Schreibaby beruhigen

Jedes Baby weint und wahrscheinlich auch Ihr kleiner Schatz. Säuglinge kommunizieren mit uns und das Weinen bzw. Schreien ist dabei Ihre Sprache. Doch genau dieses Geräusch versetzt Eltern in höchste Alarmbereitschaft - bedeutet es doch meistens, dass etwas nicht in Ordnung ist. Doch wie viel Tränen sind noch normal und ab wann spricht man von einem Schreibaby?

Was versteht man unter einem Schreibaby?

Babys drücken ihre Bedürfnisse, wie Hunger, Müdigkeit oder Schmerzen, durch Weinen aus. Das ist erst mal ganz normal. Empfinden Sie das Schreien aber als besonders intensiv oder wird es zu einer Art Dauerzustand, kann es zu einer Belastung werden.

Symptome

Als Schreibaby bezeichnet man ein Baby, das exzessiv schreit und scheinbar nicht mehr zu beruhigen ist. Es gibt einige Anzeichen, die darauf hindeuten, dass Ihr Kind in seinem Schrei-Verhalten stärker ausgeprägt ist:

  • Ihr Baby fängt scheinbar aus heiterem Himmel heraus an, plötzlich untröstlich zu weinen.

  • Sie können keinen Grund finden, warum Ihr Baby weint und alle Beruhigungsversuche sind gescheitert.

  • Das Schreien hat ungefähr zwei Wochen nach der Geburt begonnen.

  • Die Schreiphasen nehmen im Laufe des Tages zu und nicht ab. Abends sind sie besonders intensiv.

  • Sie beobachten Schlafprobleme, wie einen unzureichend langen Schlaf tagsüber oder allgemeine Einschlafschwierigkeiten.

  • Während der Wein-Episode Ihres Babys sind seine kleinen Händchen meistens zu einer Faust geballt, die Beine angezogen, das Gesicht rot und der Bauch verhärtet.

Definition

All diese Symptome sind natürlich auch sehr subjektiv. Auch ist es gerade für frischgebackene Väter und Mütter nicht einfach, herauszufinden, was das weinende Baby eigentlich mitteilen möchte.

Im Allgemeinen spricht man dann von einem „Schreibaby“, wenn folgende Faktoren zutreffen:

  • Pro Tag weint oder schreit Ihr Baby mehr als drei Stunden.

  • Die Schreiphasen lassen sich an mehr als drei Tagen pro Woche beobachten.

  • Dieser Zustand hält schon mehr als drei Wochen an.

Dies ist allerdings nur eine grobe Orientierung. Eine Art „Schreibaby-Test“ gibt es in dem Sinne nicht. Suchen Sie daher Ihren Kinderarzt auf, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Baby überdurchschnittlich viel und exzessiv weint.

Dauer

Viele Eltern fragen sich wahrscheinlich, ob sich dieser Zustand jemals ändern wird oder ob es sich nur um eine Phase handelt. Tatsächlich lässt sich in den meisten Fällen eine Art Zeitfenster definieren.

Das Schreien beginnt nicht direkt ab der Geburt, sondern oft erst ab der zweiten Lebenswoche. Der Höhepunkt ist bei vielen Säuglingen in der 6. Woche erreicht. Bei zweidritteln aller Schreibabys lässt sich im 4. Monat eine deutliche Verbesserung feststellen und das scheinbar grundlose Schreien wird weniger oder hört ganz auf.

Wie lange das Schreien genau anhält, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Bei einigen wenigen Babys hält diese Phase noch an, bis sie 7. Monate alt sind. Kommen dann noch Schlaf- oder Essstörungen dazu, ist es höchste Zeit, einen Arzt aufzusuchen.

Schreibabys: Mögliche Ursachen

Die genaue Ursache des untröstlichen Schreiens ist nicht eindeutig geklärt. Man geht davon aus, dass möglicherweise mehrere Faktoren zusammen spielen:

  • Schwierige Schwangerschaft. Manchmal fallen extrem belastende Ereignisse, wie eine Trennung vom Partner oder schwere Krankheiten innerhalb der Familie, in die Zeit der Schwangerschaft und lösen ungewöhnlich starken Stress aus. Stresshormone landen auch beim ungeborenen Kind. Aber natürlich hat nicht jeder Stress gleich Auswirkungen auf die Gesundheit Ihres Babys.

  • Problematische Geburt. Wenn es bei der Entbindung zu Problemen kommt, könnte sich das negativ auf die ersten Lebenswochen auswirken – sei es, dass unerwartet ein Kaiserschnitt gemacht werden musste, es eine Saugglockengeburt war oder das Baby gar als Frühchen das Licht der Welt erblickte. Eventuell leidet das Baby auch unter Schmerzen, weil es während der Geburt leicht verletzt wurde.

  • Verdauungsprobleme. Nach der Geburt muss sich der Magen-Darm-Trakt des Kindes erst noch an die Nahrungsumstellung gewöhnen. Es muss nun ganz aktiv saugen und schlucken. Auch das Ausscheiden könnte anfangs problematisch sein. All das kann natürlich Schmerzen verursachen und das Baby verzweifeln lassen.

