weinendes Baby beruhigen

Wie Sie ein weinendes Baby beruhigen können

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04.05.20
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Die kleinen Mundwinkel fallen nach unten und Tränen fließen. Als Eltern wird Ihr erster Impuls sein, Ihr Kind zu trösten. Manchmal lässt sich Ihr Baby aber nicht so einfach wieder beruhigen und Sie müssen etwas tiefer in die Trickkiste greifen. Was hilft dann wirklich und warum?

Worum geht es in diesem Artikel?

Alle Babys weinen Das Baby schaukeln Spenden Sie Nähe Entspannung durch Babymassage und Baden Geräusche können helfen Der Schnuller als letzte Rettung Bewahren Sie Ruhe

Alle Babys weinen

Hunger, Müdigkeit, eine volle Windel … es gibt so einige Gründe, warum sich Ihr Baby gerade nicht wohlfühlt. Und das drückt es mit mehr oder weniger heftigem Weinen aus. Stellen Sie also sicher, dass die Grundbedürfnisse befriedigt sind, bevor Sie Ihr Beruhigungsprogramm starten.

Was passiert im Körper des Babys?

Wenn Babys schreien, werden Stresshormone in dem kleinen Körper freigesetzt. Das Resultat: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck ist erhöht, die Muskeln spannen sich an, die Atmung ist hektischer und das Baby beginnt zu schwitzen. Das ist erst mal ganz normal.

Es ist jedoch wichtig, dass diese Erregung nicht zum Dauerzustand wird. Das könnte negative Auswirkungen auf die Entwicklung des kleinen Gehirns haben. Eltern sollten Ihr Baby daher nicht allzu lange weinen lassen und versuchen es zu beruhigen. Spenden Sie also Trost, denn das sorgt bei Ihrem Kind dauerhaft für physische und psychische Stabilität.

Seien Sie die Begleitperson im Kummer!

Wenn Ihr Baby weint, haben Sie gegebenenfalls das Gefühl, etwas falsch zu machen. Oder Sie denken, dass Sie etwas tun können, damit es möglichst schnell wieder aufhört. Das ist jedoch nicht immer möglich. Manchmal besteht Ihre Aufgabe auch nur darin, Ihr Baby in seinem Kummer zu begleiten.

Geben Sie ihm die Nähe und Geborgenheit, die es braucht, um sich in seinem individuellen Tempo wieder zu beruhigen. Stellen Sie zuvor natürlich sicher, dass nicht Hunger, eine volle Windel oder mögliche Schmerzen die Ursache für das Weinen sind.

Hilfe, nichts geht mehr!

Wie oft und lange Babys weinen, ist von Kind zu Kind – sogar innerhalb einer Familie – ganz unterschiedlich. Manchmal kann es sinnvoll sein, den Tagesablauf etwas ruhiger zu gestalten und nicht zu viele Unternehmungen zu planen. Aber es gibt auch das ein oder andere Baby, das selbst in einer sehr reizarmen Umgebung viel schreit und sich nicht so recht beruhigen lässt. Vielleicht leidet Ihr Baby auch an den sogenannten 3-Monats-Koliken.

Von einem Schreibaby spricht man aber erst, wenn ein Kind ungefähr an drei Tagen der Woche über mehr als drei Stunden am Tag untröstlich weint – und das dann über einen längeren Zeitraum hinweg (ca. drei Wochen). Trifft das auf Ihren Liebling zu und fühlen Sie sich selbst durch das unaufhörliche Weinen Ihres Babys sehr belastet, holen Sie sich unbedingt Unterstützung zum Beispiel durch die Beratung in einer Schreibabyambulanz.

Das Baby schaukeln

Viele Eltern tun es von Anfang an ganz intuitiv: Sie schaukeln oder wiegen Ihr Neugeborenes in Ihren Armen, um es zu besänftigen. Babys mögen es oft auch gerne, wenn man mit Ihnen im Arm tanzt oder geht.

Jegliche Art von rhythmischen Bewegungen begeistern Babys und beruhigen sie gleichzeitig. Schon während der Schwangerschaft wurde Ihr kleiner Schatz im Mutterleib hin und her geschaukelt und das Wiegen erweckt daher auch später positive Gefühle. Natürlich dürfen Sie Ihr Baby nicht zu heftig wiegen und schon gar nicht schütteln, denn dabei könnten feine Blutgefäße verletzt werden.

Einige Babys entspannen sich sehr schnell in einer Babywippe, einer speziellen Hängematte oder auf einer Decke liegend, während die Eltern diese an beiden Seiten festhalten und sie leicht hin und her schwingen. Probieren Sie es einfach einmal aus.

