Fontanelle bei Babys

Babys erblicken mit dem Kopf voran die Welt. Wenn Mama und Papa das Köpfchen zum ersten Mal streicheln, fühlt es sich einzigartig weich an. Grund dafür sind die Fontanellen beim Baby. Was das ist, erfährst du hier!

Was ist eine Fontanelle?

Im Gegensatz zu Erwachsenen ist die Schädeldecke von Babys noch sehr flexibel. Dies liegt daran, dass der Schädel eines Babys aus mehreren Schädelplatten besteht. Sie sind zunächst durch bindegewebige Schädelnähte miteinander verbunden. Diese weichen Spalten zwischen den Schädelknochen heißen Fontanellen.

Gut zu wissen: Es gibt nicht nur eine, sondern mehrere Fontanellen bei Babys.

Wo befinden sich die Fontanellen?

Dein kleiner Schatz hat insgesamt sechs Nähte am Schädelknochen: zwei größere im Scheitelbereich vorne und hinten sowie jeweils zwei kleinere an jeder Schädelseite.

Die Hauptfontanellen sind:

  • Große Fontanelle: Vorne befindet sich mittig zwischen dem Stirnbein und dem Scheitelbein die größte Fontanelle eines Babys. Sie hat die Form einer Raute und misst bei der Geburt einige Zentimeter.

  • Kleine Fontanelle: Diese Lücke befindet sich am Hinterkopf und ist eher dreieckig. Sie ist nicht größer als eine Fingerspitze.

Diese zwei Hauptfontanellen sind spürbar, wenn du ganz sanft über den Kopf deines kleinen Lieblings streichelst.

Dann gibt es noch Seitenfontanellen:

  • An beiden Vorderseiten des Schädels befindet sich jeweils eine Fontanelle.

  • Zusätzlich gibt es eine Fontanelle am Hinterkopf.

Die Funktion der Fontanelle bei Babys

Zwischen den großen Schädelplatten befinden sich zwei Nahtstellen. Das sind Pfeilnaht und die Stirnnaht. Ihre Flexibilität ist ganz wichtig: Erst durch die Fontanellen beim Baby passt der Kopf durch den engen Geburtskanal.

Da das Gehirn deines kleinen Lieblings in den ersten Lebensjahren schnell wächst, muss auch sein Kopf entsprechend mitwachsen. Daher ist es wichtig, dass die Schädelplatten so flexibel wie möglich sind. Angenommen, die Fontanellen wären schon bei der Geburt zusammengewachsen, wäre diese schnelle Entwicklung nicht möglich.

Wann schließt sich die Fontanelle?

Viele Eltern überkommt womöglich ein recht mulmiges Gefühl bei dem Gedanken daran, dass die Schädeldecke ihres kleinen Schatzes noch nicht ganz verknöchert ist. Schließlich ist das Köpfchen dadurch sehr empfindlich. Oft ist die große Fontanelle sogar von außen sichtbar.

Das bleibt nicht die ganze Kindheit über so. Aber der Fontanellenschluss passiert auch nicht über Nacht. Er ist vielmehr ein längerer Prozess:

  • Kleine Fontanelle: Sie schließt sich am schnellsten. Meist ist sie bereits gegen Ende des dritten Lebensmonats zusammengewachsen.

  • Große Fontanelle: Diese wächst bei ungefähr der Hälfte aller Kinder irgendwann zwischen dem 9. und 18. Monat zu. Kurz nach dem zweiten Geburtstag ist sie dann bei fast allen Kleinkindern zusammengewachsen.

  • Vordere Seitenfontanelle: Diese sollte am Ende des ersten Lebensjahres geschlossen sein.

  • Hintere Seitenfontanelle: Mit etwa 1,5 Jahren verschließen sich die hinteren seitlichen Fontanellen beim Baby.

Nach zwei Jahren sind in der Regel alle Schädelplatten deines Kleinen komplett zusammengewachsen.

Der jeweils aktuelle Zustand der Fontanellen wird durch den Kinderarzt / die Kinderärztin bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen geprüft.

So wird unter anderem beim U4-Check-up kontrolliert, ob die Schädellücken dem Alter entsprechend groß sind. Bei einer zu früh geschlossenen oder unzureichend geöffneten Fontanelle könnte es passieren, dass sich das Gehirn des Babys nicht ausreichend entwickeln kann.

