Ab wann sitzen Babys?

Ab wann können und dürfen Babys sitzen?

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10.03.20
4 Lesedauer

Keine Frage: Wenn Ihr Kind anfängt zu laufen, ist das ein ganz besonderer Moment. Doch ein mindestens genau so großer Meilenstein in der Entwicklung Ihres Babys ist das freie Sitzen. Sobald Ihr Wonneproppen einmal aufrecht und alleine sitzt, eröffnet sich ihm eine ganz neue Sicht auf die Welt. Lesen Sie weiter und erfahren Sie, ab wann Babys sitzen sollten und wie diese Fähigkeit erlernt wird.

Worum geht es in diesem Artikel?

Wie lernen Babys sitzen ? Die Entwicklung der Wirbelsäule Ab wann dürfen Babys sitzen lernen ? Wie Sie Ihr Baby unterstützen können Freies Sitzen: ein Meilenstein in der Entwicklung Ihres Babys

Wie lernen Babys sitzen ?

Bevor Ihr Kind alleine sitzen kann, muss es viel üben. Voraussetzung für das freie Sitzen bildet die Entwicklung bestimmter motorischer Fähigkeiten, wie das selbstständige Drehen und Heben des Kopfes in der Bauchlage.

Auf diese Weise trainiert Ihre kleine Sportskanone wichtige Muskelgruppen, die es für das Sitzen benötigt. Erst wenn die Muskulatur genügend ausgebildet ist, kann Ihr Baby auch für längere Zeit alleine sitzen.

Die meisten Babys lernen dies, in dem sie sich mit den Händen aus der Seitenlage abstützen. Andere plumpsen aus Versehen von dem Vierfüßlerstand auf den Po und entdecken so die Sitzposition. Wie und ab wann Babys sitzen lernen, ist aber von Kind zu Kind verschieden.

Die Entwicklung der Wirbelsäule

Entscheidend ist auch der Entwicklungsstand der Wirbelsäule Ihres Babys. Nach der Geburt ist die Wirbelsäule Ihres Kindes zunächst noch rund geformt wie ein Bogen. Im Laufe des ersten Lebensjahres verändert sich diese Form.

Mit dem Anheben des Kopfs in der Bauchlage entwickelt sich die sogenannte Halslordose – eine Krümmung der Halswirbel nach vorne. Durch die ersten Sitzversuche und das Krabbeln verstärkt sich die Rückenmuskulatur. Dadurch begradigt sich die Wirbelsäule im Brustbereich allmählich.

Wenn Ihr Baby beginnt, frei zu laufen und zu stehen, tut es dies anfangs noch mit einer starken Hohlkreuzhaltung. Doch schon bald entwickelt sich die Lendenlordose, was der Wirbelsäule schließlich ihre bekannte Doppel-S-Form verleiht.

Diese Verformung ist ein ganz automatischer Prozess. Man kann ihn weder beschleunigen noch bremsen. Ab wann Babys sitzen dürfen, hängt also unter anderem stark von der individuellen Entwicklung der Wirbelsäule und den motorischen Fähigkeiten ab.

Sie brauchen sich also nicht zu Sorgen, wenn Ihr Baby noch nicht sitzen will. Sobald die Muskulatur aufgebaut und die Wirbelsäule entsprechend geformt ist, wird Ihr Baby von ganz alleine das Sitzen lernen.

Ab wann dürfen Babys sitzen lernen ?

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die meisten Babys um den 8. Monat herum anfangen, für kurze Zeit Interesse am Sitzen zu zeigen. Meist müssen sie sich allerdings noch an etwas festzuhalten, um nicht gleich wieder umzufallen.

In diesem Alter kann Ihr Kind für kurze Zeit auf dem Schoß sitzen. Solange es noch nicht alleine sitzen kann, sollte es aber nicht zu lange in dieser Stellung bleiben. Ohne die ausreichende Muskulatur kann diese Lage den Rücken schädigen.

Mit 9 Monaten können viele Babys für kurze Zeit frei sitzen. Oft müssen Sie dafür noch von den Eltern hingesetzt werden, da sie es noch nicht aus eigener Kraft schaffen, sich in diese Position zu begeben.

Viele Kinder üben jetzt auch, sich beim Sitzen nach vorne zu beugen. Das klappt oft schon ganz gut. Das Gleichgewicht verlieren sie aber schnell, sobald sie sich etwas zur Seite lehnen.

Im 10. Monat haben die meisten Kinder das Sitzen erlernt. In diesem Alter können sie sich aus der Bauchlage aufsetzen und stabil und mit gestrecktem Rücken in der Sitzposition verweilen, ohne das Gleichgewicht wieder zu verlieren.

Dies sind natürlich nur allgemeine Richtwerte. Jedes Kind entwickelt sich anders. Wenn Sie sich dennoch sorgen, dass Ihr Baby noch nicht selbstständig sitzt, können Sie beim nächsten Check-Up Ihren Kinderarzt dazu befragen.

Wie Sie Ihr Baby unterstützen können

Ihr Kind weiß am besten, ab wann es bereit ist, das Sitzen zu lernen. Viele Eltern wollen Ihrem Sprössling von früh an helfen, alles richtig zu machen. In diesem Fall gilt aber: Helfen hilft nicht!

