Frau mit Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist nicht nur ein Wunder, sondern auch ein Abenteuer, bei dem sich vieles im Körper einer Frau verändert. Jedoch hat eine Schwangerschaft nicht nur Auswirkungen auf den Körper, sondern oftmals auch auf das Gemüt. Für viele Frauen sind Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft ebenso herausfordernd, wie der Umgang mit den körperlichen Symptomen. Doch woher können diese starken Stimmungsschwankungen kommen und wie kannst Du am besten mit diesem Auf und Ab der Emotionen umgehen?

Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft geht mit großen körperlichen Veränderungen einher. Dein Hormonhaushalt, Dein Stoffwechsel und Dein Immunsystem stellen sich auf die neue Situation ein und tragen dazu bei, dass sich ein Baby in Deinem Bauch entwickeln kann.

Das Hormonsystem steuert diesen Anpassungsprozess. Mit beginnender Schwangerschaft werden bestimmte Hormone ausgeschüttet, die zum Beispiel dafür sorgen, dass sich die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter einnisten kann, sich die Plazenta aufbaut und Deine Schwangerschaft aufrechterhalten wird.

Diese Schwangerschaftshormone stellen zum einen Dein ganzes System auf den Kopf und sorgen zum anderen dafür, dass sich Dein Baby gesund entwickeln kann. Jede Frau reagiert anders auf diese Anpassungen des Organismus. Manche leiden unter Schwangerschaftsbeschwerden, wie stark spannenden Brüsten oder Übelkeit, während andere kaum etwas davon wahrnehmen.

Nicht nur der Körper, sondern auch Deine Gefühlswelt ist von diesen körperlichen Umwälzungen betroffen. Hormone können die Psyche beeinflussen und gerade die starken hormonellen Veränderungen im Körper während einer Schwangerschaft können zu Stimmungsschwankungen und anderen psychischen Symptomen führen.

Mögliche psychischen Herausforderungen einer Schwangerschaft

Nach dem Beginn der Schwangerschaft können Deine Gefühle möglicherweise ganz anders ausfallen als erwartet. Frauen, die sich auf Angstgefühle eingestellt hatten, bleiben vielleicht überraschend gelassen. Andere glauben, auf alles vorbereitet zu sein, aber verspüren plötzlich große Unsicherheit.

Während der Schwangerschaft

Fast jede Frau erlebt im Laufe ihrer Schwangerschaft gewisse Stimmungsschwankungen. Diese können positiver oder auch negativer Natur sein. Starke Sensibilität, eine gewisse Niedergeschlagenheit, Gereiztheit, aber auch echte Hochgefühle können psychische Symptome einer Schwangerschaft sein – genau wie ein Wechselbad all dieser Gefühle.

Im ersten Trimester Deiner Schwangerschaft kommt es oft zu den typischen Beschwerden der ersten Phase, wie morgendlicher Übelkeit oder starker Müdigkeit. Da können Stimmungsschwankungen oftmals noch verstärkt werden.

Im zweiten Schwangerschaftsdrittel nimmst Du wahrscheinlich bereits die Kindsbewegungen wahr und Dein Babybauch beginnt zu wachsen. Deine Schwangerschaft wird nun normalerweise auch für andere sichtbar und die Erkenntnis steht im Vordergrund, dass tatsächlich ein Baby in Dir heranwächst.

Im letzten Trimester der Schwangerschaft führst Du diesen Gedanken wahrscheinlich fort und stellst Dich auf die damit verbundene Verantwortung und die neue Mutterrolle ein. Des Weiteren rückt der Tag der Entbindung immer näher. Auch damit sind viele unterschiedliche Emotionen verbunden und Stimmungsschwankungen daher ganz normal. Die Gefühle könnten zwischen extremer Vorfreude und Angst pendeln.

Nach der Schwangerschaft

Frauen, die auch schon vor ihrer Schwangerschaft zu Stimmungsschwankungen (z. B. während der prämenstruellen Phase) neigen, könnten in der Schwangerschaft mit starken Emotionen konfrontiert werden. Dies ist natürlich nicht zwangsläufig der Fall.

Dennoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass Frauen, die während ihrer Schwangerschaft extreme negative oder auch positive Gefühle durchleben, später durch die Hormonschwankungen nach der Geburt in der Regel anfälliger für postnatale Depressionen sein können. Daher sollten die eigenen Gefühle gut beobachtet werden. Es ist immer ratsam, bei Unsicherheiten Deine Hebamme oder einen Frauenarzt/eine Frauenärztin zu kontaktieren.

Plötzlich Eltern: Veränderte Rollen in der Familie

Durch eine Schwangerschaft bekommen die Beziehungen innerhalb der Familie eine andere Dynamik. Das erste Kind ist eine große Umstellung: Als Einzelperson oder Teil eines Paares hast Du Dich nur um Dich und Deine:n Partner:in sorgen müssen. Nun wirst Du bald rund um die Uhr für Deinen kleinen Schatz verantwortlich sein.

Kündigt sich ein zweites (oder drittes) Kind an, bedeutet dies ebenfalls eine große Veränderung der Familiendynamik. Deine Verantwortung wächst und es werden noch mehr Dinge anfallen, die Tag täglich zu organisieren sind. Eine weitere kleine Person in die Familie zu integrieren, kann selbst unter optimalen Bedingungen mit Stress verbunden sein.

Welche Emotionen Dich in der Schwangerschaft erwarten können

Wenn Du Dich mit anderen schwangeren Frauen unterhältst, wirst Du feststellen, dass viele von Stimmungsschwankungen berichten. Dabei können die Emotionen und die dazugehörigen Reaktionen von Frau zu Frau ganz unterschiedlich ausfallen.

