hCG in der Schwangerschaft

Wie viel leichter wäre eine Schwangerschaft doch, wenn der Hormonhaushalt nicht so verrückt spielen würde! Morgenübelkeit, Akne, Heißhungerattacken und allerlei weitere Begleiterscheinungen haben wir allesamt den Hormonen zu verdanken, die während dieser Zeit auf Hochtouren produziert werden.

Als erstes machen werdende Mamas mit dem als Schwangerschaftshormon bekannten hCG Bekanntschaft, denn es ist der Botenstoff, der den Schwangerschaftstest zuhause überhaupt erst möglich macht. Doch das hCG leistet noch viel mehr.

Was macht das hCG?

Schwanger oder nicht – das verrät ein schneller und unkomplizierter Test. Zu verdanken ist die unmittelbare Gewissheit einem Hormon, das gerade zu Beginn einer jeden Schwangerschaft eine große Rolle spielt: das humane Chorion Gonadotropin, besser bekannt als hCG.

Da das Beta-hCG bei Frauen ausschließlich während einer Schwangerschaft gebildet wird, ist das Hormon ein untrüglicher Beweis dafür, dass Nachwuchs ins Haus steht. Der Name humanes Chorion Gonadotropin verrät es schon: Das hCG wirkt auf die Gonaden - also die Ovarien – genauer gesagt auf den Gelbkörper. Der ist für die Produktion der Hormone Östrogen und Progesteron zuständig, stellt diese jedoch im Laufe eines jeden Zyklus ein, damit die Menstruation einsetzen kann.

Um genau das zu verhindern, regt das hCG die Produktion dieser schwangerschaftserhaltenden Hormone so lange an, bis die Plazenta ausreichende Mengen zum Erhalt der Uterusschleimhaut produzieren kann. Es spielt also während des ersten Trimesters Ihrer Schwangerschaft eine unerlässliche Rolle.

Ab wann macht hCG einen Schwangerschaftstest möglich?

Die Bildung des hCG findet in einem Teil der Plazenta statt und beginnt nicht lange nach der Empfängnis. Es gelangt in die mütterliche Blutbahn und wird über die Nieren mit dem Harn ausgeschieden. Im Blut ist das Hormon schon nach etwa sechs bis neun Tagen nachweisbar, im Urin nach ungefähr 14 Tagen.

Ab wann ein Schwangerschaftstest sinnvoll ist, lässt sich leicht ermitteln. Das Auftreten von hCG im Urin deckt sich ungefähr mit dem Zeitpunkt, an dem normalerweise die Periode einsetzen würde. Deshalb wird häufig empfohlen, einen Schwangerschaftstest - sei es mittels Stäbchen oder Testkarte – der das hCG im Urin misst, dann anzuwenden, wenn die Menstruation ausbleibt.

Die Methode ist uralt

Übrigens: Nicht nur moderne Schwangerschaftstests machen sich das hCG zunutze, sondern auch deren Vorgänger – wenn diese Methode aus heutiger Sicht auch sehr skurril anmuten mag. Von den 1930ern bis in die 1960er Jahre war der sogenannte Froschtest weit verbreitet.

Hierbei wurde der Urin einer schwangeren Frau dem afrikanischen Krallenfrosch, auch Apothekerfrosch genannt, unter die Haut injiziert. Setzte der Frosch innerhalb von zwölf bis 24 Stunden Laich ab, war die Frau schwanger – denn das geschah nur, wenn der Urin das Hormon hCG enthielt.

So funktioniert der Schwangerschaftstest für Zuhause

Auch wenn die Frösche diese Prozedur stets überlebten, können wir froh sein, dass wir heute in Sachen Schwangerschaftstest auf angenehmere – und tierfreundlichere – Methoden zurückgreifen dürfen.

Moderne Heimtests funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip: Eine Urinprobe wird auf die Testkarte oder das Ende des Stäbchens aufgetragen. Der Test enthält Antikörper, an die das hCG sich bindet. Ein weiteres Molekül reagiert auf ein Enzym, das diese Antikörper bindet und färbt sich ein, was das Ergebnis in dem Kontrollfenster lesbar macht. Herstellern zufolge soll die Zuverlässigkeit bei korrekter Anwendung 99 Prozent betragen.

