Rektusdiastase

Rektusdiastase: alles Wissenswerte und Übungen

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14.05.20
5 Lesedauer

Eine Schwangerschaft ist ein unglaubliches Ereignis, aber auch eine Herausforderung für den weiblichen Körper. Er verändert sich und ist viele Wochen lang das erste zu Hause eines neuen Menschenkindes. Kein Wunder also, wenn nach der Geburt nicht wieder automatisch alles beim Alten ist: Die Gebärmutter muss sich zurückbilden und die Bauchmuskeln müssen sich langsam wieder aufbauen.

Worum geht es in diesem Artikel?

Was ist eine Rektusdiastase? Wer ist von der Rektusdiastase betroffen und was sind die Folgen? Die Symptome und wie Sie einen Selbsttest durchführen können Wie kann man eine Rektusdiastase behandeln? Diastase-Übungen für zu Hause

Was ist eine Rektusdiastase?

In der Schwangerschaft wölbt sich Ihr Bauch Woche um Woche immer mehr nach vorn und muss Platz für Ihr wachsendes Baby machen. In der 40. Schwangerschaftswoche ist Ihr Baby ungefähr so groß wie ein kleiner Kürbis. Der zunehmende Druck auf Ihre Bauchdecke führt dazu, dass die gerade Bauchmuskulatur langsam zu den Seiten gedrängt wird und auf Höhe des Bauchnabels eine Lücke entsteht.

Das Bindegewebe zwischen den seitlichen Bauchmuskeln wird durch die Dehnung immer dünner und verliert nach und nach an Festigkeit. Dies ist ein völlig normaler Prozess während der Schwangerschaft und setzt um den 5. Monat herum ein. Normalerweise wird das Bindegewebe nach der Geburt und erfolgreicher Rückbildung wieder fester und die Lücke - die man Rektusdiastase nennt - schließt sich langsam wieder.

Um das zu erreichen, ist es wichtig, dass man nach der Geburt die Bauchmuskeln gezielt trainiert und sich achtsam bewegt. Meistens bildet sich die Rektusdiastase wieder zurück. Jedoch kann es auch vorkommen, dass einige Frauen länger damit zu kämpfen haben.

Wer ist von der Rektusdiastase betroffen und was sind die Folgen?

Wie aber sieht nun eine Rektusdiastase aus bzw. wie können Sie diese überhaupt erkennen? Normalerweise bereitet nämlich eine leichte Bauchspalte nach der Schwangerschaft erst mal keine Probleme und kann daher schon mal ganz unentdeckt bleiben.

Die Risikogruppen

Eine starke Dehnung des Bauchbereiches begünstigt die Rektusdiastase. Daher haben manche Frauen ein höheres Risiko als andere:

  • Dünne, gut trainierte Frauen. Hier muss sich der Bauch erst seinen Weg erkämpfen, da ein schlanker Körper erst mal nicht so viel Platz bietet, wie ein etwas üppigerer.
  • Übergewichtige Frauen. Aber auch Frauen, die in den Monaten Ihrer Schwangerschaft stark zunehmen, gehören der Risikogruppe an.
  • Mütter großer Kinder und Mehrlinge. Verständlicherweise brauchen Zwillinge einfach mehr Platz und so manches Baby ist bereits im Bauch der Mutter ein echter Wonneproppen.

Mögliche Folgen

Die meisten Frauen beklagen mit Sicherheit erst einmal den rein äußerlichen Nebeneffekt einer Rektusdiastase: Der Bauch wölbt sich nach vorn. Das ist allerdings nicht weiter problematisch und sollte Sie auch nicht verunsichern, denn immerhin haben Sie gerade ein Baby zur Welt gebracht!

Allerdings kann eine völlig unbehandelte und starke Bauchspalte später ernsthaftere Folgen nach sich ziehen:

  • Es kann zu Kreuz- oder Rückenschmerzen kommen.
  • Die gesamte Körperstatik kann sich verändern.
  • Der Verdauungstrakt könnte Probleme bereiten.

Die Symptome und wie Sie einen Selbsttest durchführen können

Wie schon beschrieben, ist die Entwicklung einer Bauchspalte Teil der Schwangerschaft und daher völlig normal. Sie können sie zum Beispiel daran erkennen:

  • Sie bemerken gerade am Anfang der Schwangerschaft zusätzliches weiches Gewebe am Bauch.
  • Die Spitze der Gebärmutter zeichnet sich unter der Haut ab.
  • Sie erkennen ganze Körperteile Ihres Babys unter der Bauchdecke.

