Nie wieder gibt es einen derart großen Entwicklungsfortschritt wie im ersten Lebensjahr. Gerade erst haben Sie Ihren kleinen Schatz zum ersten Mal im Arm gehalten, und nur wenige Monate später erkundet er munter die Welt auf allen Vieren.

Wann Sie damit rechnen können, dass Ihr Baby mit dem Krabbeln beginnt und was es zu bedeuten hat, wenn es absolut keine Lust darauf hat, erfahren Sie hier.

Das Krabbeln: Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung

Kaum etwas bereitet Eltern mehr Freude, als ihrem Baby bei der gesunden und glücklichen Entwicklung zuzusehen. Dazu gehört nach gängiger Ansicht auch, dass es im ersten Jahr mit dem Krabbeln beginnt.

Doch selbst bei so einem vermeintlich universellen Meilenstein zeigt sich die Individualität Ihres Babys. Denn wie bei vielen Aspekten der frühkindlichen Entwicklung gilt: Normen sind da, um von ihnen abzuweichen.

Dennoch gibt es ein Alter, in dem ein Großteil der Kinder in der Regel mit dem Krabbeln beginnt und Dinge, mit denen Sie Ihr Baby beim Krabbeln lernen unterstützen können.

Was bedeutet das Krabbeln für die Entwicklung?

Wenn man beobachtet, wie flink sich ein Baby irgendwann auf allen Vieren fortbewegt, unterschätzt man gern einmal, was für eine enorme motorische Herausforderung das Krabbeln zunächst ist. Jede neue Form der Fortbewegung bringt die Gehirnleistung des Kindes ordentlich in Schwung.

Folgende Dinge kann das Krabbeln fördern:

  • Gleichgewichtssinn

  • Zusammenarbeit der Körperseiten und damit auch beider Gehirnhälften

  • Auge-Hand-Koordination

Ab wann fängt ein Baby an zu krabbeln?

Die meisten Kinder vollziehen zunächst den Schritt vom Robben zum Krabbeln. Doch ab wie viel Monaten krabbeln Babys denn nun? Ein „richtiges“ Alter gibt es hierfür nicht. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die goldene Mitte bei etwa 8 Monaten.

Allerdings ist die Spannweite beim Alter, in dem ein Baby krabbeln lernt, enorm. Am jeweils äußeren Rand des Spektrums wurden auch Kinder beobachtet, die bereits mit 5 Monaten krabbeln konnten, während andere erst mit mehr als 13 Monaten soweit waren. Kinder haben nun mal ihren eigenen Kopf und ihr eigenes Tempo.

Vom Robben zum Krabbeln

Das geschieht natürlich nicht von heute auf morgen. Vor dem Krabbeln wird das Baby sich mit etwa 3 Monaten in der Bauchlage für kurze Zeit auf beide Unterarme stützen und dabei das Köpfchen hochhalten können.

Mit 4 Monaten wird es diese Position schon länger halten und kann mit ungefähr 5 Monaten schon den Oberkörper mit den Händen vom Boden abdrücken – all das ist Vorbereitung aufs Krabbeln.

Dies gilt auch fürs eigenständige Sitzen, was dem Baby in der Regel ebenfalls mit 5 Monaten für ein Weilchen – wenn auch noch wackelig – gelingen kann. Denn generell müssen Kinder erst sitzen können, bevor sie dann krabbeln lernen, jedoch ab wann dürfen Kinder sitzen?

Die meisten Babys probieren sich vorher bereits in der Fortbewegung auf dem Bauch aus: Es gibt also oft einen Übergang vom Robben zum Krabbeln.

Wie Sie Ihr Baby unterstützen können

Erst aufstützen und dann vom Robben zum Krabbeln: Sie sehen schon, die Bauchlage ist ein entscheidender Faktor in der motorischen Entwicklung Ihres Babys. Experten empfehlen deshalb, dem Kind schon mit 3 Monaten immer wieder für kurze Zeit in die Bauchlage zu verhelfen.

Wohlgemerkt nur im Wachzustand: Um dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen, sollte es ausschließlich in Rückenlage schlafen gelegt werden.

Ansonsten ist die stabile Bauchlage die beste Krabbelhilfe, die Sie Ihrem Baby anbieten können. Wenn sich das Kind schon häufig in den Vierfüßlerstand begibt, jedoch ohne sich fortzubewegen, gibt es weitere Dinge, um den Übergang vom Robben zum Krabbeln zu fördern:

  • Vormachen: Scheuen Sie sich nicht, selbst auf alle Viere zu gehen und Ihrem Kind vorzumachen, wie Krabbeln geht.

  • Locken: Sie können Ihr Baby zum Krabbeln motivieren, indem Sie ihm sein Lieblingsspielzeug außer Reichweite hinhalten, damit es sich dieses holen muss.

  • Sanftes Wippen: Zeigen Sie Ihrem Baby die Richtung, indem Sie entweder mit den Händen oder einem großen Handtuch den Rumpf des Kindes umfassen und es sacht vorwärts bewegen. Es geht dabei weniger darum, das Baby zu ziehen oder zu schaukeln, sondern ganz vorsichtig zu zeigen: Da geht’s lang!

Dies sind Übungen, mit denen Sie Ihr Baby zum Krabbeln motivieren können. Achten Sie jedoch darauf, dass das Ganze nicht in ein rigoroses Training ausartet. Ihrem Baby beim Krabbeln zu helfen und es zu fördern macht nur Sinn, wenn Ihr kleiner Schatz auch Lust dazu hat und Sie merken, dass es ihm Spaß macht.

