Paracetamol in der Schwangerschaft

Paracetamol in der Schwangerschaft

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28.03.19
3 Lesedauer

Über die Hälfte aller Frauen greifen im Laufe Ihrer Schwangerschaft aus verschiedensten Gründen zu Schmerzmitteln. Seien es nun Zahnschmerzen, Rückenschmerzen oder extreme Kopfschmerzen in der Schwangerschaft: Die Einnahme des Schmerzmittels Paracetamol ist hier häufig die erste Wahl und gilt auch in der Schwangerschaft als sicher. Ganz und gar unbedenklich ist dies jedoch nicht, wie aktuelle Studien zeigen. Der folgende Artikel verrät Ihnen mehr über die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft und Schmerzbekämpfung im Allgemeinen:

Worum geht es in diesem Artikel?

Schmerzmittel in der Schwangerschaft Wirkungsbereich von Paracetamol Mögliche Risikofaktoren von Paracetamol in der Schwangerschaft Alternative Möglichkeiten zur Schmerzbekämpfung

Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Leider sind Sie auch während der Schwangerschaft nicht vor dem ein oder anderen Wehwehchen oder gar einer heftigeren Krankheit gefeit, die mit starken Schmerzen einhergehen kann.

Die Einnahme von Schmerzmitteln während der Schwangerschaft birgt allerdings Risiken sowohl für die Mutter als auch für das Kind. Bestimmte Wirkstoffe können zu Entwicklungsstörungen des Kindes und Komplikationen bei der Schwangeren führen. Der sonst vielleicht eher selbstverständliche Griff zum Schmerzmittel sollte während der Schwangerschaft also grundsätzlich eher vermieden werden.

Sollten Sie bereits vor Ihrer Schwangerschaft unter chronischen Schmerzen gelitten haben, die eine Medikamenteneinnahme unabdingbar gemacht hat, wenden Sie sich bitte sofort an Ihren behandelnden Arzt, sobald Sie herausgefunden haben, dass Sie schwanger sind. Er wird mit Ihnen die Anpassung der Therapie an Ihre neuen Umstände besprechen.

Paracetamol gilt als Kassenschlager in Deutschlands Apotheken, da es gegen Beschwerden aller Art eingesetzt werden kann. Bevor Sie aber über die Einnahme von Schmerzmitteln wie Paracetamol nachdenken, sollten Sie erst einmal in sich gehen und für sich herausfinden, ob das auch wirklich nötig ist.

Sollten Sie allerdings unter starken, den Alltag sehr einschränkenden Schmerzen leiden, macht es selbstverständlich keinen Sinn, sich unnötig zu quälen. Konsultieren Sie dann so schnell wie möglich Ihren Arzt und lassen Sie sich von ihm beraten. Wichtig ist, dass Sie in Ihrer Schwangerschaft nicht eigenständig zu Medikamenten greifen.

Wirkungsbereich von Paracetamol

Paracetamol ist als Medikament für leichte bis mittelschwere Schmerzen zugelassen. Wie viel Paracetamol ist aber in der Schwangerschaft überhaupt erlaubt? Hier empfiehlt Embryotox - das Pharmakovigilanzzentrum Embryonaltoxikologie der Charité Berlin - eine Einnahme innerhalb der üblichen Dosis; das entspricht einer Einzeldosis von 2 Tabletten (Paracetamol 500) oder einer maximalen Tagesdosis (24 Stunden) von bis zu 8 Tabletten. Auf der Homepage von Embryotox können Sie sich übrigens zur Verträglichkeit von vielen Arzneimitteln in der Schwangerschaft und Stillzeit informieren.

Für die Bekämpfung bei starken oder sehr starken Schmerzen ist Paracetamol als Arzneimittel weder zugelassen noch wirklich geeignet. Sollten Sie in der Schwangerschaft unter einer der folgenden Beschwerden leiden, käme die Einnahme laut einer Studie aus den Jahren 2015 und 2016 nicht infrage:

  • Rücken- und Muskelschmerzen. Bei einer Behandlung mit Paracetamol in einer Dosierung bis zu 4.000 Milligramm am Tag (d. h. 8 Tabletten Paracetamol 500) gilt die Wirkung als ineffektiv.
  • Gelenkschmerzen. Sie sind in der Schwangerschaft keine Seltenheit. Aber auch hier gilt Paracetamol in der üblichen Dosis (bis zu 8 Tabletten) als praktisch unwirksam.
  • Chronische Schmerzen. Wer darunter leidet, ist natürlich auch in der Zeit der Schwangerschaft davon betroffen. Es scheint egal zu sein, wie viel Tabletten (innerhalb der empfohlenen Tagesdosis) Sie nehmen: Paracetamol wird wahrscheinlich keine bedeutende Wirkung zeigen.

