Durchfall in der Schwangerschaft

Durchfall in der Schwangerschaft

2 Ansichten
09.04.19
4 Lesedauer

Egal, in welcher Woche Ihrer Schwangerschaft Sie sich aktuell befinden: Jegliche Veränderung Ihres Körpers wirft neue Fragen auf. Stellen Sie plötzlich fest, dass Sie Durchfall haben, kann das beunruhigend sein. Wir möchten Ihnen hier Ihre Sorgen nehmen, Fragen beantworten und zeigen, wann man überhaupt von Durchfall spricht und wie Sie damit umgehen können.

Ist es wirklich Durchfall?

Stuhlgang ist bei jedem Menschen anders: Manch einer besucht das stille Örtchen problemlos täglich, ein anderer hat hingegen mit Verstopfung zu kämpfen. Beides ist durchaus normal.

Von Durchfall oder Diarrhö spricht man erst, wenn

  • ein besonders häufiger Stuhlgang auftritt (öfters als drei Mal am Tag),
  • sich die Beschaffenheit des Stuhls verändert und breiiger oder dünnflüssiger wird (man spricht hier von mindestens 75 Prozent Wasseranteil),
  • die Menge des Stuhls mehr wird (über 250 Gramm am Tag).

Auch unterscheidet man zwischen akutem (Dauer: bis zu zwei Wochen), anhaltendem (Dauer: zwei bis vier Wochen) und chronischem Durchfall, der sogar bis zu vier Wochen andauern kann.

Was löst Durchfall in der Schwangerschaft aus?

Obwohl Durchfall in der Schwangerschaft auftreten kann, gehört er nicht zu den klassischen Schwangerschaftsbeschwerden. Durchfall wird in der Regel nämlich nicht durch hormonelle Veränderungen ausgelöst, wie das zum Beispiel bei Sodbrennen der Fall ist.

Im ersten Trimester

Gerade im ersten Trimester, wenn Sie noch am Anfang Ihrer Schwangerschaft stehen, stellen Sie vielleicht fest, dass Sie plötzlich Durchfall bekommen. Das kann zumeist auf die Umstellung Ihrer Ernährung zurückgeführt werden. Schließlich essen viele Frauen bewusster und gesünder, sobald Sie wissen, dass Sie schwanger sind. An die vermehrte Zufuhr von zum Beispiel ballaststoffreicher Nahrung, Obst und Gemüse muss sich das Verdauungssystem erst langsam anpassen. Bis diese Eingewöhnungsphase vorüber ist, kann Ihr Darm deshalb mit leichtem Durchfall reagieren.

Im zweiten Trimester

Wenn Sie im 2. Trimester (aber auch zu allen anderen Zeitpunkten) plötzlich von Durchfall geplagt werden, ist das meistens nicht mit Ihrer Schwangerschaft in Verbindung zu bringen. Zu den Gründen für Durchfall zählen dann möglicherweise bakterielle und virale Infektionen, Unverträglichkeiten oder Allergien, das Reizdarmsyndrom, Lebensmittelvergiftungen oder eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit).

Im dritten Trimester

Erst wesentlich später – etwa im 3. Trimester – kann Durchfall mit Ihrer Schwangerschaft in Verbindung gebracht werden. Das geschieht oft ab ungefähr der 31. SSW, nämlich dann, wenn Ihre Gebärmutter und das Baby so viel Platz in Ihrem Bauch einnehmen und dabei einen solchen Druck auf Ihren Darm ausüben, dass es zu Durchfall kommen kann. Oft treten zusätzlich zum Durchfall zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft auch andere Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen und Sodbrennen auf. Um die 35. SSW kann es sein, dass die Durchfälle wieder nachlassen, da sich Ihr Baby nun in eine tiefere Position in Ihrem Bauch begeben hat und Magen und Darm somit wieder mehr Raum haben.

Wenn Sie gegen Ende der Schwangerschaft, ungefähr ab der 38. SSW, plötzlich starken Durchfall haben, kann dies eine ganz andere Ursache haben. Oft tritt Durchfall nämlich kurz vor dem Einsetzen der Wehen auf und kann als Anzeichen für die bevorstehende Geburt gedeutet werden.

Einnahme von Magnesium

Aber auch die zusätzliche Einnahme von Magnesium kann in der Schwangerschaft zu Durchfall führen. Da der Magnesiumbedarf nun erhöht ist, versuchen viele Schwangere den Mehrbedarf durch Magnesiumpräparate zu decken. Bei einer besonders hohen Magnesiumkonzentration kann es jedoch vorkommen, dass mehr Wasser in den Darm gezogen wird, was wiederum zu Durchfall führen kann. Falls Sie das Gefühl haben, dass der Durchfall durch die Einnahme von Magnesium ausgelöst wird, sollten Sie das am besten mit Ihrem Arzt besprechen.

Wie Sie Durchfall in der Schwangerschaft vorbeugen können

Da Durchfall in der Schwangerschaft besonders häufig durch den Darm reizende Ernährung ausgelöst wird, empfiehlt es sich, bestimmte Lebensmittel zu vermeiden. Andere sind hingegen empfehlenswert.

