Milcheinschuss im Wochenbett

Alles, was Sie zum Thema Milcheinschuss wissen müssen

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03.06.20
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Entschließt sich eine Mutter dazu, ihr Baby zu stillen, warten eine ganze Menge neuer Erfahrungen und Empfindungen auf sie. Zu den ersten davon gehören das erste Anlegen des Kindes und natürlich der Milcheinschuss.

Gerade der Milcheinschuss bringt seine ganz eigenen Wahrnehmungen und mitunter auch Beschwerden mit sich. Hier erfahren Sie alles, was Sie zu dem Thema wissen müssen.

Worum geht es in diesem Artikel?

Was ist der Milcheinschuss? Welche Symptome kündigen den Milcheinschuss an? Woran kann es liegen, wenn der Milcheinschuss nicht kommt? Was Sie bei Schwierigkeiten machen können

Was ist der Milcheinschuss?

Es ist irgendwie bezeichnend, dass die australische Serie rund um ein junges Elternpaar und die Herausforderungen der Mutterschaft im Deutschen ausgerechnet den Titel „Milcheinschuss“ trägt.

Denn Stillen ist – abgesehen vom Babyschlaf – wahrscheinlich das Thema, das bei frischgebackenen Müttern die meisten Fragen aufwirft. Das gilt auch beim Milcheinschuss, der in der Regel um den dritten Tag nach der Geburt einsetzt. Mit ihm beginnt nach und nach die Produktion der reifen Muttermilch.

Und schon tauchen die ersten Fragezeichen auf: Wieso produziert die Brust erst Tage nach der Geburt des Babys Muttermilch? Und ist Stillen nicht von Beginn an möglich?

Das trinkt ihr Baby bis zum Milcheinschuss

Natürlich können Sie Ihren Schatz ab dem ersten Moment an Ihrer Brust trinken lassen – doch Muttermilch ist nicht gleich Muttermilch. In den ersten Tagen versorgen Sie Ihr Baby mit dem sogenannten Kolostrum (Vormilch).

Diese gelbe, dickflüssige Milch ist besonders leicht verdaulich und reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweiß. Sie versorgt Ihr Kind mit allem, was es in den ersten Tagen braucht. Die kleine Menge, die Sie an Kolostrum wahrnehmen, reicht für Ihr Baby aus.

Babys Gewichtsverlust

Hierbei genügen nämlich kleine Portionen der nährstoffreichen Vormilch: Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Neugeborenes in den ersten 24 Stunden nur 100 Milliliter zu sich nimmt. Diese Menge nimmt in den folgenden Tagen immer weiter zu.

Dass ein Baby in seinen ersten Lebenstagen Gewicht verliert, ist davon übrigens unabhängig: Bis zu sieben Prozent sind unbedenklich und sollten etwa bis zum zehnten Lebenstag auch ohne Zufüttern zurück auf der Waage sein.

Schon nach wenigen Tagen nehmen die sogenannten kolostralen Elemente in der Vormilch ab. Sie beginnt, mehr und mehr der reifen Muttermilch zu ähneln. Bei dieser Form, die etwa zwischen dem fünften und 15. Tag nach der Geburt gebildet wird, spricht man von der sogenannten Übergangsmilch.

Welche Symptome kündigen den Milcheinschuss an?

Damit diese Übergangsmilch entstehen kann, kommt es zunächst zum Milcheinschuss. Die entsprechenden Hormone hierfür verrichten schon in der Schwangerschaft ihr Werk, den Milcheinschuss verhindern in dieser Zeit jedoch noch das Östrogen und Progesteron. Wenn diese beiden Hormone etwa zwei bis vier Tage nach der Geburt des Kindes rapide abfallen, kann das Hormon Prolaktin die Milchbildung ankurbeln.