Die positive, d. h. eine absolut heilende Wirkung, von Paracetamol ist demnach bei diesen Schmerzformen nicht garantiert. Generell sollten Sie gerade in der Schwangerschaft immer hinterfragen, ob das Nutzen-Risiko-Verhältnis ausgeglichen ist: also ob die tatsächliche therapeutische Wirkung im Verhältnis zum Risiko einer Einnahme dieses Medikamentes steht.

Mögliche Risikofaktoren von Paracetamol in der Schwangerschaft

Neuste Studien raten derzeit eher von einer Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft ab. Dennoch sollten Sie sich nicht verrückt machen, wenn Sie bereits während Ihrer Schwangerschaft Paracetamol eingenommen haben. Die Studien weisen nämlich auch Schwächen auf. So wurden zum Beispiel keine zuverlässigen Angaben über die Dauer und die Dosis (also ob 500 oder 4.000 Milligramm pro Tag) der Einnahme von Paracetamol in der Testgruppe gemacht.

Folgende Risikofaktoren bei einem längerfristigen Einsatz (mindestens 4 Wochen) von Paracetamol während der Schwangerschaft werden also nicht offiziell von allen Seiten anerkannt:

  • Entwicklungsstörungen
  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  • Hyperaktivitätssyndrom (HAS)
  • Hodenhochstand
  • Asthma

Es sei aber noch einmal erwähnt, dass Paracetamol offiziell als Schmerzmittel in allen drei Trimestern der Schwangerschaft zugelassen ist. Daher werden Ärzte wahrscheinlich auch weiterhin Paracetamol, zum Beispiel bei hohem Fieber, als Mittel der Wahl empfehlen. Gehen Sie einfach immer kritisch mit der Einnahme von Schmerzmitteln um. Wie viel ist wirklich nötig? Können Sie vielleicht die Beschwerden anders lindern?

Alternative Möglichkeiten zur Schmerzbekämpfung

Es muss nicht immer Paracetamol sein! Viele Schmerzen lassen sich auch schon durch alternative Behandlungen lindern:

  • Massage. Besonders im letzten Drittel Ihrer Schwangerschaft können Rückenschmerzen ein ständiger Begleiter sein. Hervorgerufen werden Sie u. a. durch das zunehmende Gewicht Ihres Bauches. Versuchen Sie es hier einmal mit einer Massage. Einige Massagesalons bieten spezielle Schwangerschaftsmassagen an. Bei akuten Schmerzen wird Ihnen Ihr Arzt eventuell auch Physio-, Osteopathie oder Chiropraktik nahelegen.
  • Akupunktur. Diese traditionelle chinesische Heilmethode wird gegen zahlreiche Beschwerden eingesetzt: Kopfschmerzen, Migräne, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Verdauungsproblemen, Entzündungen u. v. m. Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt, ob Akupunktur für Sie infrage käme.
  • Magnesium. Bei Muskelkrämpfen, Kopfschmerzen oder Verdauungsbeschwerden könnte Ihnen Magnesium helfen. Auch als Migräneprophylaxe kann es eine gute Alternative zu Paracetamol sein. Befragen Sie Ihren Gynäkologen, wie viel Magnesium täglich für Sie in diesem Fall sinnvoll ist.
  • Nelkenöl. Es wirkt schmerzlindernd, örtlich betäubend und antientzündlich. Weiterhin reduziert Nelkenöl das Wachstum von Bakterien, Pilzen und Viren. Oft wird es daher als Alternative bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum eingesetzt.
  • Entspannung. Gerade bei andauernden Beschwerden können Entspannungsmethoden wie Meditation helfen, die Aufmerksamkeit vom Schmerz auf etwas Positives zu lenken. Sinnvoll sind natürlich auch Entspannungsübungen bei den Geburtswehen.
  • Bewegung. Ein weiteres Hilfsmittel – gerade bei chronischen Schmerzen - kann sanfte Bewegung sein. Empfohlen wird Radfahren, Schwimmen, Aqua-Gymnastik oder Yoga. Manche Krankenkassen beteiligen sich hier sogar an den Kosten für bestimmte Kurse. Bitte konsultieren Sie Ihren Arzt und fragen Sie nach, welche Sportart Sie im Speziellen ausüben sollten, um den Schmerz zu lindern. Sport während der Schwangerschaft ist bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf generell erlaubt.

Neben den erwähnten alternativen Heilmethoden gibt es noch unzählige andere, mit denen es Ihnen gelingen könnte, auf Paracetamol zu verzichten und Ihre Schwangerschaft möglichst schmerzfrei zu genießen. Ziehen Sie Ihre Hebamme und Ihren Arzt zurate, wie Sie schlussendlich am besten mit Schmerzen umgehen können.

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