Was verrät der hCG-Wert über die Schwangerschaft – und was nicht?

Abgesehen davon, dass es ein wichtiges Indiz für eine Schwangerschaft ist, verrät das Beta-hCG weitere Informationen für deren Verlauf im Frühstadium.

Darauf können abweichende hCG-Werte hinweisen

Erhöhte Werte können auf Folgendes hindeuten:

  • Eine Mehrlingsschwangerschaft: Endgültigen Aufschluss kann hier nur der Ultraschall geben, doch ist die Menge an hCG bei Zwillingen, Drillingen und Co. in der Regel um ein Vielfaches höher.

  • Ein Chorionkarzinom, ein bösartiger Tumor, der häufig nach einer Blasenmole, also einer fehlerhaften Fruchtanlage, oder einer Fehlgeburt vorkommt.

Als Tumormarker macht sich hCG übrigens auch beim Mann bemerkbar: Ein erhöhter Wert könnte bei Männern unter Umständen auf Hodenkrebs hinweisen.

Ein zu niedriger Wert könnte bei einer Schwangeren hingegen ein Indiz sein für:

  • Eine drohende Fehlgeburt oder eine bevorstehende Frühgeburt.

  • Eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter, bei der sich das befruchtete Ei beispielsweise im Eileiter oder in der Bauchhöhle eingenistet hat.

  • Schwangerschaftserkrankungen, die mit erhöhtem Blutdruck einhergehen.

Diese Szenarien bilden jedoch die Ausnahme: In den meisten Fällen liegt der hCG-Wert in exakt dem Wohlfühlbereich, den Ihr Würmchen braucht, um sich prächtig und gesund zu entwickeln.

Stimmt das denn? Weitere Theorien rund um das hCG

Studien um Studien und keine klare Antwort: Es ranken sich noch weitere Annahmen um das hCG, die jedoch nicht immer endgültig erwiesen sind oder bei denen das Hormon kein akkurater Indikator ist. Dazu gehören:

  • Ist der hCG-Wert bei Mädchen höher? Diese Theorie ist weit verbreitet, und auch Forscher beobachten bei Studien häufig eine Erhöhung des hCG-Spiegels, wenn ein Mädchen unterwegs ist. Doch viele Ausnahmen lassen hier an der Regel zweifeln. Zur zuverlässigen Geschlechterbestimmung taugt die Messung eines einzelnen Hormons nicht – hier sollten Sie sich also lieber auf den Ultraschall verlassen.

  • Deutet ein hoher hCG-Wert auf Down Syndrom hin? Tatsächlich ist es das freie Beta-hCG, eine Untereinheit des hCG, das beim Ersttrimester-Screening gemessen wird und als Marker für Trisomien und andere Gendefekte anerkannt ist. Zudem sind bei dem Test auch Faktoren wie der Wert des Proteins PAPP-A und die im Ultraschall bestimmte Nackentransparenz ausschlaggebend. Alleine gibt der hCG-Wert also keinen ausreichenden Aufschluss darüber, ob bei dem Fötus eine Trisomie vorliegt.

Wie wichtig ist die hCG-Tabelle?

Wie man sieht, sind die hCG-Werte zwar ein wichtiger, aber nicht immer exakter Quell an Informationen. Den gängigen Verlauf der hCG-Konzentration verrät eine Tabelle, die den Norm-Wert zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft verrät. Doch Vorsicht vor voreiligen Schlüssen und allzu großer Sorge!

Die Norm-Werte

Normalerweise liegt die Beta-hCG-Konzentration im Blutserum bei einer Frau vor der Menopause bei weniger als 4 Einheiten pro Liter (IU/l) und bei einem Mann bei maximal 3 IU/l.

Bei einer schwangeren Frau könnte der Verlauf hingegen so aussehen:

Zeit nach der Empfängnis Beta-hCG-Konzentration in IU/l
3. Woche < 50
4. Woche < 400
7. Woche 5.000 - 90.000
10. Woche 40.000 - 230.000
13. Woche 40.000 - 140.000
2. Trimester 8.000 - 100.000
3. Trimester 5.000 - 65.000

Es ist Ihnen bestimmt schon aufgefallen: Der Spielraum bei den Normbereichen ist äußerst groß. Bedenkt man außerdem, wie stark die Referenzwerte sich von Labor zu Labor unterscheiden können, sollten Sie sich erst einmal keine Sorgen machen, wenn Ihre hCG-Werte von diesen Zahlen abweichen. Der hCG-Wert verläuft so individuell wie jede Schwangerschaft selbst.