Das sollten Sie besser meiden:

  • blähendes Gemüse wie zum Beispiel alle Kohlsorten, Hülsenfrüchte und Zwiebeln
  • Kaffee, Fruchtsäfte und Milch, die den Magen- und Darmtrakt reizen

Das tut Ihnen jetzt gut:

  • Nehmen Sie kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich!
  • Fenchel- und Kamillentee beruhigen Magen und Darm.
  • Trinken Sie viel, um Flüssigkeitsverlust vorzubeugen!

Schwanger und Durchfall: Was sind die Risiken?

Zwar verlaufen die meisten Durchfallerkrankungen in der Schwangerschaft ohne weitere Probleme, dennoch kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen.

In erster Linie folgen für Schwangere auf den Durchfall oft weitere Beschwerden. Flüssigkeitsverlust und Kreislaufbeschwerden, Abgeschlagenheit und Schwäche können Folgeerscheinungen einer Durchfallerkrankung sein. Besonders starker Verlust von Flüssigkeit kann unter Umständen zu Kaliummangel führen. Dies wiederum könnte eine Muskelschwäche nach sich ziehen und wäre damit ein Risiko für Sie und Ihr Kind. Viel Ruhe und reichlich Flüssigkeit sind bei Durchfall in der Schwangerschaft also das A und O.

Für Ihr Baby kann Durchfall gefährlich werden, wenn dieser durch eine Lebensmittelinfektion mit Listerien (Bakterien, die oft in rohen Lebensmitteln zu finden sind) und Salmonellen oder auch durch eine Schmierinfektion der Vagina ausgelöst worden ist. Eine Listeriose in der Schwangerschaft, bei der starker und wässriger Durchfall auftritt, kann im allerschlimmsten Fall sogar zu einer Frühgeburt führen.

Allgemein gilt: Extremer Durchfall, Magenkrämpfe und Magenschmerzen sind besonders während der Schwangerschaft sorgfältig zu beobachten und sollten nicht ignoriert werden. Suchen Sie also besser schnellstmöglich einen Arzt auf, um jegliches Risiko zu vermeiden!

Hilfe bei Durchfall in der Schwangerschaft

Vorsicht mit Medikamenten

Durchfall ist ein lästiges Thema. Der Griff zu frei verkäuflichen Medikamenten liegt dann oft nahe, ist jedoch während der Schwangerschaft nicht unbedingt empfehlenswert. Allein ein Arzt kann einschätzen, ob und welche Medikamente bei Ihren Symptomen und in Ihrer Situation sinnvoll sind. Bitte suchen Sie also immer erst Ihren Arzt auf, wenn Sie über die Einnahme von Arzneimitteln nachdenken!

Natürliche Heilmittel

Es gibt jedoch einige pflanzliche Heilmittel, die bei akutem Durchfall schädliche Stoffe im Darm binden und dadurch Linderung versprechen. Zu diesen zählen Kohletabletten (Einnahme 2-4 Tabletten, 3-4 Mal täglich), indische Flohsamen (1-3 Teelöffel täglich mit sehr viel Flüssigkeit einnehmen), Apfelpektin (Ideal: Einnahme als geriebener Apfel) und Heilerde (als Tabletten mit viel Flüssigkeit oder eingerührt in ein Glas Wasser). Alle Mittel sind in der Apotheke beziehungsweise im Drogeriemarkt erhältlich. Sollten Sie unsicher bezüglich der Einnahme sein, holen Sie sich Rat bei Ihrer Hebamme oder Ihrem Gynäkologen!

Tipps, wie Sie mit Durchfall in der Schwangerschaft umgehen können

  • Egal, wodurch der Durchfall ausgelöst worden ist: Gönnen Sie sich ausreichend Ruhe, denn das braucht Ihr Körper jetzt. Nervosität und Stress können ebenfalls zu Durchfall führen und sollten bestenfalls ganz vermieden werden. Planen Sie also Ruhepausen ein und entspannen Sie sich bei einem guten Buch und einer schönen Tasse Kamillentee. Vielleicht planen Sie dabei ja schon Ihre Babyparty oder machen unser unterhaltsames Quiz “wilde Hummel oder cooler Typ”, bei dem Sie Ihr Baby jetzt schon besser kennenlernen.
  • Trinken Sie nicht nur viel, sondern sehr viel! Ihr Körper verliert mehr Flüssigkeit als sonst. Und die brauchen Sie und Ihr Baby dringend wieder zurück.
  • Essen Sie Schonkost! Auch Ihr Darm muss sich nun entspannen. Nehmen Sie also lieber leicht Verdauliches zu sich. Gedämpfte Karotten, zerdrückte Bananen und geriebener Apfel tun ebenso gut wie Zwieback und Nudelsuppe.
  • Hände waschen nicht vergessen! Falls Sie sich mit einer Infektion angesteckt haben, sollten Sie daran denken, sich nach jedem Toilettenbesuch gründlich die Hände zu waschen. Somit wird vermieden, die Viren oder Bakterien weiter zu verteilen. Sie schützen damit nicht nur sich, sondern auch Ihre Lieben.

Durchfall in der Schwangerschaft wird nicht durch Hormone ausgelöst und gehört deshalb nicht zu den klassischen Schwangerschaftsbeschwerden. Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb Durchfall jetzt auftreten kann. Greifen Sie daher nicht in Eigenregie zu Medikamenten, sondern konsultieren Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme, denn die wissen, was Ihnen nun am besten helfen kann.

Flexible banner
Alle Quellen sehen

Das könnte Sie auch interessieren: