Baby Herpes

Kommt Ihnen das bekannt vor: ein Jucken und Stechen auf der Lippe und unschöne Bläschen um den Mund herum? Dann leiden wahrscheinlich auch Sie so wie viele andere an Lippenherpes. Herpes wird durch einen Virus ausgelöst, der in der Regel für Erwachsene nicht weiter gefährlich ist. Bei Babys könnte er allerdings Schäden verursachen. Besonders Neugeborene sollten bestenfalls nicht mit Herpes in Berührung kommen.

Was ist Herpes?

Herpes ist eine weit verbreitete Infektionskrankheit, die durch Viren ausgelöst wird und in der Regel auch Babys treffen kann. Die Herpes-simplex-Viren (HSV) verursachen einen schmerzhaften Ausschlag an der Haut und den Schleimhäuten. Selten befallen sie auch innere Organe. Am bekanntesten ist wohl der Lippenherpes.

HSV-1 und HSV-2

Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Viren-Typen, die Herpes an unterschiedlichen Körperstellen herbeiführen können:

  • Typ 1 (HSV-1): Dieser Virustyp verursacht vor allem Lippenherpes. Die meisten Menschen sind schon mit ihm in Berührung gekommen und konnten Antikörper dagegen entwickeln.

  • Typ 2 (HSV-2): Genitalherpes wird größtenteils durch das HSV-2 übertragen. Hier bricht die Krankheit im Intimbereich aus.

Die meisten Menschen stecken sich bereits als Baby oder Kind mit dem Virustyp 1 an. Im Erwachsenenalter bleibt die Infektionen oft unbemerkt da keine Symptome auftreten. Eine Herpes-Übertragung mit dem Typ 2 ist bei Kindern eher untypisch.

Was passiert im Körper?

Sobald das Herpes-Virus in den Körper eingedrungen ist, verbreitet es sich. Viren können sich allerdings nicht wie andere Lebewesen vermehren, sondern sie benötigen dazu einen Wirt bzw. eine Wirtszelle.

Dafür dockt sich das Virus an eine gesunde Körperzelle an, durchbricht dessen Hülle und entlässt sein Erbgut ins Zelleninnere. Das Erbgut fungiert als eine Art Bauplan. Die vorher gesunde Zelle wird nun manipuliert und baut neue Viren zusammen, die sie dann freisetzt. Die Wirtszelle selbst stirbt danach ab.

Macht sich das Herpes-Virus im Körper breit, kann es zu den typischen Symptomen wie Bläschen an der Lippe kommen. Sehr viele mit Herpes infizierte Erwachsene und Kinder zeigen allerdings tatsächliche keine Anzeichen und bleiben symptomfrei.

Nachdem das Virus den Körper infiziert hat, nistet es sich in den Nervenzellknoten (Ganglien) ein und bleibt oftmals mehrere Jahre inaktiv. Für den Herpes-Erreger ist das eine schlaue Überlebensstrategie, denn dort ist er für das Immunsystem des Körpers nicht angreifbar. Ist dieses allerdings geschwächt, kann es zu einem Herpes-Ausbruch kommen.

Wie wird Herpes übertragen?

Das Herpes-Virus wird mittels Tröpfchen- und Schmierinfektion weitergegeben. Übertragungswege könnten also sein:

  • Husten

  • Niesen

  • Sprechen

  • Haut- und Schleimhautkontakt (z. B. Küssen)

  • Kontakt mit kontaminierten Oberflächen (z. B. Trinken aus demselben Glas)

Zeigen sich am Mund die typischen gelben Herpesbläschen, ist Vorsicht geboten. Diese sind mit unzähligen Herpes-simplex-Viren gefüllt. Wenn die Bläschen aufplatzen, setzen sie das Virus frei und die Ansteckungsgefahr ist besonders hoch. Ruht das Virus im Körper, ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung allerdings sehr gering.

