Karies in den Milchzähnen

Karies in den Milchzähnen

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03.07.20
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Was für ein Ereignis: Endlich ist der erste Milchzahn da! Sicherlich machen Sie sich Gedanken darüber, wie Sie die Zähne Ihres Babys gesund erhalten können, damit es nicht schon im 1. Jahr zu Karies oder gar einem Loch im Zahn kommt.

Worum geht es in diesem Artikel?

Die Milchzähne und ihre Entwicklung Die Ursachen von Karies So beugen Sie Karies bei Ihrem Baby vor Wie Sie Karies an den Milchzähnen erkennen Die Behandlung von Karies

Die Milchzähne und ihre Entwicklung

Bereits im Bauch der Mutter werden die Zähne im Kiefer des ungeborenen Kindes angelegt. Schon in der 10. Schwangerschaftswoche bilden sich z.B. die Zahnknospen im Mund. Der erste durchgebrochene Zahn zeigt sich bei den meisten Babys dann um den 6. Monat herum. Im Alter von 2,5 bis 3 Jahren sind in der Regel alle Milchzähne vollständig durchgebrochen.

Kleinkinder haben insgesamt 20 Milchzähne. Im Gegensatz dazu weist das bleibende Gebiss eines Erwachsenen 28 Zähne bzw. 32 Zähne (mit den Weisheitszähnen) auf. Die Milchzähne sind nicht nur zum Kauen wichtig. Sie dienen auch als Platzhalter für die später bleibenden Zähne.

Die Milchzähne bleiben den Kindern bis zu ihrem sechsten/siebten Lebensjahr erhalten. Dann beginnen die Schneidezähne auszufallen. Die Milchbackenzähne brechen zu dieser Zeit oftmals ganz unbemerkt durch, da dafür nicht extra ein Zahn weichen muss. Auch wenn sie weit weniger haltbar sind als die Zähne von Erwachsenen, müssen sie dennoch gepflegt werden, denn auch Milchzähne können bereits von Karies befallen werden.

Die Ursachen von Karies

Milchzähne sind viel anfälliger für Karies, da der Zahnschmelz, der den Zahn schützt, nur maximal einen Millimeter dick ist. Die bleibenden Zähne sind von einer zwei Millimeter dicken Schicht umgeben und daher etwas robuster.

Karies bei Kleinkindern oder auch schon bei Babys entsteht, wenn sich der Zahn mit einem pelzigen Belag überzieht. Dieser Zahnbelag setzt sich aus Bakterien, Speichel und Nahrungsresten, wie zum Beispiel Mutter- oder Pulvermilch, zusammen. Wenn die Bakterien dann den in Essensresten oder Getränken enthaltenen Zucker zersetzen, entsteht eine Säure. Diese wiederum greift die dünne Zahnschmelzschicht an.

Würde man die Zähne nicht putzen, hätten die Bakterien ein leichtes Spiel und würden nach und nach den Zahn zerstören. Im schlimmsten Fall hieße das: ein Loch im Milchzahn! Mundhygiene sollte daher ein fester Bestandteil des Tages sein, um die Bildung von Karies am Milchzahn zu verhindern.

Bei Kleinkindern sind meist die oberen Schneidezähne von Karies betroffen, da diese am häufigsten mit Getränken aus dem Fläschchen in Kontakt kommen. Das kann zur sogenannten „Fläschchenkaries“ führen. Während des Schlafens verringert sich der Speichelfluss, sodass Zuckerrückstände leichter in Kontakt mit den Zähnen bleiben und dort Schaden anrichten können.

Das Einschlafen mit einer Nuckelflasche sollte daher unbedingt vermieden werden, da die Flüssigkeit über Nacht an den Milchzähnen haften bleibt und damit Karies verursachen kann. Geben Sie auch keine Snacks oder gar Süßigkeiten direkt vor dem Schlafengehen.

So beugen Sie Karies bei Ihrem Baby vor

Mundhygiene ist also das A und O der Kariesprophylaxe.