Babys lernen nicht früher zu sitzen, wenn Eltern sich in den Lernprozess einmischen. Nicht nur muss Ihr kleiner Schatz erst die entsprechenden Muskeln, Knochen, Sehnen und Bänder ausbilden, sondern auch die notwendige Gehirnleistung entwickeln, um sitzen zu können.

Wenn Sie also Ihren kleinen Wonneproppen ständig an den Händen hochziehen, damit er sitzen kann, hindern Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn daran, diese Erfahrung selbst zu machen.

Es ist sehr wichtig, dass Ihr Baby die Gelegenheit bekommt, alle Übergänge vom Liegen bis zum Sitzen eigenständig zu meistern. Wie so oft in der Entwicklung Ihres Babys gilt: üben, üben, üben! Denn nur durch ständiges Wiederholen wird es später in der Lage sein, diesen Bewegungsablauf perfekt zu beherrschen.

Auf diese Weise lernt Ihr Baby außerdem, dass es mit den Händen nicht nur greifen, sondern sich auch abstützen kann. Dies ist eine sehr wichtige Erfahrung für die Entwicklung der Feinmotorik und das spätere Laufen. Denn in dieser Phase wird Ihr Kind sehr oft fallen und das hoffentlich meistens zuerst auf die kleinen Händchen.

Wenn Sie Ihr Baby hinsetzen, ohne dass es selbst schon frei sitzen kann, führt das im schlimmsten Fall zu Haltungsschäden. Die Wirbelsäule krümmt sich im unteren Bereich, wenn sie die Last noch nicht tragen kann, wodurch ein Sitzbuckel entsteht kann.

Haben Sie also lieber noch etwas Geduld, falls Ihr Baby noch nicht sitzt. Ermöglichen Sie Ihrem Kind viel Freiraum für Bewegung. Nur so trainiert es die nötige Muskulatur und wird schon bald von ganz alleine das Sitzen erlernen.

Freies Sitzen: ein Meilenstein in der Entwicklung Ihres Babys

Hat Ihr Baby einmal gelernt, aufrecht zu sitzen, kann es auf ganz neue Weise an den Geschehnissen in seinem Umkreis teilnehmen. Auf dem Rücken liegend, konnte Ihr Kind bisher nur beobachten, was sich an der Decke oder dem Himmel abspielt.

Mit dem Armstütz war es zwar schon in der Lage, einen Blick darauf zu werfen, was drum herum geschieht, aber die Hände mussten noch als Stütze dienen. In der Sitzposition stehen diese nun frei zur Verfügung: zum Spielen, Greifen, Entdecken.

Gleichzeitig kann Ihr Kind im Sitzen seine Umgebung beobachten und studieren. Das ist für Ihr Baby eine ganz neue Erfahrung. Im Sitzen erhält Ihr Baby einen wunderbaren Überblick über das Umfeld, kann an dem Geschehen besser teilnehmen und hat seine Hände auch noch frei, zum Entdecken und Spielen. Das freie Sitzen ist eine große Errungenschaft in dem Leben Ihres Schatzes.

Der Hochstuhl

Sobald Ihr Baby eigenständig sitzen kann, können Sie es am Tisch in einem Hochstuhl platzieren. Das ermöglicht Ihrem Baby die Mahlzeiten zusammen mit den anderen Familienmitgliedern am Tisch einzunehmen.

Das erfreut nicht nur Ihren kleinen Schatz, sondern vermutlich auch Sie. Denn ohne Ihr zappelndes Baby auf dem Schoß, können auch Sie das gemeinsame Essen wieder besser genießen.

Außerdem kann Ihr Baby auf dem Hochstuhl die Erwachsenen am Tisch beobachten. Auf diese Weise lernt es viele neue Eindrücken kennen. Das ermutigt sehr wahrscheinlich auch zum Griff zur festen Nahrung.

Achten Sie allerdings darauf, dass der Hochstuhl stabil und sicher steht. Ihr Baby sollte nicht ungesehen herausklettern oder umkippen können. Lassen Sie außerdem Ihr Kleines nicht zu lange im Stuhl sitzen. Für die gesunde Ausbildung der Knochen und Muskeln, muss sich Ihr Baby zwischendurch immer wieder frei bewegen können.

Durch das freie Sitzen kann Ihr Baby nun an dem unmittelbaren Geschehen teilnehmen und ausgiebig mit den Händen spielen und Objekte studieren. Freuen Sie sich zusammen mit Ihrem Schatz über diese große Errungenschaft.

Zur Entstehung dieses Artikels:

Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.

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DGK: Babys erstes Lebensjahr

Familien handbuch: Körperliche und motorische Entwicklung im Säuglings- und Kleinkindalter

Kindergesundheit: Vom Strampeln auf dem Weg zum Laufen

Nolte, Dr. Stephan Heinrich; Nolden, Anette: Das große Buch für Babys erste Jahr. Das Standardwerk für die ersten 12 Monate, Gräfe und Unzer, München 2013

Dr. von dem Knesebeck, Monika; Dr. Weidenfeld, Andrea: Das Baby. Informationen für Eltern über das erste Lebensjahr. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln 2008

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