Symptome und Verlauf von Herpes bei Babys

Dringt das für Lippenherpes verantwortliche Virus (HSV-1) zum ersten Mal in den Körper ein, (Erstinfektion) passiert rein äußerlich oft nicht viel und die Infektion könnte ohne weitere Krankheitsanzeichen vonstattengehen. Das Virus könnte erst wieder unter bestimmten Umständen aktiv werden. Zum Beispiel bei:

  • Infektionskrankheiten

  • psychischen Belastungen

  • Einnahme bestimmter Medikamente

  • hormoneller Umstellung (Monatsblutung, Schwangerschaft etc.)

  • starker Sonneneinstrahlung

Die Viren können sich unter diesen Umständen besonders gut vermehren und wandern in die Hautregionen am Mund oder im Fall eines Genitalherpes in den Intimbereich.

Da Genitalherpes eine primär durch Geschlechtsverkehr übertragene Erkrankung ist, macht sich Herpes bei Kleinkindern vor allem an der Haut und den Schleimhäuten am Mundraum durch eitrige Bläschen bemerkbar.

Zunächst ist die Haut sehr empfindlich und könnte spannen, jucken oder brennen. Danach erst bilden sich langsam die typischen Bläschen. Davon treten gleich mehrere auf, die anfangs mit einer klaren, später dann mit einer trüben Flüssigkeit gefüllt sind. Sie platzen nach einigen Tagen auf und es bildet sich eine feste gelbrote Kruste. Herpes heilt nach sieben bis zehn Tagen vollständig ab und es bleiben keine Narben zurück.

Sind die Bläschen aber sehr schmerzhaft und befinden sich im Innenraum des Mundes, könnte es passieren, dass Ihr Baby die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme verweigert. Es könnte außerdem zu Fieber, einem Anschwellen der Lymphknoten mit Schluckbeschwerden oder gar Mundsoor kommen.

Achtung Ansteckung - Herpes bei Neugeborenen

Eine Infektion mit dem Herpes-Virus kann für Erwachsene und Kinder lästig werden. In der Regel ist der Erreger aber nicht weiter gefährlich. Sollten Sie sich allerdings vor oder während einer Schwangerschaft mit einem Genitalherpes anstecken, müssen Sie dies umgehend mit Ihrem/r Frauena(e)rzt/in besprechen.

Ansteckung des Babys während der Geburt

Stecken sich Neugeborene damit an, könnte es kritisch werden. Das Immunsystem ist in den ersten 3 Monaten noch nicht ausreichend entwickelt, um Herpes zu bekämpfen und es könnte zu schwierigen Komplikationen kommen.

Nur in sehr seltenen Fällen infiziert sich ein ungeborenes Baby über die Plazenta oder das Fruchtwasser mit Herpes. Leidet eine Frau allerdings kurz vor der Entbindung an aktivem Herpes (d. h. Herpesbläschen) im Intimbereich, könnte sie ihr Baby während der Geburt anstecken. Das Neugeborene würde dann nach ungefähr einer Woche, spätestens aber nach sechs Wochen erkranken.

Frauen mit einem aktiven Genitalherpes um den Geburtstermin herum wird oft nahegelegt, das Baby per Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, um die Gefahr einer Ansteckung zu vermeiden. Alternativ könnten auch bestimmte Medikamente empfohlen werden. Sollten Sie betroffen sein, wird Ihr/e A(e)rzt/in Sie über alle nötigen Schritte und Vorsichtsmaßnahmen informieren.

Der Nestschutz

Trägt eine Mutter das Virus in sich, gehen in der Regel während der Schwangerschaft Herpes-Antikörper über die Plazenta auf das Kind über. Das Baby ist also noch vor der Geburt mit einem Werkzeug zur Bekämpfung des Virus ausgestattet. Dieser sogenannte Nestschutz bietet aber keine hundertprozentige Sicherheit.

Steckt sich die Mutter zum Beispiel erst kurz vor dem errechneten Geburtstermin mit dem Virus an, hat ihr Körper nicht genügend Zeit, ausreichend Antikörper zu entwickeln und diese an das Baby weiterzugeben.

Mögliche Krankheitsverläufe

Bei einer Ansteckung von Neugeborenen mit Herpes könnte die Erkrankung einen anderen viel schwerwiegenderen Verlauf als bei dem allgemein bekannten Lippenherpes nehmen. Das Virus kann sich bei so jungen Babys ungehindert ausbreiten und sowohl die Organe als auch das Blut, die Augenpartie oder das zentrale Nervensystem befallen und stark beschädigen.