Ausrüstung

Gewöhnen Sie Ihr Baby früh an die tägliche Routine des Zähneputzens. Hierfür können Sie z.B. mit einem feuchten Waschlappen, einem Fingerling oder einer besonders weichen Zahnbürste den Kiefer Ihres Lieblings massieren.

Nachdem der erste Milchzahn durchgebrochen ist, geht das Putzen so richtig los. Verwenden Sie dafür eine weiche Zahnbürste mit kurzen Borsten. Achtung: Es besteht die Möglichkeit einer Übertragung der Kariesbakterien über den Speichel. Teilen Sie daher Ihre Zahnbürste nicht mit Ihrem Baby und verwenden sie getrenntes Besteck.

Seien Sie mit der Zahnpasta gerade am Anfang sehr sparsam und verwenden Sie nur eine kleine Menge. Je nach Alter des Kindes und verwendeter Zahnpasta reicht eine Zahnpasta-Menge, die der Grösse eines Reiskorns bzw. einer Erbse entspricht.

Putz-Methode

Sobald die meisten Zähne da sind, können Kinder auch schon an die richtige Putzmethode herangeführt werden. Beim Putzen empfehlen die meisten Zahnärzte zur Vorbeugung von Karies die KAI-Methode. Damit sollen die Zähne von allen Seiten erreicht werden:

  • K = Kauflächen. Die Kauflächen der Zähne werden mit Hin- und Herbewegungen zuerst geputzt.
  • A = Außenflächen. Die Außenflächen werden im Anschluss daran mit kreisenden Bewegungen gereinigt. Dabei sollten die Zähne des Ober- und Unterkiefers aufeinander liegen und der Mund locker geöffnet sein
  • I = Innenflächen. Zum Schluss putzt man die Innenflächen von Rot nach Weiß (vom Zahnfleisch zu den Zähnen).

Überlassen Sie hier als Eltern aber nichts dem Zufall und putzen Sie lieber noch einmal nach. Die beste Zeit zum Zähneputzen ist übrigens nach dem Essen. Das heißt, mindestens einmal nach dem Frühstück und einmal nach dem Abendbrot. Bei Bedarf auch zwischendurch, z.B. nach dem Verzehr von Süßigkeiten.

Ernährung

Eine oft unterschätze Säule der Mundhygiene ist die richtige Ernährung. Versuchen Sie, zucker- und säurehaltige Lebensmittel und Getränke, so weit wie möglich, zu vermeiden bzw. beschränken Sie den Konsum. Das hilft nicht nur den Milchzähnen Ihres Kindes, sondern beugt z.B. Übergewicht vor und ermöglicht ihrem Kind ein gesundes Wachstum. Animieren Sie Ihr Kind dazu, viel Wasser zu trinken. Dadurch werden Essensreste und zahnschädigende Säuren aus dem Mund gespült und der Körper mit ausreichend Flüssigkeit versorgt. Eine gesunde und ausgewogene Mischkost mit ausreichend Ballaststoffen (z.B. Vollkornprodukte, Gemüse) und kalziumhaltigen Lebensmitteln (z.B. Milchprodukte) kann der Entstehung von Karies bei Kindern erfolgreich vorbeugen. Kleine, bissfeste Zwischenmahlzeiten, wie z.B. Karotten oder leicht gedämpfter Brokkoli können zur Gesunderhaltung der Zähne beitragen.

Fluorid

Kinderzahnärzte raten dazu, mit dem Durchbruch des ersten Zähnchens fluoridhaltige Zahnpasta zu verwenden, da Fluorid erwiesenermaßen das Risiko für Karies senkt. Fluorid kann auch in Tablettenform (meist in Kombination mit Vitamin D) verabreicht werden. Dann allerdings sollte eine Zahnpasta ohne Fluorid benutzt werden, da es ansonsten zur Bildung einer sog. Fluorose kommen kann. Bitte sprechen Sie die geeignete Darreichungsform mit Ihrem Kinderarzt ab und gehen Sie frühzeitig zum Kinderzahnarzt.