Sollten Sie diese Symptome bei sich feststellen, ist das aber noch lange kein Grund zur Sorge. Erst, wenn Sie einen Rückbildungskurs besucht haben und Sie dann immer noch das Gefühl haben, dass die Rektusdiastase recht groß ist, macht es Sinn, sich über eine gezieltere Behandlung zu informieren.

So finden Sie heraus, ob Ihre Bauchspalte noch vorhanden ist:

  • Legen Sie sich auf den Rücken und winkeln Sie Ihre Beine an.
  • Entspannen Sie sich erst einmal.
  • Heben Sie nun nur den Kopf und die Schultern leicht an.
  • Platzieren Sie Ihre Hand ungefähr ein bis zwei Finger breit über dem Bauchnabel.
  • Passen nun zwei oder mehr Finger zwischen die Längsmuskeln Ihres Bauches, sollten Sie über eine gezielte Therapie bzw. Übungen gegen die Rektusdiastase nachdenken. Bei manchen Frauen ist die Spalte sogar handbreit oder breiter.
  • Machen Sie diesen Test bitte nicht zu oft, denn das Anspannen dieses Bereiches ist für die Heilung ganz und gar nicht förderlich.

Wie kann man eine Rektusdiastase behandeln?

Haben Sie nun eine Bauchspalte ertastet, sprechen Sie das Thema am besten bei Ihrer Hebamme und in Ihrem Rückbildungskurs an, denn Sie sollten nun auf einige Dinge achten.

Das Training

Sie werden sicherlich schon von Ihrer Hebamme gehört haben, dass Sie nach der Geburt – und im Speziellen nach einem Kaiserschnitt – vermeiden sollten, Ihre Bauchmuskeln zu belasten. Das gilt umso dringlicher bei einer starken Rektusdiastase. Tägliches leichtes Training ist wichtig, aber schützen Sie dabei immer Ihre geraden Bauchmuskeln: Sit-ups, Crunches etc. haben also nichts auf Ihrem Trainingsplan zu suchen!

Aber auch in Ihrem Alltag sollten Sie auf sich bzw. Ihren Bauch achtgeben. Heben Sie nicht schwer und stehen Sie zum Beispiel aus einer liegenden Position immer über die Seite auf: Rollen Sie sich zuerst vom Rücken auf die Seite, stützen Sie sich dann auf Ihre Arme und heben Sie sich so in den Sitz.

Der Extremfall

In sehr extremen Fällen kann eine OP ratsam sein. Sollten Sie also nach dem Gespräch mit Ihrer Hebamme feststellen, dass die Lücke so groß ist, dass man diese durch regelmäßige gezielte Übungen oder eine spezielle physiotherapeutische Behandlung nicht mehr schließen kann, konsultieren Sie bitte Ihren Arzt.

Jede OP ist ein Risiko und sollte eigentlich vermieden werden. Ein Eingriff an der Buchdecke kann unkompliziert sein oder auch zu einer richtig großen Sache werden. Daher sollte man auf jeden Fall alles im Kampf gegen die Rektusdiastase versucht haben, bevor man diesen Schritt überhaupt in Erwägung zieht.

Bedenken Sie dabei auch, dass eine OP nur Sinn macht, wenn Sie sich sicher sind, dass Ihre Familienplanung abgeschlossen ist. Denn eine Schwangerschaft nach der Operation wird das Ergebnis wahrscheinlich wieder rückgängig machen.

Diastase-Übungen für zu Hause

Noch bevor Sie mit der Rückbildung in einem Kurs beginnen, können Sie bereits im Wochenbett mit leichten Übungen etwas gegen die Rektusdiastase tun.

Was ist zu beachten?

Beachten Sie bitte bei der Ausführung aller Übungen immer Folgendes:

  • Machen Sie die Übungen auf einer flachen Unterlage.
  • Tragen Sie bequeme Kleidung, sodass kein Körperteil eingeschnürt wird.
  • Die Brust sollte entleert sein. Machen Sie die Übungen also lieber nach dem Stillen.
  • Kommen Sie nach einer Übung in Rückenlage immer über die Seite zum Sitzen. Spannen Sie also bitte nicht Ihre geraden Bauchmuskeln an.
  • Lassen Sie es sehr langsam angehen. Ihr Körper braucht gerade im Wochenbett noch viel Ruhe.