Durch den Befall des Nervensystems könnte es zu einer Gehirnentzündung kommen, die sich ungefähr eine Woche nach der Infektion durch die folgenden Symptome bemerkbar macht:

• Teilnahmslosigkeit • fahle Hautfarbe • Trinkschwäche • Krampfanfälle • Fieber • eventuell Herpesbläschen

Erkrankte Säuglinge müssen so schnell wie möglich behandelt werden.

Behandlung von Herpes bei Babys

Besonders bei Säuglingen ist ein schnelles Handeln erforderlich, sobald die ersten Symptome beobachtet werden.

Bemerken Sie bei Ihrem Baby Anzeichen von Herpes, sollten Sie einen/eine Arzt:Ärztin aufsuchen – egal wie alt Ihr Kind ist.

Wie Sie Ihr Baby vor Herpes schützen können

Leiden Sie zeitweise an Lippenherpes, müssen Sie sich während Ihrer Schwangerschaft und der Geburt keine Sorgen machen. Für Ihr Baby besteht während dieser Zeit keine Gefahr einer Ansteckung.

Doch sobald Ihr Neugeborenes auf der Welt ist, sollten Sie sehr vorsichtig sein, wenn bei Ihnen oder auch bei Besuchern die lästigen Bläschen auftauchen:

  • Küssen verboten! So schwer es Ihnen wahrscheinlich fallen mag: Küssen Sie Ihr Baby bitte nicht.

  • Bitte nichts teilen. Alles, was mit den Bläschen in Kontakt kommt, sollte nicht mit anderen geteilt werden. Das betrifft Essgeschirr genauso wie Waschlappen oder Handtücher.

  • Achten Sie auf Hygiene! Das heißt, Sie sollten Ihre Hände häufiger und sorgfältiger als sonst waschen. Am besten desinfizieren Sie diese auch regelmäßig. Dasselbe gilt selbstverständlich für Besucher, sofern diese gerade unter Herpes leiden.

  • Stillen: Ja oder nein? Sie können Ihr Baby auch mit Lippenherpes stillen. Achten Sie aber streng darauf, dass Ihr kleiner Liebling nicht in Kontakt mit den betroffenen Hautstellen kommt. Sollten allerdings Ihre Brustwarzen betroffen sein, sollten Sie leider für eine gewisse Zeit auf das Stillen verzichten. Sprechen Sie am besten dazu mit Ihrer Hebamme oder /A(e)rzt/in

  • Achten Sie auf Anzeichen. Achten Sie während Ihrer Schwangerschaft auf mögliche Anzeichen von Herpes – besonders im Intimbereich. Sollten Sie den Verdacht hegen, sich mit dem Virus angesteckt zu haben, informieren Sie umgehend Ihre/n Gynäkologen/in.

Fakten im Überblick

  • Besonders bei Neugeborenen lässt sich Herpes nicht immer an den typischen Herpesbläschen erkennen. Infiziert sich ein junges Baby mit dem Virus, könnte es zu grippeähnlichen Symptomen bis hin zu Krampfanfällen kommen. Schnelles Handeln ist dann erforderlich. Ältere Kinder leiden unter Herpesbläschen oder in schlimmeren Fällen auch einer hartnäckigen Entzündung im Mundinnenraum.

  • Solange das Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist, bleibt Herpes für Säuglinge gefährlich. Man sollte kein Risiko eingehen und immer eine/n Kindera(e)rzt/in zurate ziehen.

  • Solange die Herpesbläschen beim Erwachsenen sichtbar sind, sollten besondere Hygienemaßnahmen ergriffen werden, um das Baby vor einer Ansteckung zu schützen. Sind die Bläschen vollständig abgeheilt, ist die Ansteckungsgefahr sehr gering.

Herpes ist besonders für die ganz Kleinen eine heimtückische Erkrankung, die man als Eltern sehr ernst nehmen muss. Bei Unsicherheiten sollten Sie also lieber einmal zu viel als einmal zu wenig Ihre/n Kindera(e)rzt/in konsultieren.

Zur Entstehung dieses Artikels:
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