Folgende Symptome deuten auf den Milcheinschuss hin:

  • Geschwollene Brüste: Durch die vermehrte Milchbildung und mögliche Wassereinlagerungen kann das Gewebe vorübergehend stärker anschwellen.
  • Spannungen: Insgesamt fühlen sich die Brüste schwer und voll an und können stark spannen. Auch Schmerzen sind beim Milcheinschuss normal und müssen nicht auf eine Brustentzündung oder einen Milchstau hinweisen. Nicht selten sind Schmerzen ein Hinweis darauf, dass das Baby möglicherweise nicht oft genug angelegt wird.
  • Gerötete Haut: Zudem werden die Brüste nun stärker durchblutet. Dies kann nicht nur zu einer Rötung führen, sondern auch die Venen durch die Haut sichtbarer machen. Also nicht wundern, falls die Brustregion vorübergehend ein wenig aussieht wie eine Landkarte.
  • Erhöhte Temperatur: Bei Fieber denken viele stillenden Mütter zunächst an eine Mastitis, doch auch beim Milcheinschusses kann sich die Körpertemperatur auf bis zu 38,4 °C erhöhen.
  • Verhärtungen: Da die Brustdrüsen größer und fester werden, lassen sich während des Milcheinschuss teilweise harte Stellen ertasten.

Während ein Anschwellen der Brüste typisch für den Milcheinschuss ist, erlebt jede Frau die Symptome sehr individuell. Viele empfinden den Milcheinschuss nicht als sonderlich unangenehm, während etwa ein Viertel bis die Hälfte aller Frauen stärkere Schmerzen hat.

Auch, wenn das alles nicht sonderlich angenehm klingt: Der initiale Milcheinschuss ist nicht von Dauer. Wie lange der Milcheinschuss tatsächlich dauert, kann variieren. In der Regel sind die Beschwerden jedoch innerhalb von 24 Stunden abgeklungen, spätestens jedoch nach zwei bis drei Tagen.

Woran kann es liegen, wenn der Milcheinschuss nicht kommt?

Wenn der Milcheinschuss nicht irgendwann zwischen dem zweiten und vierten Tag einsetzt, kann das unterschiedliche Ursachen haben:

  • Entbindung per Kaiserschnitt: Nach einem Kaiserschnitt verzögert sich der Milcheinschuss in der Regel etwas.
  • Seltenes Anlegen: Wenn das Baby in den ersten Tagen eher selten an der Brust gesaugt hat, kommt der Milcheinschuss nicht so gut in Gang.
  • Trennung von Mutter und Kind: Wenn die Mutter nach der Entbindung über längere Zeit hinweg vom Kind getrennt ist, könnte es zu einer Verzögerung kommen.

Lässt sich der Milcheinschuss provozieren?

Nach einem Kaiserschnitt läuft die Milchbildung langsamer an, und der Milcheinschuss lässt bis zu zwei Tage länger auf sich warten – in manchen Fällen auch schon mal länger. Oft gestaltet sich das Stillen zu Beginn etwas schwieriger, insbesondere dann, wenn es sich um einen geplanten Kaiserschnitt handelt, bei dem das Baby und die Frau keine Wehen erlebt haben.

Wenn dies bei Ihnen der Fall sein sollte, gibt es dennoch ganz natürliche Wege, um das Stillen zu erleichtern und den Milcheinschuss nach dem Kaiserschnitt zu beschleunigen. Sofern es möglich ist, sollte das Kind unmittelbar nach der Geburt direkten Hautkontakt haben. Nicht selten fangen Neugeborene schon an zu trinken, wenn sie der Mutter zum ersten Mal auf die Brust gelegt werden – auch nach dem Kaiserschnitt.

Sollte dies nicht der Fall sein: Keine Bange! Je öfter Sie Ihr Baby in den folgenden Tagen anlegen – idealerweise acht bis zwölf Mal in 24 Stunden, jeweils an jeder Seite – desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Milcheinschuss schnell und unkompliziert eintritt und sich ein natürlicher Stillrhythmus entwickelt.

Lässt sich der Milcheinschuss stoppen?

Nicht jede Mutter kann oder will stillen. Damit es möglichst gar nicht erst zum Milcheinschuss kommt, gleichen die Maßnahmen denen, die auch das Abstillen unterstützen:

  • Die Brüste mit einem engen Tuch hochbinden.
  • Die Brust mit Quarkwickeln oder Eisbeuteln kühlen.
  • Salbeitee trinken.
  • Homöopathische Mittel wie Phytolacca einnehmen.

