Frauenarzt oder fahre ins Krankenhaus. Bleib ruhig, aber handle klar und ohne Zögern.
Die wichtigsten Geburtsanzeichen im Überblick
Diese Geburtsanzeichen-Zusammenfassung zeigt dir die wichtigsten Anzeichen für eine Geburt (nach Gesundheitsinformation.de (IQWiG) und familienplanung.de (Geburtsverlauf)) auf einen Blick:
DIE FAKTEN IM ÜBERBLICK
Eindeutige Anzeichen einer Geburt sind vor allem regelmäßige Wehen, die stärker werden und in kürzeren Abständen kommen. Auch ein Blasensprung ist ein klares Zeichen. Weitere Vorzeichen der Geburt können der Abgang des Schleimpfropfs und die Senkung des Babys ins Becken sein.
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Rundum Schwangerschaft und Geburt. Köln. 2018.
- Bund deutscher Hebammen (Hrsg.): Schwangerenvorsorge durch Hebammen. Stuttgart: Hippokrates Verlag, 2005.
- Bürklin, I. F. et al.: Vorzeitiger spontaner Blasensprung am Termin. Thieme. 2016.
- Deutscher Hebammenverband e.V.: Entspannt erleben: Schwangerschaft & Geburt. Trias. 2011.
- Dürnberger, Silvia: Deine selbstbestimmte Geburt im Krankenhaus. Kösel. 2019.
- Laue, Birgit: Schwangerschaft und Geburt. Gräfe und Unzer. 2012.
- Goerke, Junginger (Hrsg.): Pflege konkret. Gynäkologie. Geburtshilfe. Urban + Fischer. 2010.
- Husslein; Schneider et al.: Die Geburtshilfe. 3. Auflage. Springer. 2006.
- Apotheken-Umschau: Oxytocin / Übungswehen / Wie läuft eine Geburt ab?
- AWMF: S3-Leitlinie. Vaginale Geburt am Termin
- Berufsverband der Frauenärzte e.V.: Brustentwicklung / Geburtsphasen / Schwangerschaftsdauer
- BZgA: Geburtsbeginn: Der ersehnte Moment
- Helios-Klinik: Patientenwissen – Wann muss ich los?
- Lecturio: Geburt
- MSD Manual: Leitung der normalen Geburt
- Österreichisches Hebammengremium: Wehen: Geht’s jetzt los?
- Pschyrembel: Blasensprung
- Universitätsklinikum Frankfurt: Der neunte und zehnte Monat
- AWMF S3-Leitlinie: Vaginale Geburt am Termin
- BZgA / familienplanung.de: Wie verläuft eine Geburt?
- familienplanung.de: Wie fühlen sich Wehen an?
- Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF): Geburtsphasen
- Apotheken-Umschau: Übungswehen oder echte Wehen?
- MSD Manual: Leitung der normalen Geburt
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Geburt
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