Aufrechtes Sitzen, Robben oder auch Krabbeln lernen werden Sie ihm nun mal nicht vollständig abnehmen können. Womöglich hemmen Sie es sogar in seiner Entwicklung, wenn Sie dem Baby zu viel beim Krabbeln lernen helfen. Wenn Ihr Baby trotz Hilfestellung nicht krabbelt, ist das vollkommen in Ordnung.

Beim Krabbeln die Grenze zwischen gesundem Fördern Ihres Babys und überflüssigen Übungen zu finden, ist nicht immer leicht. Wichtig ist, nicht in einen Konkurrenzkampf mit anderen Familien zu verfallen. Neffe oder Nichte konnten angeblich schon mit 6 Monaten krabbeln und Ihr Schatz will 5 Monate später nur robben? Lassen Sie sich davon nicht beirren.

Keine Lust zu Krabbeln?

Tatsache ist: Manche Babys krabbeln nie. Ein Blick auf die Bedeutung des Krabbelns für die Entwicklung wirft unweigerlich die Frage auf: Müssen Babys krabbeln? Da ein gewisser Prozentsatz aller Babys das Krabbeln komplett überspringt, ist die Antwort eindeutig Nein.

Laufen lernen Kinder auch ohne krabbeln, und das genauso gut wie diejenigen, die sich zunächst auf Händen und Knien fortbewegen. Dabei werden dann Koordination und Balance gehörig trainiert und nicht selten holen die Kleinen das Krabbeln noch nach.

Solange alle anderen motorischen Fähigkeiten wie Strampeln, Greifen, Sitzen und eigenständiges Umdrehen vorhanden sind, ist ein Baby, das sich nicht zum Krabbeln motivieren lassen will, also kein Grund, zum Arzt zu gehen.

Früher wurde Kindern, die sich bis zu den ersten Schritten ausschließlich durch Robben fortbewegten, noch eine Ergotherapie empfohlen. Heute weiß man, dass es für die weitere Entwicklung und das Laufenlernen nicht zum Nachteil ist, wenn das Krabbeln einfach übersprungen wird.

Eltern staunen nicht schlecht, wenn ihr Baby zunächst rückwärts krabbelt. Dies ist aber gar nicht so selten und vollkommen normal: Ist das Baby etwa 7 Monate alt, ist die Stützfunktion der Arme so stark, dass es sich rückwärts schiebt oder krabbelt.

Wenn sich die Muskeln nach und nach auch in den Beinen ausbilden, wird es auch den Kurs wechseln. Sie können Ihrem Baby beim Vorwärts-Krabbeln helfen, indem Sie ihm, sobald es sich in Bewegung setzt, mit der Hand an den Füßen sanft einen Impuls in die andere Richtung geben.

Achtung: Krabbler unterwegs! Wie machen Sie Ihr Haus babysicher?

Nun, da Ihr kleiner Schatz die Welt auf eigene Faust erkunden kann, kommt Ihr Baby auch leichter an Gegenstände und Orte, die bisher unerreichbar waren: Jeder Winkel der Wohnung ist voll von spannenden Dingen, die nur darauf warten, untersucht zu werden.

Spätestens jetzt ist also der Zeitpunkt gekommen, Ihr Domizil babysicher zu machen. Dazu gehört:

  • Gefährliche Gegenstände unzugänglich aufbewahren: Elektrische Geräte, Kabel sowie zerbrechliche und kleine Gegenstände sollten von nun an außerhalb der Reichweite Ihres Kindes aufbewahrt werden. Bringen Sie am besten Kindersicherungen an Schränken und Schubladen an, in denen sich Medikamente, Reinigungsmittel oder Geschirr befinden.

  • Treppen sichern: Der Zugang zu allen Treppen sollte sowohl nach oben als auch nach unten für Ihr Baby mit einem stabilen Hindernis wie zum Beispiel einem Treppengitter versperrt sein.

  • Scharfe Ecken und Kanten abdecken: Nun beginnt auch die Zeit, in der sich Ihr Schatz öfters mal den Kopf anstoßen wird. Um Verletzungen an Tischkanten zu verhindern, helfen Eckenschützer.

  • Steckdosen absichern: Die Löcher einer Steckdose sind zwar eigentlich zu klein für Babyfinger, aber man kann nie wissen, welche Gegenstände Ihr kleiner Entdecker darin verschwinden lassen möchte. Gehen Sie kein Risiko ein und besorgen Sie sich Kindersicherungen.

Mehr dazu, wie Sie Ihr Heim von Anfang an babysicher machen, erfahren Sie hier.

Häufig gestellte Fragen

  • Mit etwa mit 8 Monaten fangen Babys an zu krabbeln. Abweichungen von mehreren Monaten in beide Richtungen sind jedoch vollkommen normal.
  • Bis zu fünf Prozent aller Babys überspringen das Krabbeln ganz einfach. Auch Nicht-Krabbler entwickeln sich in der Regel völlig normal.
  • Vom Krabbeln bis zum Laufen liegen durchschnittlich 4,5 Monate; bei beiden Entwicklungsschritten kann das Alter jedoch stark variieren, was sich auch auf die Länge der Krabbelphase auswirkt.
  • Viele Babys krabbeln zunächst rückwärts, was vollkommen normal ist. Wichtig ist, dass Ihr Baby überhaupt einen Drang zur Fortbewegung zeigt.

Es ist erstaunlich, wie schnell sich Ihr Baby zu einem munteren Kleinkind entwickelt, das auf eigene Faust die Welt entdecken will. Das Krabbeln ist nur einer von vielen Meilensteinen. Und wenn Ihr Baby diesen Schritt direkt überspringt, freuen Sie sich stattdessen über die Dinge, die Ihr Schatz schon kann und die es noch können wird.

Zur Entstehung dieses Artikels: Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.

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