Fontanelle bei Babys

Die Fontanellen bei Neugeborenen und Babys

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03.06.20
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Es ist wahrscheinlich der magischste Moment der Geburt: Das Köpfchen ist zu sehen! Schon bald wird das Baby, das so lange Zeit im Bauch der Mutter herangewachsen ist, geboren sein. In dieser letzten Phase der Geburt spielen die Schädelplatten des Säuglings eine besonders große Rolle. Lesen Sie hier, warum das so ist und was es genau mit den Fontanellen auf sich hat.

Worum geht es in diesem Artikel?

Was ist eine Fontanelle? Wann schließen sich die Fontanellen? Warnsignale richtig deuten Tipps für den Alltag: Der Umgang mit der Fontanelle

Was ist eine Fontanelle?

Der Schädel eines Neugeborenen ist noch nicht vollständig verknöchert und somit viel flexibler als der Schädel eines Erwachsenen. Der Schädel eines Babys besteht aus mehreren Schädelplatten, die durch bindegewebig überdeckte Spalten miteinander verbunden sind. Die Spalten zwischen den Schädelknochen bezeichnet man als Fontanellen. Es gibt also mehrere.

Wo befinden sich die Fontanellen?

Ein Baby hat insgesamt sechs Spalten am Schädelknochen: zwei größere Spalten im Scheitelbereich vorne und hinten sowie jeweils zwei kleinere an jeder Schädelseite.

Die Hauptfontanellen:

  • Große Fontanelle: Vorne befindet sich mittig zwischen dem Stirnbein und dem Scheitelbein die größte Fontanelle Ihres Babys. Sie hat die Form einer Raute und misst bei der Geburt einige Zentimeter.
  • Kleine Fontanelle: Diese Lücke befindet sich am Hinterkopf und ist eher dreieckig. Sie ist nicht größer als eine Fingerspitze.

Diese zwei Hauptfontanellen sind auch für Sie als Eltern spürbar, wenn Sie ganz sanft über den Kopf Ihres Babys streichen.Die Seitenfontanellen:

  • An beiden Vorderseiten des Schädels befindet sich jeweils eine Fontanelle.
  • Auch an den Seiten des Hinterkopfes lassen sich Seiten¬fontanellen finden.

Die Funktion der Fontanellen

Zwischen den großen Schädelplatten befinden sich zwei Nahtstellen. Zum einen die sogenannte Pfeilnaht und die Stirnnaht. Sie bestehen aus Bindegewebe und ermöglichen es, dass sich die Platten gegeneinander verschieben können. Somit wird es erst möglich, dass der Kopf des Babys durch den engen Geburtskanal passt.

Da das Gehirn des Babys in den ersten Lebensjahren schnell wächst, muss auch der Kopf des Babys entsprechend mitwachsen. Daher ist es wichtig, dass die Schädelplatten so flexibel wie möglich sind. Angenommen, die Schädelknochen bzw. die Fontanellen wären schon bei der Geburt zusammengewachsen, wäre diese schnelle Entwicklung also gar nicht möglich.

Wann schließen sich die Fontanellen?

Viele Eltern überkommt womöglich ein recht mulmiges Gefühl bei dem Gedanken daran, dass die Schädeldecke Ihres kleinen Schatzes noch nicht ganz verknöchert und damit so empfindlich ist. Streichen Sie mit dem Finger vorsichtig über den Kopf, werden Sie eine weiche Stelle bei Ihrem Baby spüren. Oft ist die große Fontanelle auch von außen sichtbar.

Das bleibt natürlich nicht die ganze Kindheit über so. Aber der Fontanellenschluss passiert auch nicht über Nacht. Er ist vielmehr ein längerer Prozess:

  • Kleine Fontanelle: Sie schließt sich am schnellsten. Meist ist sie bereits gegen Ende des dritten Lebensmonats geschlossen.
  • Große Fontanelle: Diese wächst bei ungefähr der Hälfte aller Kinder irgendwann zwischen dem 9. und 18. Monat zu. Kurz nach dem zweiten Geburtstag ist sie dann bei so ziemlich allen Kleinkindern zusammengewachsen.
  • Vordere Seiten-Fontanelle: Diese sollten am Ende des ersten Lebensjahres geschlossen sein.
  • Hintere Seiten-Fontanelle: Mit 1,5 Jahren verschließen sich die hinteren seitlichen Fontanellen.

Nach zwei Jahren sind also dann die Schädelplatten Ihres Babys komplett zusammengewachsen.

Der jeweils aktuelle Zustand der Fontanellen wird durch Ihren Kinderarzt bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen unter die Lupe genommen. So wird unter anderem beim U4-Check-Up kontrolliert, ob die Schädellücken dem Alter entsprechend groß sind. Bei einer zu früh geschlossenen oder unzureichend geöffneten Fontanelle könnte sich das Gehirn des Babys nicht ausreichend entwickeln.