Die Kurve muss stimmen

Entscheidend ist vielmehr, dass die Kurve im ersten Schwangerschaftsdrittel stetig nach oben zeigt: In den ersten Wochen der Schwangerschaft verdoppelt sich der hCG-Wert ungefähr alle 48 bis 72 Stunden, bis er zirka in der 12. Woche seinen Gipfel erreicht. Danach fällt er schnell wieder ab und bleibt bis zur Geburt Ihres Kindes auf einem relativ niedrigen Niveau.

In der Regel müssen also mindestens zwei separate Blutwerte analysiert werden, um die Entwicklung der hCG-Konzentration nachvollziehen zu können. Und wie bei allem, was Ihre Blutwerte und Symptome während der Schwangerschaft betrifft, gilt auch beim hCG: Keine Panik! Abweichende Werte müssen nicht zwingend für schlechte Nachrichten stehen. Sprechen Sie bei Sorgen und Beschwerden immer zunächst mit Ihrem Arzt.

Was löst das hCG bei einer Schwangerschaft aus?

Das wankelmütige Spiel der Schwangerschaftshormone macht sich auf verschiedene Weise bemerkbar. Vor allem jedoch im ersten Trimester sorgt das hCG für einige Veränderungen im Körper, die auch diejenigen Frauen auf eine Schwangerschaft aufmerksam machen, die noch keinen Test gemacht haben.

  • Übelkeit: Der Klassiker unter den Schwangerschaftsanzeichen, auch wenn es nicht jede Frau in gleichem Maße betrifft. Auslöser des Symptoms ist, so sind sich Forscher einig, das hCG, das Bewegungsstörungen im Magen-Darm-Trakt auslöst, wodurch der Mageninhalt oft Richtung Speiseröhre katapultiert wird. Und das soll sogar einen evolutionären Nutzen haben! Denn einer Studie zufolge erleiden Frauen, die an starker Übelkeit leiden, seltener eine Fehlgeburt – offenbar, weil dieses Warnsignal dafür sorgt, dass Schwangere schädliche Speisen oder Getränke meiden.

  • Häufiger Harndrang: Lange, bevor die wachsende Gebärmutter und schließlich der Fötus der Blase den Platz im Bauch streitig machen, ist ein vermehrter Harndrang ein Symptom der Frühschwangerschaft – was wir ebenfalls Hormonen wie hCG und Progesteron zu verdanken haben, die sich auf die Muskulatur der Blase auswirken.

  • Heißhungerattacken oder Abneigungen: Sie haben unbändigen Appetit auf Süßes, Würziges oder auch Dinge, die Ihnen vorher gar nicht geschmeckt haben? Bei anderen Leckereien hingegen ertragen Sie schon den Geruch nicht? Auch hier wird vermutet, dass hCG das auslösende Hormon ist.

Es gibt noch weitere Anzeichen und Symptome, die den Verdacht auf eine Schwangerschaft wecken, darunter Krämpfe, Hitzewellen, spannende und geschwollene Brüste oder Müdigkeit. Endgültigen Aufschluss darüber, ob ein Baby unterwegs ist oder nicht, gibt schließlich ein Schwangerschaftstest – und das gute, alte hCG.

Falls Sie also den Übeltäter suchen, der für Ihr morgendliches Erbrechen und allerlei andere leidige Begleiterscheinungen verantwortlich ist, haben Sie ihn hiermit gefunden. Doch machen Sie sich bewusst, wie unerlässlich das Beta-hCG mit all seinen Nebenwirkungen im Frühstadium der Schwangerschaft ist. Dann lässt sich diese unangenehme Seite des Mutterwerdens vielleicht ein klein wenig leichter ertragen. Ansonsten gilt: Füße hochlegen, sich schöne Gedanken machen und sich auf die Zeit mit Ihrem Baby freuen.

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