Wie Sie Karies an den Milchzähnen erkennen

Nicht immer gelingt es den Eltern, die Milchzähne vor Kariesbefall zu schützen. Aber wie können Sie Karies überhaupt erkennen? Achten Sie auf folgende Symptome:

  • Im Anfangsstadium lassen sich kreidig-weiße Bereiche auf der Oberfläche der Zähne, meist entlang des Zahnfleischrands, erkennen.
  • Schreitet der Befall fort, verfärben sich diese Flecken bräunlich.
  • Wenn der Befund weiter voranschreitet, kann Ihr Kind über Schmerzen klagen.
  • Ihr Kind reagiert auf Heißes, Kaltes oder Süßes sehr empfindlich. Das könnte ebenfalls ein Hinweis auf Karies sein.

Eine frühe Behandlung kann die weitere Verbreitung von Karies an den Milchzähnen stoppen. Suchen Sie also so schnell wie möglich einen Zahnarzt oder einen speziellen Kinderzahnarzt auf. Dieser kann natürlich genauer hinsehen. Er untersucht kariöse Milchzähne mithilfe einer starken Lichtquelle, einem Spiegel oder einer Sonde. Manchmal muss zur endgültigen Klärung ein Röntgenbild erstellt werden.

Die Behandlung von Karies

Sollten die Milchzähne tatsächlich von Karies befallen sein, führt kein Weg an einer Behandlung vorbei. Denn unbehandelt kann Karies kann zu chronischen Schmerzen, Infektionen und anderen Erkrankungen führen.

Raus mit dem Zahn?

Ob man einen Milchzahn wegen Karies ziehen muss, hängt unter anderem vom Ausmaß und der Tiefe der Karies ab. In den allermeisten Fällen wird man versuchen, den Zahn zu erhalten. Die moderne Zahnmedizin macht es durch neuartige Instrumente und Füllmaterialien möglich. Dabei wird zum Beispiel nur die befallene Schicht behandelt und mit einer speziellen Kunststoffmasse versiegelt.

Karies alternativ behandeln

Gerade bei beginnender Karies kann man ein Loch im Milchzahn verhindern, indem man noch genauer und regelmäßig die Milchzähne mit fluoridhaltiger Zahncreme putzt und den Verzehr von zucker- und säurehaltigen Lebensmitteln und Getränken einschränkt. Bei Kleinkindern mit einem sehr hohen Kariesrisiko kann das Auftragen von Fluoridlack durch den Zahnarzt in einigen Fällen das Voranschreiten der Karies verhindern

Auch Xylit wurde eine kariesreduzierende Wirkung nachgewiesen. Um einen positiven Effekt zu erzielen, muss man jedoch konsequent sein und dem Kind mehrmals am Tag xylithaltige Produkte anbieten. Genauere Infos erhalten Sie im Bedarfsfall bei Ihrem Kinderzahnarzt.

Kontrolluntersuchungen

Um die Zähne zu schützen und der Entstehung von Karies vorzubeugen, sind Kontrolluntersuchungen wichtig. Hier kann Karies im Anfangsstadium erkannt und sofort behandelt werden. Um die Zähne Ihres Kindes also dauerhaft gesund zu erhalten, sollten Sie – sobald Ihr Baby 1 Jahr alt ist – zweimal im Jahr bei Ihrem Zahnarzt einen Termin vereinbaren.

Viele Bundesländer haben für Babys und Kleinkinder einen zahnärztlichen Kinderpass herausgegeben. Wie im gelben Untersuchungsheft, können hier regelmäßig die Behandlungen eingetragen und dokumentiert werden. Nehmen Sie dieses Angebot wahr!

Auch bei guten Milchzähnen gilt weiterhin: putzen, putzen, putzen! Vergessen Sie im Kampf gegen Karies aber nicht, dass Zähneputzen auch Spaß machen soll.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.

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