Warnsignale richtig deuten

Es ist also gut und wichtig, dass der Kopf Ihres Kindes noch nicht vollständig verknöchert ist. Sollten Sie bei der Pflege Ihres Babys feststellen, dass die Fontanelle pulsiert oder pocht, müssen Sie sich nicht sorgen: Dies wird wahrscheinlich der Puls sein, den Sie vor allem dann gut erkennen können, wenn sich ihr Baby aufregt und z.B. schreit

Andere Auffälligkeiten sollten allerdings Ihre volle Beachtung finden:

  • Fontanelle ist gewölbt: Ist Ihr Baby zum Beispiel auf den Kopf gefallen, kann es zu einem Bluterguss im Gehirn kommen und die Fontanelle wölbt sich vor. Diese Wölbung kann auch erst später zu sehen sein. Rufen Sie dann sofort den Notarzt. Aber auch Infektionskrankheiten können dazu führen, dass die Fontanelle sich wölbt.
  • Fontanelle ist eingesunken: Dies könnte ein Anzeichen dafür sein, dass Ihr Baby zum Beispiel wegen einer starken Durchfallerkrankung einen Flüssigkeitsmangel hat.

Zögern Sie bitte nicht, auch schon beim geringsten Zeichen einer Veränderung der Fontanellen, Ihr Baby zum Arzt zu bringen.

Tipps für den Alltag: Der Umgang mit der Fontanelle

Der empfindlichste Punkt am Körper Ihres Neugeborenen ist sicherlich die Fontanelle. Daher sollten Sie gerade am Anfang etwas Vorsicht walten lassen:

  • Ein Mützchen tragen. Zumindest in den ersten Wochen nach der Geburt macht es Sinn, wenn Ihr kleiner Liebling eine, dem Wetter angepasste Mütze trägt. Ein Säugling verliert nämlich viel Wärme über den Kopf und kann seinen Wärmehaushalt noch nicht selbst regulieren. Die weichen Fontanellen sind dabei besonders empfindlich.
  • Sanfte Kopfpflege. Seien Sie bei der Pflege der Haare vorsichtig. Es reicht vollkommen aus, wenn Sie den Kopf und die Haare Ihres Babys mit etwas klarem Wasser und einem weichen Tuchreinigen. Falls Ihr Schatz schon eine ordentliche Haarpracht hat, können Sie diese mit einer speziellen sehr weichen Babybürste kämmen.
  • Einseitige Lage vermeiden. Manche Kinder entwickeln eine „Lieblingsseite“. Da die Schädelplatten noch sehr flexibel sind, kann sich daraus im Extremfall eine Verformung des Schädels entwickeln. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind immer mal wieder seine Position ändert – zum Beispiel beim Stillen oder beim Spielen. Wenn Sie dabei sind, können Sie Ihr Kind in wachem Zustand auch ab und an für gewisse Zeit auf seinen Bauch legen.

Sorgen Sie sich aber nicht zu sehr, denn die Fontanelle eines Babyköpfchens ist zwar empfindlich, aber sie hält auch einiges aus. Immerhin bedeckt eine Hautschicht und starkes Bindegewebe die Schädellücke.

Es mag auf der einen Seite merkwürdig und beängstigend sein, dass sich mitten auf dem Kopf Ihres Babys mehrere so empfindliche Stellen befinden. Auf der anderen Seite erfüllen sie aber eine so wichtige und große Aufgabe: Sie ermöglichen das Wunder der Geburt und bieten dem Gehirn Ihres Lieblings den nötigen Platz, um sich zu entwickeln.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.

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Quellen:

Kinder- & Jugendärzte im Netz: U4 – vierte Vorsorge

Kinder- & Jugendärzte im Netz: Warnzeichen vorgewölbte Fontanelle

Kinder- & Jugendärzte im Netz: Flauschiges fürs Haar

Pschyrembel Online: Fontanelle

Pschyrembel Online: Sutura sagittalis

Neurologen und Psychiater im Netz: Entwicklung von Gehirn und Nervensystem

Aerzteblatt: Lagerungsbedingte Schädeldeformitäten

Kinder- & Jugendärzte im Netz: Durchfall ist bei Säuglingen besonders gefährlich

Schünke, Michael; Schulte, Erik; Schumacher, Udo; Voll, Markus; Wesker, Karl (Hrsg.): Prometheus LernAtlas Anatomie - Kopf, Hals und Neuroanatomie. Thieme. 5. Auflage. Stuttgart. 2018

Upledger, John (Hrsg.): Die Entwicklung des menschlichen Gehirns und Zentralen Nervernsystems: a brain is born. Grundlagen zur craniosacralen Therapie beim Kind. Thieme. Stuttgart. 2003.

Stadelmann, Ingeborg: Die Hebammensprechstunde. Stadelmann Verlag. 8. Auflage. Wiggensbach. 2005.

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