Extrem positive Gefühle können sich mit negativen Gefühlen abwechseln:

  • Freude und Glücksgefühle

  • große Aufregung

  • innere Ruhe

  • Stolz auf das von Dir vollbrachte Wunder

  • tiefe Verbundenheit mit dem Kind im Bauch

  • positive Körperwahrnehmung

  • Ungewissheit oder Angst

  • Abhängigkeitsgefühle (vom Partner/von der Partnerin oder von Familienmitgliedern)

  • negative Körperwahrnehmung

  • Zerstreutheit

  • Traurigkeit

  • Sorgen (z. B. wegen Finanzen, neuer Lebensumstände, Kinderbetreuung, Verlust der Unabhängigkeit, Veränderungen in der Beziehung etc.)

  • Ungeduld (Gefühl, als ob die Schwangerschaft schon ewig dauern würde)

  • Überempfindlichkeit gegenüber Kommentaren oder Ratschlägen der Mitmenschen

  • häufiges Weinen

  • Gefühle von Stress

Obwohl die Schwangerschaft ein normaler und großartiger Teil des Lebens ist, können die Emotionen überwältigend sein. Hinzu kommen die hormonellen Veränderungen in Deinem Körper, die zur Verstärkung dieser Gefühle beitragen können.

Stimmungsschwankungen: Wie Du mit den Emotionen umgehen kannst

In der Schwangerschaft sind gute persönliche Beziehungen zu anderen Menschen von großer Bedeutung.

Wie Dein Umfeld helfen kann

Dein Umfeld wird Dich sicherlich zu Deiner Schwangerschaft beglückwünschen und davon ausgehen, dass Du darüber sehr glücklich bist. Um so schwerer kann es manchmal sein, auch negative Emotionen, die Teil der Stimmungsschwankungen sein können, zuzulassen.

Es ist wichtig, dass Du darüber mit einer Person Deines Vertrauens sprichst. Zuwendung und Verständnis helfen Dir dabei, besser mit den psychischen Veränderungen klarzukommen. Sei auch Deinem Partner/Deiner Partnerin gegenüber offen, damit er/sie weiß, was in Dir vorgeht. Nur so können Beziehungskonflikte, die eventuell durch die Stimmungsschwankungen provoziert sind, besprochen und gelöst werden.

Für Deine:n Partner:in ist vor allem eines wichtig: Verständnis für Deine Stimmungsschwankungen!

Was Du selbst tun kannst

Auch negative Gefühle und Sorgen sind normal. Die folgenden Maßnahmen könnten Dir helfen, Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft etwas auszubalancieren:

  • Achte auf Deine physische Gesundheit: Ernähre Dich bestenfalls gesund und ausgewogen, mache zum Beispiel ab und an leichte Schwangerschaftsgymnastik und / oder besuche einen Yogakurs und gönne Dir ausreichend Ruhepausen. Wenn Du Dich gut fühlst, bist Du in der Regel auch weniger anfällig für Ängste oder Stress.

  • Informiere Dich: Besuche beispielsweise einen Geburtsvorbereitungskurs und lies einen Ratgeber zum Thema Schwangerschaft. Wenn Du weißt, was in Zukunft auf Dich zukommt, Dir Expert:innen-Rat einholst und Dich mit anderen werdenden Eltern austauschst, kann das zu einer deutlichen Stressminderung beitragen.

  • Hol Dir Hilfe: Hab keine Scheu, Deinem Partner/Deiner Partnerin mehr Aufgaben im Haushalt zu übertragen. Stelle auch sicher, dass Dein Arbeitsplatz den neuen Umständen angepasst ist. Als Schwangere greift dort für Dich der Mutterschutz.

Fakten im Überblick

Stimmungsschwankungen können zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft auftreten. Zu Beginn der Schwangerschaft könnten Schwangerschaftsbeschwerden negative Emotionen verstärken, die zum Beispiel von starker Euphorie abgelöst werden könnten. Gegen Ende der Schwangerschaft könnten sich Sorgen um die Zukunft mit positiver Aufregung abwechseln.

Mit einsetzender Schwangerschaft schüttet der Körper vermehrt Hormone aus, die die Schwangerschaft aufrechterhalten, aber auch die Psyche beeinflussen können. Des Weiteren könnten die körperlichen Veränderungen und die bevorstehenden neuen Lebensumstände für Verunsicherung sorgen. Dies kann teilweise sehr positive, aber durchaus auch negative Emotionen auslösen.

Stimmungsschwankungen sind keine Schwangerschaftsdepression. Echte Depressionen äußern sich zum Beispiel durch eine dauerhaft niedergeschlagene Stimmung, die mehr als zwei Wochen anhält, durch Desinteresse an der Umwelt, Hobbys und Freunden, Erschöpfung und Müdigkeit, durch starke Selbstzweifel oder auch verringerten Appetit und Schlafstörungen. Depressionen sollten behandelt werden, bei Stimmungsschwankungen ist das normalerweise nicht notwendig.

Bei schlechter Laune bzw. Stimmungsschwankungen kann es helfen, sich selbst etwas Gutes zu tun. Dies könnte leichter Sport, ein besonders leckeres und gesundes Essen oder ein schöner Abend mit Freunden sein. Suche das Gespräch mit engen Vertrauten und sprich offen über Deine Emotionen.

Stimmungsschwankungen gehören für viele Frauen zur Schwangerschaft dazu. Dafür sollte Dein Umfeld Verständnis zeigen. Aber auch Du solltest sie als Teil dieser besonders aufregenden Zeit annehmen und gut auf Dich achtgeben. Deine und die Gesundheit Deines kleinen Schatzes stehen jetzt im Vordergrund.

Zur Entstehung dieses Artikels:
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