Der Wochenfluss (Lochien) nach der Geburt

Gerade bei deiner ersten Schwangerschaft betrittst du komplettes Neuland. Der Körper verändert sich und du fieberst dem großen Moment entgegen, in dem du deinen kleinen Schatz endlich in den Armen hältst.

Aber auch nach der Geburt – in der Zeit des Wochenbettes – verändert sich der Körper einer Frau noch einmal. In den sechs bis acht Wochen nach der Entbindung sollte dein Körper die Gelegenheit haben, sich von der Schwangerschaft und dem Geburtsereignis zu erholen. Ein Zeichen für die Wundheilung und damit der Regeneration ist der Wochenfluss, der auch Lochien genannt wird.

Im Folgenden erfährst du, wie du diesen erkennst und wie er verläuft.

Was ist der Wochenfluss?

Nachdem du deinen kleinen Schatz zur Welt gebracht hast, führen Nachgeburtswehen dazu, dass sich die Plazenta löst und ausgeschieden wird. Dadurch entsteht eine Wunde, die du dir wie eine tiefe Schürfwunde im Inneren vorstellen kannst. Diese heilt im Laufe der Zeit von ganz alleine wieder ab.

Der Wochenfluss sorgt nun dafür, dass Zellreste, Wundsekret, Blutgerinnsel, aber auch Bakterien abtransportiert werden. Damit trägt er also einen großen Teil dazu bei, dass dein Körper die Schwangerschaft hinter sich lässt und sich auf seine neue Rolle einstellt.

Die Lochien (griechisch lochios: zur Geburt gehörend) gehören also im wahrsten Sinne des Wortes zur Geburt dazu – auch nach einem Kaiserschnitt. Allerdings dauert die Wochenbettblutung dann weniger lange an.

So verläuft der Wochenfluss

Wie lange der Wochenfluss dauert und wie er verläuft, gestaltet sich bei jeder Frau etwas anders.

Wochenbettblutung: Dauer und Intensität

Die Östrogenproduktion wird nach der Entbindung immer mehr angeregt. Dieses Hormon trägt dazu bei, dass sich die Stelle, an der deine Plazenta an der Gebärmutterwand befestigt war, wieder verschließt. Daher nimmt die Menge des Ausflusses in den ersten drei Wochen stetig ab und hört nach ungefähr vier bis sechs Wochen ganz auf.

Die Wochenbettblutung ist in den ersten Tagen um einiges stärker, als du es vielleicht von deiner Periode gewohnt bist. Gerade beim Aufstehen oder bei kleineren Bewegungen kann es immer wieder vorkommen, dass das Blut schwallartig fließt und größere Blutklumpen (Koagel) mit abgehen. Das braucht dich nicht zu beunruhigen, denn diese Blutkoagel nach der Geburt sind während des Wochenflusses völlig normal und gesund.

Aussehen und Menge

Farbe und Menge des Wochenflusses verändern sich im Laufe der Zeit:

Zeitraum

Farbe

Menge

1. Tag

blutrot

viel; mehr als regelstark

2. bis 3. Tag

blutig bis wässrig

bis zu 100 ml täglich

Ende Woche 1:

rot bis bräunlich oder rosa-wässrig

10 bis 30 ml täglich

Ende Woche 2:

ins Gelbliche gehend

leichte Blutung; weniger als 10 ml täglich

Ende Woche 3:

weißlich

wie leichter Ausfluss

Woche 4 bis 6:

hell

Wochenfluss hört langsam auf

Die Gesamtmenge des Wochenflusses variiert stark von Frau zu Frau und liegt zwischen 200 ml und 500 ml.

Der Wochenflussstau: Behandlung, Ursache und Symptome

Sollte der Wochenfluss wider Erwarten plötzlich stoppen, kann das ein Anzeichen für einen Wochenflussstau sein.

Ursache für einen Wochenflussstau

Es kann vorkommen, dass der Wochenfluss nicht richtig abfließen kann und sich in der Uterushöhle staut. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Muttermund nach einem Kaiserschnitt nicht ausreichend geweitet ist oder Blutkoagel nach der Geburt das Abfließen des Blutes erschweren.

In der Regel ist jedoch der Muttermund nach der Geburt lange und weit genug geöffnet, sodass das Blut ungehindert abfließen kann. Erst nach sechs Wochen hat sich der innere Muttermund geschlossen. Nur in Ausnahmefällen kommt es also zu einem Lochialstau.

Symptome eines Wochenflussstaus

Ein Rückstau kann schlimmstenfalls zu einer Infektion führen. Daher solltest du dringend deinen Arzt / deine Ärztin zurate ziehen, wenn du folgende Symptome feststellst:

  • Du hast ungefähr drei bis sieben Tage nach der Entbindung plötzlich hohes Fieber.

  • Du leidest unter Kopfschmerzen.

  • Dein Bauch ist druckempfindlich.

  • In deinen Binden findest du nur sehr wenig Wochenfluss.

  • Deine Hebamme stellt bei ihrer / seiner Untersuchung fest, dass dein Uterus für den Wochenbetttag noch zu groß ist.