Spenden Sie Nähe

Sicherheit und Nähe sind ein Grundbedürfnis. Das oberste Gebot zur Beruhigung eines Säuglings ist es demnach, genau das anzubieten. Das Baby in den Arm zu nehmen und sanft an sich zu drücken, ist das einfachste und oft auch effizienteste Mittel die Wogen wieder zu glätten. Der direkte Körperkontakt hilft ihm – besonders, wenn die Eltern selbst dabei entspannt sind.

Versuchen Sie also möglichst gelassen zu bleiben, damit Sie Ihr Kind durch seine Weinphase begleiten können. Sorgen Sie mit langsamen, gleichmäßigen Atemzügen dafür, dass Sie selbst nicht auf das hohe Erregungsniveau Ihres Babys einsteigen.

Sollte eine Umarmung, Händchenhalten oder Streicheln nichts mehr helfen, nehmen Sie Ihr Kind ganz nah zu sich. Hierfür bietet sich bei Neugeborenen ein Tragetuch an. Ihr Baby spürt nun Ihren Herzschlag und Ihren Atem und in den meisten Fällen wird es sich innerhalb kurzer Zeit wieder beruhigen.

Entspannung durch Babymassage und Baden

Nutzen Sie die Vorteile der körperlichen Nähe und massieren Sie ihr Baby.

Zeit für ein wenig Wellness: die Babymassage

Mit einer Massage lassen sich Babys prima beruhigen. Außerdem ist sie für die Entwicklung förderlich und man kann so manchen Beschwerden damit entgegenwirken.

  • Zeitpunkt: Ideal wäre es, wenn Sie die Massage regelmäßig – zum Beispiel abends – in Ihren Tag einbauen. Ihr kleiner Wellness-Kunde kann sich so besser darauf einstellen. Nehmen Sie sich dafür Zeit und lassen Sie sich nicht durch Besuche, Telefonanrufe etc. stören. Massieren Sie Ihr Baby nicht direkt nach dem Essen, da dann selbst sehr sanfter Druck auf den Bauch unangenehm ist.
  • Dauer: Planen Sie zwischen 10 und 20 Minuten ein. Ihr Baby wird Ihnen von ganz alleine zeigen, wenn es genug hat: Es dreht sich weg, wird unruhig oder krabbelt gar davon.
  • Ort: Legen Sie Ihr Kind in einem gut beheizten Raum auf eine weiche Decke. Gern können Sie die Massage auch damit beginnen, dass der Säugling auf Ihren nackten Beinen liegt und seine Füße in Ihre Richtung zeigen.

Probieren Sie aus, welche Art der Berührung Ihr Kind beruhigt: eine Kopfmassage, Massage von Brust, Bauch und Beinen oder doch lieber eine Rücken- oder Fußmassage.

Ein warmes Bad kann Wunder wirken

Wärme kann nicht nur uns Erwachsene, sondern auch unseren Nachwuchs beruhigen. Sie setzt nämlich im Körper Ihres Babys den Botenstoff Oxytocin frei, der für ein wohliges Gefühl sorgt. Ein warmes Bad kann diese Wirkung noch verstärken.

Achten Sie beim Baden auf eine angenehme Wassertemperatur und begrenzen Sie die Badezeit auf ungefähr zehn Minuten. Babyhaut ist empfindlich und trocknet sehr schnell aus. Verwenden Sie daher ggf. rückfettende Badezusätze oder cremen Sie Ihr Kind danach mit etwas Mandel- oder Babyöl ein.

Geräusche können helfen

Sie kennen es vielleicht: Man schleicht um das Baby herum und versucht, es nicht mit unnötigen Geräuschen aufzuschrecken - und trotzdem weint es bitterlich. Kaum schaltet aber jemand zum Beispiel den Staubsauger an, verstummt Ihr Liebling augenblicklich. Naturgeräusche, wie Meeresrauschen, Vogelgezwitscher, Regen oder eintönige Geräusche wie eine Waschmaschine oder das Brummen des Kühlschrankes, können manchmal helfen, Ihr Baby zu beruhigen.

Auf die meisten Babys wirkt die Tonlage der Eltern besonders entspannend. Gerade nachts können Sie Ihr Baby mit Ihrer Stimme und sanften Lauten wieder besänftigen, wenn es wach wird. Aber auch vor dem Zu-Bett-Gehen wird sich Ihr Kind sicherlich über ein Schlaflied freuen. Ihre Stimme verleiht ihm Sicherheit und die Erfahrung hat gezeigt, dass sich Kinder durch Lieder beruhigen lassen.