Warnsignale richtig deuten

Es ist gut und wichtig, dass der Kopf deines kleinen Engels noch nicht vollständig verknöchert ist. Wenn du bei der Pflege deines Lieblings feststellst, dass die Fontanelle pulsiert oder pocht, ist das kein Grund zur Sorge. Dies wird wahrscheinlich der Puls sein, der vor allem dann sichtbar wird, wenn sich dein Schatz aufregt und schreit.

Bei anderen Auffälligkeiten solltest du den Rat von Hebamme, Geburtshelfer:in, Kinderarzt/Kinderärztin hinzuziehen:

  • Gewölbte Fontanelle: Ist dein Liebling auf den Kopf gefallen, kann es zu einem Bluterguss im Gehirn kommen und die Fontanelle wölbt sich vor. Auch Infektionskrankheiten können dazu führen, dass die Fontanelle sich verformt. Verformungen sind ein Fall für den Arzt / die Ärztin.

  • Eingefallene Fontanelle: Dies könnte ein Anzeichen dafür sein, dass dein Baby an einem Flüssigkeitsmangel leidet, zum Beispiel wegen einer starken Durchfallerkrankung. Auch hier gilt: Informiere den Arzt / die Ärztin.

Tipps für den Alltag: Umgang mit der Fontanelle beim Baby

Wie empfindlich ist die Fontanelle? Das hängt vom Alter ab, du solltest diesen Bereich aber auf jeden Fall schützen. Das geht ganz einfach:

  • Ein Mützchen tragen. Zumindest in den ersten Wochen nach der Geburt ist es sinnvoll, wenn du deinem Liebling ein Mützchen aufsetzt. Ein Kleinkind verliert nämlich viel Wärme über den Kopf. Die weichen Fontanellen sind dabei besonders empfindlich.

  • Sanfte Kopfpflege. Sei bei der Pflege der Haare vorsichtig. Es reicht vollkommen aus, den Kopf deines Sonnenscheins mit etwas klarem Wasser und einem weichen Tuch zu reinigen. Falls dein Schatz schon eine ordentliche Haarpracht hat, kannst du sie mit einer speziellen sehr weichen Babybürste kämmen.

  • Einseitige Lage vermeiden. Manche Kinder entwickeln eine „Lieblingsseite“. Da die Schädelplatten noch sehr flexibel sind, kann sich daraus im Extremfall eine Verformung des Schädels entwickeln. Achte darauf, dass dein Schatz immer mal wieder seine Position ändert – zum Beispiel beim Stillen oder beim Spielen. Wenn du dabei bist, kannst du dein Kleines in wachem Zustand auch ab und an für gewisse Zeit auf den Bauch legen.

Sorge dich aber nicht zu sehr: Fontanellen sind zwar empfindlich, aber sie halten trotzdem einiges aus. Immerhin bedecken eine Hautschicht und starkes Bindegewebe die Schädellücke.

Fakten im Überblick

  • Der Schädel eines Babys besteht aus mehreren Schädelplatten, die miteinander verbunden sind. Die Spalten dazwischen bezeichnet man als Fontanellen. Der erste Spalt schließt sich bereits gegen Ende des dritten Lebensmonats, während der letzte erst im Alter von 1,5 Jahren zusammenwächst. Man kann also davon ausgehen, dass alle Fontanellen bis zum zweiten Geburtstag komplett geschlossen sind.

  • Man vermutet, dass ein genetischer Defekt zu einem vorzeitigen Zusammenwachsen der Fontanellen (Kraniosynostose) führen kann. Schließen sich die Schädelspalten zu früh, kann sich das Gehirn des Babys nicht ausreichend ausbreiten und entwickeln.

  • Die Fontanellen können leicht berührt werden. Druck darf man dabei allerdings auf keinen Fall ausüben, da diese Stellen extrem empfindlich sind.

  • Wenn die Fontanelle pulsiert oder pocht, ist dies kein Grund zur Beunruhigung. Das sind die Blutgefäße, die unter der Haut liegen und den Pulsschlag erkennen lassen.

  • Eine eingefallene Fontanelle könnte auf einen Flüssigkeitsmangel hinweisen, wenn dein kleiner Schatz zum Beispiel unter starkem Durchfall oder Erbrechen leidet.

Es mag auf der einen Seite merkwürdig und beängstigend sein, dass sich mitten auf dem Kopf deines kleinen Lieblings mehrere so empfindliche Stellen befinden. Auf der anderen Seite erfüllen sie aber eine so wichtige und große Aufgabe: Sie ermöglichen das Wunder der Geburt und bieten dem Gehirn der Kleinen den nötigen Platz, um sich zu entwickeln.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen findest du im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultiere für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer deinen Arzt / deine Ärztin.

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