Was Sie bei Schwierigkeiten machen können

Wie schon erwähnt, spüren einige Frauen den Milcheinschuss kaum, während andere sich mit Schmerzen und Spannungsgefühlen plagen. Auch einige andere unerwünschte Begleiterscheinungen können das reibungslose Stillen zunächst erschweren – doch fast immer gibt es einfache Maßnahmen, die Sie ergreifen können.

Schmerzen durch den Milcheinschuss

Nicht jede Frau bleibt beim Milcheinschuss von Schmerzen verschont. Doch Abhilfe ist möglich:

  • Die Schwellung reduzieren: Wickel aus Quark oder Weißkohlblättern wirken kühlend und abschwellend und können damit die Schmerzen beim Milcheinschuss lindern.
  • Die Brust sanft massieren: Gegen quälenden Druck kann auch eine leichte Massage oder das vorsichtige Ausstreichen von überschüssiger Milch helfen. Am besten machen Sie dies selbst, um unangenehme Berührungen an schmerzenden Stellen zu vermeiden.
  • Stillverträgliche Schmerzmittel: Wenn die Schmerzen beim Milcheinschuss unerträglich werden, sind bestimmte Medikamente erlaubt. Ibuprofen und Paracetamol gelten als geeignete Präparate während der Stillzeit. Sprechen Sie vor der Einnahme jedoch stets mit Ihrem Arzt.

Zu viel Milch beim Milcheinschuss

Manche Mütter haben zunächst ein Überangebot an Muttermilch. Bei einem derart heftigen Milcheinschuss ist die Versuchung zum Abpumpen groß. Doch übermäßiges Abpumpen hat eher zur Folge, dass noch mehr Milch nachgebildet wird und die Menge weiterhin hoch bleibt.

Stattdessen kann Folgendes helfen:

  • Die Brust behutsam ausstreichen: Das manuelle Entleeren unter einer warmen Dusche ist in der Regel sanfter als das Abpumpen.
  • Salbeitee: Der klassische Abstilltee kann auch dabei helfen, die Milchbildung zu lindern. Doch die Dosis machts: Zu viel kann die Milchmenge mehr reduzieren, als einem vielleicht lieb ist.
  • Pfefferminztee: Auch dieses Getränk kann die Milchmenge verringern. Die Wirkung ist etwas milder als beim Salbei.

Wenn es Ihnen aufgrund von zu viel Milch unangenehm ist, Ihrem Liebling die Brust zu geben, kann es helfen, die Stillposition zu verändern: Liegen Sie in Rückenlage, muss der kleine Fratz die Milch nun entgegen der Schwerkraft nach oben saugen, was langsamer und behutsamer ist.
Übrigens gibt es auch viele Frauen, die befürchten, zu wenig Milch zu haben. Ganz oft sind diese Sorgen unbegründet. Dass die Brüste nach dem Milcheinschuss wieder weicher werden, ist vollkommen normal. Sollte es dennoch notwendig sein, die Milchbildung anzukurbeln, kann Bockshornklee eine Geheimwaffe sein.

Wenn Sie nicht zu jenen Müttern gehören, die den Milcheinschuss beschwerdefrei erleben, denken Sie immer daran: Es geht bald vorüber. Seien Sie stolz darauf, was Ihr Körper alles leistet und wie er Ihren größten Schatz umsorgt. Genießen Sie also trotz allem diese Zeit und ganz viel Körperkontakt mit Ihrem Baby.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.

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Quellen:

Still-Lexikon: Milchbildung in den ersten Tagen nach der Geburt

Still-Lexikon: Initiale Brustdrüsenschwellung und schmerzhafter Milcheinschuss

Still-Lexikon: Stillen nach Kaiserschnitt

Still-Lexikon: Zu viel Milch beim Stillen

Embryotox: Arzneimittel

Still-Lexikon: Die Milchmenge steigern: Wie man mehr Milch bilden kann

Embryotox: Ibuprofen

Martius, Gerhard (Hrsg.). Stillen und Stillprobleme. Stuttgart: Enke Verlag, 1995.

Martius, Gerhard (Hrsg.). Hebammenlehrbuch. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 1990.

Geist, Christine et. al. (Hrsg.). Hebammenkunde – Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Berlin: de Gruyter Verlag, 1995.

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