Der Schnuller als letzte Rettung

Das Beruhigungsmittel Nummer eins ist für viele Babys der Schnuller – nicht umsonst wird er auch Beruhigungssauger genannt.

Warum sich Babys beim Saugen beruhigen

Manchmal lässt es sich schon im Mutterleib beobachten, dass der Fötus am Daumen lutscht. Kaum auf der Welt wird aus dieser ersten Übung ernst, denn die Fähigkeit zu saugen ist zur Nahrungsaufnahme bzw. beim Stillen unbedingt nötig.

Das Bedürfnis zu nuckeln, dient allerdings nicht allein der Nahrungsaufnahme. Viele Babys stecken sich alles in den Mund, was sie zwischen die kleinen Finger bekommen und beginnen daran zu nuckeln. Mit dem Saugen kann sich ein Baby selbst beruhigen. Überdies wirkt es schmerzlindernd, aktiviert die Verdauung und hilft beim Einschlafen.

Ist der Schnuller schädlich?

Generell wird dazu geraten, dass der Schnuller nur angeboten werden sollte, wenn alle anderen Versuche, das Baby zu beruhigen fehlgeschlagen sind. Gestillte Kinder befriedigen ihr Saugbedürfnis meist schon an der Brust.

Der Beruhigungssauger sollte aber nicht allzu lange verwendet werden und schon gar nicht dauerhaft zum Einsatz kommen. Er könnte das Wachstum des Mundraumes behindern und begünstigt die Mundatmung, Schluckfehlfunktionen, Kaustörungen, Sprechstörungen oder Zahn- und Kieferfehlstellungen.

Welche Schnuller kommen infrage?

Gerade abends beim Einschlafen oder in sehr schwierigen Situationen kann der Schnuller vielen Babys helfen, sich zu beruhigen. Seien Sie also nicht allzu streng mit sich und Ihrem Baby.

Beim Kauf eines Schnullers sollten Sie allerdings auf folgende Sachen achten, um mögliche Wachstumsstörungen nicht zu provozieren:

  • niedrigen Schnullerschaft/Ansatz
  • flache querovale Form des Saugers
  • leichter Schnuller
  • flexibler und beweglicher Sauger

Nicht alle Eltern bieten den Nuckel zur Beruhigung an. Am Ende muss jeder aber für sich entscheiden, ob der kleine Helfer nicht doch ab und an mal zum Einsatz kommen darf.

Bewahren Sie Ruhe

Wenn ein Baby unentwegt weint, kann dies für die Eltern mitunter sehr belastend sein. Gerade nachts, wenn das Baby schreit und es sich einfach nicht mehr beruhigen lässt, liegen die Nerven blank.

Es ist sicherlich allen Eltern schon einmal zu viel geworden. Dafür muss man sich nicht schämen! Achten Sie auf sich selbst und versuchen Sie, die Situation etwas zu entschärfen:

  • Hilfe in Anspruch nehmen. Bitten Sie eine andere Bezugsperson, kurz für Sie einzuspringen, oder rufen Sie eine Person an, die Ihnen zuhört und Sie unterstützen kann.
  • Tief durchatmen! Wenn Sie gerade alleine mit Ihrem Kind sind, sorgen Sie dafür, dass Sie zunächst möglichst schnell wieder ruhiger werden. Legen Sie Ihr Baby an einem sicheren Ort ab, wenn Sie frustriert sind oder wütend werden oder das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und erlangen Sie Ihre Fassung zurück.
  • Dampf ablassen! Boxen Sie in ein Kissen oder lassen sich etwas kaltes Wasser über Gesicht und Hände laufen.

Wenn Sie das Gefühl haben, häufiger in solche Ausnahmesituationen zu kommen, holen Sie sich unbedingt professionelle Hilfe. Ein erster Ansprechpartner kann Ihre Hebamme oder der Kinderarzt sein.

Aber egal, wie genervt oder wütend Sie das Schreien Ihres Babys macht: Sie dürfen es niemals schütteln! Wenn man ein Baby schüttelt, kann das zu Blutungen im Gehirn führen, die schwere bleibende Schäden bis hin zum Tod des Babys verursachen können. Man bezeichnet das als Schütteltrauma und es handelt sich um einen lebensbedrohlichen Zustand.

Es ist wichtig, dass Sie den Kummer Ihres Kindes ernst nehmen. Reagieren Sie aber auch nicht über und gehen Sie vor allem nicht an Ihre Grenzen. Versuchen Sie, Ihr Baby zu begleiten und ihm beizustehen. So wird es sich früher oder später wieder beruhigen.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel.
Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.

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