Aktivierung des Unterbauches

Mit dieser ganz leichten aber sehr wichtigen Übung können Sie bereits am ersten Tag nach der Geburt beginnen. Sie aktiviert Ihren Unterbauch.

  1. Legen Sie sich auf den Rücken und stellen Sie die Beine auf.
  2. Legen Sie beide Hände (ohne Druck) auf Ihrem Unterbauch ab.
  3. Atmen Sie durch die Nase in Ihren Unterbauch ein, sodass sich dieser aufbläht und sich ganz sanft gegen Ihre Handinnenflächen drückt.
  4. Lassen Sie die Luft nun langsam durch den Mund wieder ausströmen.
  5. Atmen Sie so weiter. Bei der Ausatmung ziehen Sie nun ganz sanft Ihr Schambein Richtung Bauchnabel.

Stellen Sie sich bei der Ausatmung vor, dass Ihr Bauch wie ein Schwamm ausgedrückt wird. Diese Übung können Sie auch variieren, indem Sie sich auf die Seite legen.

Stabile Bauch- und Rückenmuskulatur

Diese Übung führen Sie im Stehen aus.

  1. Stellen Sie sich mit dem Gesicht zu einer Wand.
  2. Ihre Füße sind hüftweit geöffnet und Ihre Knie leicht gebeugt.
  3. Bilden Sie mit Ihren Armen einen rechten Winkel und lehnen Sie die Unterarme an die Wand. Ihr Rücken bleibt dabei gerade.
  4. Atmen Sie langsam aus und machen Sie dabei ein hörbares Geräusch: „pfff“, „ha“ oder „puh“.
  5. In Ihrer Vorstellung ziehen Sie dabei Ihren linken Ellbogen und Ihr rechtes Knie in Richtung Bauchnabel.
  6. Atmen Sie ein und wiederholen Sie das Ganze, indem Sie nun Ihren rechten Ellbogen und Ihr linkes Knie gedanklich zu Ihrer Körpermitte ziehen.

Seitlicher Heber

Für diese Übung begeben Sie sich bitte in die Seitenlage

  1. Winkeln Sie Ihre Beine an.
  2. Stützen Sie sich auf Ihren Unterarm, während der andere Arm ganz locker auf Ihrer Hüfte aufliegt.
  3. Ziehen Sie bei der Ausatmung Ihr Schambein Richtung Bauchnabel.
  4. Heben Sie nun noch während der Ausatmung Ihre Hüfte an. Dabei stützen Sie sich auf Ihre Knie und Ihren Unterarm.
  5. Mit der Einatmung senken Sie Ihre Hüfte wieder ab.

Achten Sie bei dieser Übung darauf, dass sich Ihr Bauch nicht nach außen streckt und Sie in ein Hohlkreuz verfallen.

Seitliche Bauchmuskeln

Auch mit dieser Übung können Sie noch während des Wochenbettes beginnen.

  1. Legen Sie sich auf den Rücken und winkeln Sie die Beine an.
  2. Drücken Sie Ihre Fersen in die Unterlage und ziehen Sie Ihre Fußspitzen in Richtung Ihrer Knie.
  3. Atmen Sie durch den Mund aus und verstärken Sie den Druck der Fersen auf den Boden.
  4. Ziehen Sie noch während der Ausatmung das Schambein Richtung Bauchnabel, schieben Sie Ihre Hände zu Ihrem rechten Knie und heben Sie dabei leicht Ihren Kopf zur selben Seite an.
  5. Mit der Einatmung senken Sie den Kopf und die Arme wieder und heben beide mit der Ausatmung zur linken Seite an.

Heben Sie nicht Ihr Kreuz an, sondern bleiben Sie damit auf Ihrer Unterlage. Achten Sie darauf, dass die Brustwirbelsäule gerade bleibt. Und denken Sie vor allem immer daran: Nach der langen Zeit der Schwangerschaft und den Anstrengungen der Entbindung, sollten Sie sich nicht zu viel vornehmen und zumuten.

Es ist wichtig, dass Sie den Leiter bzw. die Leiterin Ihres Rückbildungskurses auf Ihre Rektusdiastase hinweisen. Mit gezielten Übungen werden Sie so das Problem wieder in den Griff bekommen und zu Ihrer stabilen Mitte zurückfinden.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.

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