  • Schwierigkeiten beim Stillen. Probleme beim Stillen sind gar nicht so ungewöhnlich. Die Folgen: Mutter und Kind sind frustriert. Dieser Frust kann die Ursache für extreme Schreiattacken sein.

  • Regulationsstörungen. Fütter- und Gedeihstörungen, permanente Ein- und Durchschlafprobleme, extreme Trennungsängste: Neben dem Schreien selbst, kann eine Vielzahl anderer Probleme das Fass zum Überlaufen bringen.

  • Gestörte Kommunikation. Plötzlich halten Eltern ein Baby im Arm und wissen anfangs wahrscheinlich noch gar nicht so genau, was nun von ihnen verlangt wird. Auch der Säugling hat noch keine Mittel zur Verfügung, seine Bedürfnisse so zu äußern, dass diese auch ganz eindeutig verstanden werden können. Ein Schreibaby kommuniziert auch.

  • Probleme innerhalb der Familie. Manch ein Baby hat einen schwierigen Start ins Leben, weil die Umstände es nicht anders zulassen. Schicksalsschläge, finanzielle Sorgen oder Krankheiten belasten eine ganze Familie, was sich leider auch auf ein Neugeborenes übertragen kann.

  • Temperament. Auch Babys haben schon ihren eigenen Kopf und unterscheiden sich in ihrem Temperament voneinander. Säuglinge, die zum Beispiel leicht schreckhaft sind, sehr schlecht mit jeglicher Art von Veränderung umgehen können oder sich generell von äußeren Reizen stark beeinflussen lassen, schreien auch häufiger.

Sie sehen selbst: Die Erklärungsversuche könnten unterschiedlicher nicht sein. Begeben Sie sich daher nicht selbst auf Ursachensuche, sondern lassen Sie sich helfen. Dabei sollte Ihre erste Anlaufstelle immer Ihr Kinderarzt ein, um mögliche körperliche Auslöser der Schreianfälle auszuschließen.

Hilfe für Sie und Ihr Baby

Es ist nur allzu verständlich, dass Sie ein Leben mit einem Schreibaby an Ihre Grenzen bringen kann. Sie müssen der Lage nicht allein Herr werden, denn das könnte Ihre Kräfte übersteigen. Holen Sie sich also auf jeden Fall Hilfe, wenn Sie merken, dass es zuviel wird.

Das Schreitagebuch

Ihren Tagesablauf und die Schreiphasen Ihres Kindes zu protokollieren, kann dabei helfen, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Teilen Sie zum Beispiel den Tag in Zeitabschnitte ein. Vielleicht lässt sich dabei schon erkennen, zu welcher Tageszeit Ihr Schreibaby am aktivsten ist.

Beobachten Sie aber nicht nur Ihr Baby, sondern auch sich selbst: Wann sind Sie besonders angespannt? Welche Situationen sind Ihnen schwergefallen und wie war der Tag generell für Sie? Was haben Sie ausprobiert, damit das Schreien vorüber geht, und was hat geholfen?

All diese Informationen können nicht nur für Sie, sondern auch für eine außenstehende Person wertvoll sein. Sie kann sich so einen guten Eindruck von Ihrem Alltag machen, um Ihnen dann ganz konkrete Hilfestellungen zu geben.

Die Schreiambulanz

Einer der ersten Schritte könnte ein Anruf oder ein Besuch bei der Schreiambulanz sein. Das ist eine Beratungsstelle, die sich auf die Unterstützung von Eltern und Kindern bis zu drei Jahren spezialisiert hat. Hier finden Sie professionelle Beratung und viele Hilfsangebote. Die meisten davon sind sogar kostenlos.

Zusammen mit einer speziell ausgebildeten Person können Sie ganz konkret an den Problemen arbeiten. Sie werden in einem persönlichen Gespräch sehr wahrscheinlich ausführlich zu Ihrem Tagesablauf, den aktuellen Problemen, Ihren Lebensumständen (Partner, Beruf, etc.), aber auch zum Verlauf Ihrer Geburt und Schwangerschaft befragt.

So kann sich Ihr Berater ein umfassendes Bild Ihrer Situation machen und weitere Schritte vorschlagen. In manchen Fällen kann sogar ein Hausbesuch organisiert werden, bei dem Sie die Möglichkeit haben, ihm oder ihr das Lebensumfeld Ihres Säuglings zu zeigen.

Ab wann zum Arzt?

Kontaktieren Sie aber bitte immer Ihren Kinderarzt, um sicherzugehen, dass keine körperlichen Ursachen die Schreianfälle auslösen. Außerdem ist ein Termin erforderlich, wenn:

  • Ihr Baby nicht an Gewicht zunimmt.

  • das Trinken verweigert wird.

  • sich Ihr Kind sehr häufig übergibt.