  • Dein Wochenfluss stinkt auf einmal oder riecht zumindest schlecht. (Der normale Wochenfluss-Geruch ist fade und nicht übelriechend).

Mittels einer Ultraschalluntersuchung kann dein Arzt / deine Ärztin feststellen, ob es sich wirklich um einen Wochenflussstau handelt.

Wochenflussstau: Behandlung

Stellt dein Arzt / deine Ärztin fest, dass sich noch viel Blut in der Gebärmutterhöhle befindet, muss gehandelt werden. So kann man versuchen mithilfe eines sehr dünnen Plastikschlauchs das Blut abzulassen.

Manchmal wird auch mit anderen Methoden versucht, den Gebärmutterhalskanal etwas zu weiten. Die Gabe des Hormons Oxytocin regt darüber hinaus die Gebärmutter an und die Wochenbettblutung setzt wieder ein. Nur im Extremfall ist eine Operation nötig.

Folgende Vorsorgemaßnahmen kannst du ergreifen:

  • Leichte Bewegung

  • Wochenbettgymnastik

  • Stillen des Babys

  • Regelmäßige Blasen- und Darmentleerung

Mach dir aber keine allzu großen Sorgen: Deine Hebamme wird dich in der Zeit des Wochenbettes betreuen und auch deinen Wochenfluss regelmäßig überprüfen.

Tipps: Was du zum Thema Wochenfluss beachten solltest

Früher wurde die Meinung vertreten, dass der Wochenfluss besonders infektiös ist. Davon geht man heute nicht mehr aus. Lochien sind dahingehend nicht anders als dein Periodenblut.

Hygiene während der Wochenbettblutung

Um aber jegliches Risiko auszuschließen, solltest du dennoch besonders auf Hygiene achten:

  • Falls möglich, verwende nach jedem Stuhlgang oder Wasserlassen ein Bidet oder wasche dich mit Wasser über einer Schüssel oder am Waschbecken. Auch ein ausgedienter Messbecher mit Wasser neben der Toilette kann eine gute Hilfe zum Waschen sein.

  • Verwende beim Abtrocknen des Genitalbereichs lieber ein Extra-Handtuch.

  • Wasche dir immer gründlich die Hände, besonders vor dem Stillen.

  • Wechsle deine Binden regelmäßig.

  • Verwende im Wochenbett Binden ohne Plastikfolie. Es sollten möglichst unparfümierte Flockenwindeln oder Vlieswindeln sein. Meist erhältst du diese während deines Aufenthaltes im Krankenhaus. Es schadet aber sicherlich nicht, schon ein paar mit in die Kliniktasche zu packen.

  • Benutze bitte keine Tampons, denn das Wundsekret sollte lieber ungehindert abfließen.

Wobei ist während der Lochien Vorsicht geboten?

Da die Wochenbettbinden sehr dick sind, macht es Sinn, wenn du dir etwas größere Slips besorgst. Verzichte bei der Wahl deiner Unterhosen auf synthetische Fasern. Baumwollslips eignen sich besonders gut, da sich auf diesem Material Bakterien weniger wohl fühlen als auf anderen Stoffen.

In den ersten Tagen nach der Entbindung solltest du lieber nicht baden, damit du nicht zu lange sitzt und die Naht einer möglichen Geburtsverletzung nicht zu sehr aufweicht. Lange Zeit wurde behauptet, dass man während des Wochenflusses ganz auf Wannenbäder verzichten sollte. Wenn dir das aber guttut, kannst du auch im Spätwochenbett ruhig in die Wanne steigen.

Achte bei einem Bad aber vielleicht darauf, dass die Brust nicht mit dem Wasser in Berührung kommt, um hier Infektionen zu vermeiden. Die Brustwarzen sind gerade am Anfang noch sehr empfindlich.

Auch auf ungeschützten Sex während des Wochenbettes solltest du verzichten. Wenn alle Geburtsverletzungen abgeheilt sind, spricht aber nichts dagegen mit deinem Partner / deiner Partnerin wieder intim zu sein. Verwende bitte Kondome, da die Geburtswege in den ersten Wochen noch erweitert sind und dies das Eindringen von Keimen erleichtert.

Gerade in der ersten Zeit nach der Geburt ist es aber auch ganz normal, wenn dir noch nicht der Sinn nach Zärtlichkeiten mit dem Partner / der Partnerin steht. Geburtsverletzungen müssen verheilen und die neue Situation ist oft überfordernd. Noch dazu sind die Nächte viel zu kurz, und dein Körper wird beim Stillen von deinem kleinen Schatz in Anspruch genommen.

Unser Tipp: Die Zeit vor der Geburt ist besonders aufregend. Werdende Eltern beschäftigen sich damit, den passenden Namen für das Baby zu suchen, die Kliniktasche zu packen oder sich im Geburtsvorbereitungskurs auf das Großereignis einzustimmen. Vergiss bei all der Planung aber nicht, dich auch schon auf die Zeit danach einzustellen.

Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultiere für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer deinen Arzt / deine Ärztin.

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen findest du im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultiere für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer deinen Arzt / deine Ärztin.

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