  • Ihr Baby unter Schmerzen zu leiden scheint oder sich stark überstreckt.

Von schwerwiegenden Spätfolgen für Kind oder Eltern spricht man nicht. Dennoch: Ein Schreibaby stellt Eltern auf die Probe und es wäre nicht ungewöhnlich, wenn auch Sie vielleicht manchmal Angst davor haben, vor lauter Frust und Wut die Kontrolle zu verlieren. Holen Sie sich also früh genug Hilfe!

Tipps für das Leben mit einem Schreibaby

Der Umgang mit einem Schreibaby ist wahrlich nicht leicht und es kann sein, dass Ihr Umfeld dies gar nicht so richtig nachvollziehen kann. Viele Eltern fühlen sich daher vielleicht allein gelassen und isoliert.

In diesem Fall kann ein Austausch mit Gleichgesinnten guttun: Wie geht es anderen Eltern mit der Situation? Was hat bei ihnen geholfen?

Einige Tipps haben wir hier für Sie gesammelt:

  • Ab ins Tragetuch! Vielleicht können Sie Ihr Baby gut beruhigen, indem Sie es rumtragen? Machen Sie sich das zunutze und verwenden Sie ein Tragetuch oder eine Babytrage. Der enge Körperkontakt und die wiegende Bewegung beim Gehen wirken sich positiv auf Ihr Baby aus. Außerdem haben Sie so beide Hände frei und können alltägliche Arbeiten verrichten.

  • Sorgen Sie für Entspannung. Versuchen Sie, wann immer es Ihnen möglich ist, Ihrem Kind Ruhe und Entspannung zu gönnen. Ein warmes Bad oder eine Babymassage tut Ihrem Kind gut und bringt Sie beide noch enger zusammen.

  • Schlaf, Kindlein schlaf. Ruhe und Schlaf sind gerade in den ersten Wochen wichtig. Manche Babys schlafen von ganz alleine ein und andere brauchen vielleicht etwas Unterstützung. Lernen Sie, die Signale Ihres Babys zu lesen, damit Sie entsprechend zeitnah reagieren können, um Ihrem Kind durch eine ruhige Umgebung, sanftes Schaukeln und mit einem Gute-Nacht-Lied in den Schlaf hinüber zu helfen.

  • Schaffen Sie positive Erinnerungen. Das Schreibaby bestimmt meist den kompletten Alltag und es kommt Ihnen manchmal vielleicht so vor, als würde Ihr Kind nur weinen? Tatsächlich wird es auch Momente geben, in denen Ihr Baby entspannt ist. Nutzen Sie diese, um gemeinsam mit ihm zu kuscheln, zu spielen oder sich einfach nur gegenseitig anzuschauen. So kreieren Sie positive Erinnerungen, die Ihnen an besonders anstrengenden Tagen wieder Kraft geben.

  • Nehmen Sie sich eine Auszeit. Oft befindet man sich in einer Art Stresskreislauf. Durchbrechen Sie diesen, indem Sie Zeit für sich oder Zweisamkeit mit Ihrem Partner einplanen – und das einfach mal ohne Kind. Während dieser Auszeit können Sie die Energiereserven wieder auftanken.

Bei all den guten Tipps und Ratschlägen, die Sie wahrscheinlich auch von anderen bekommen, ist es das Wichtigste, dass Sie sich selbst nicht aus den Augen verlieren. Und machen Sie sich bitte auch keine Vorwürfe, denn als Eltern tun Sie mit Sicherheit alles dafür, dass sich Ihr Baby wohlfühlt.

Fakten im Überblick

  • Von einem Schreibaby spricht man laut Definition, wenn ein Baby über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen hinweg, öfters als an drei Tagen in der Woche mehr als drei Stunden pro Tag ohne erkennbaren Grund schreit.

  • Die meisten Schreibabys beginnen ab der zweiten Lebenswoche untröstlich zu weinen. In der 6. Woche ist dann oft der Höhepunkt erreicht und bei vielen Kindern klingen die Symptome nach dem 3. Monat langsam ab. In einigen Fällen kann das Schreien aber auch länger anhalten.

  • Die Ursachen sind sehr vielfältig und können von Regulationsstörungen bis hin zu einer problematischen Kommunikation zwischen dem Baby und den Eltern reichen. Oft bedingt ein Problem das andere und löst das untröstliche Weinen aus.

  • Spätestens wenn Ess- oder Schlafprobleme neben dem Schreien zu beobachten sind, sollten Sie einen Arzt aufsuchen - natürlich auch dann, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Baby an Schmerzen leidet. Aber auch Sie als Eltern sollten sich Hilfe suchen.

Da man schlussendlich nicht mit Sicherheit sagen kann, warum ein Säugling zum Schreibaby wird, ist es auch mühsam, sich darüber allzu sehr den Kopf zu zerbrechen. Stattdessen sollten Sie versuchen, wieder zu einem entspannten Alltag zurückzufinden, denn Sie können die Schreiattacken nicht verhindern, sondern nur lindern.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.