Der Wochenfluss (Lochien) nach der Geburt

Alles über den Wochenfluss (Lochien)

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13.02.20
6 Lesedauer

Gerade Erstgebärende betreten während Ihrer Schwangerschaft Neuland und sind voll und ganz davon eingenommen. Der Körper verändert sich Monat um Monat und wahrscheinlich fiebern auch Sie dem großen Moment entgegen, in dem Sie endlich Ihr kleines Wunder im Arm halten werden.

Aber auch nach der Geburt – in der Zeit des Wochenbettes – verändert sich der Körper einer Frau noch mal. In den sechs bis acht Wochen nach der Entbindung sollte Ihr Körper die Gelegenheit haben, sich von der Schwangerschaft und dem Geburtsereignis zu erholen. Ein Zeichen für die Wundheilung und damit der Regeneration ist der Wochenfluss, oder auch Lochien genannt.

Im Folgenden finden Sie alles zum Thema Wochenfluss:

Worum geht es in diesem Artikel?

Was ist der Wochenfluss? Wochenfluss: der Verlauf Der Wochenflussstau: Ursache, Symptome, Behandlung Tipps: Was man zum Thema Wochenfluss beachten sollte

Was ist der Wochenfluss?

Nachdem Sie Ihr Baby zur Welt gebracht haben, führen Nachgeburtswehen dazu, dass sich die Plazenta löst und ausgeschieden wird. Dadurch entsteht eine große Wunde, die Sie sich wie eine tiefe Schürfwunde im Inneren vorstellen können. Diese heilt im Laufe der Zeit von ganz alleine wieder ab.

Der Wochenfluss sorgt nun dafür, dass Zellreste, Wundsekret, Blutgerinnsel, aber auch Bakterien abtransportiert werden. Damit trägt er also einen großen Teil dazu bei, dass Ihr Körper die Schwangerschaft hinter sich lässt und sich auf seine neue Rolle einstellt.

Lochien (griechisch lochios: zur Geburt gehörend) gehören also im wahrsten Sinne des Wortes zur Geburt dazu - auch nach einem Kaiserschnitt. Allerdings dauert die Wochenbettblutung dann weniger lange an.

Wochenfluss: der Verlauf

Der Verlauf des Wochenflusses und wie lange er dauert gestaltet sich bei jeder Frau etwas anders.

Dauer und Intensität

Die Östrogenproduktion wird nach der Entbindung immer mehr angeregt. Dieses Hormon trägt dazu bei, dass sich die Stelle, an der Ihre Plazenta an der Gebärmutterwand befestig war, wieder verschließt. Daher nimmt die Menge des Ausflusses in den ersten drei Wochen stetig ab und hört nach ungefähr vier bis sechs Wochen ganz auf.

Die Wochenbettblutung ist in den ersten Tagen stärker, als Sie es vielleicht von Ihrer Periode gewohnt sind. Gerade beim Aufstehen oder kleineren Bewegungen kann es immer wieder vorkommen, dass das Blut schwallartig fließt und größere Blutklumpen (Koagel) mit abgehen. Sorgen Sie sich nicht, denn das ist völlig normal und gesund.

Aussehen und Menge

Die Farbe und Menge des Wochenflusses verändert sich im Laufe Zeit:

Zeitraum

Farbe

Menge

1. Tag

blutrot

viel; mehr als regelstark

2. bis 3. Tag

blutig bis wässrig

bis zu 100 ml täglich

Ende Woche 1:

rot bis bräunlich oder rosa-wässrig

10 bis 30 ml täglich

Ende Woche 2:

ins Gelbliche gehend

leichte Blutung; weniger als 10 ml täglich

Ende Woche 3:

weißlich

wie leichter Ausfluss

Woche 4 bis 6:

hell

Wochenfluss hört langsam auf

Die Gesamtmenge variiert stark von Frau zu Frau und liegt irgendwo zwischen 200 ml und nicht selten auch bei 500 ml.


 

Der Wochenflussstau: Ursache, Symptome, Behandlung

Sollte der Wochenfluss jedoch wieder erwarten plötzlich stoppen, kann das ein Anzeichen für einen Wochenflussstau sein.

Ursache

Es kann vorkommen, dass der Wochenfluss nicht richtig abfließen kann und sich in der Uterushöhle staut. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Muttermund nach einem Kaiserschnitt nicht ausreichend geweitet ist oder Blutkoagel das Abfließen des Blutes erschweren.

In der Regel ist jedoch der Muttermund nach der Geburt lange und weit genug geöffnet, sodass das Blut ungehindert abfließen kann. Erst nach sechs Wochen hat sich der innere Muttermund geschlossen. Nur in Ausnahmefällen kommt es also zu einem Lochialstau.

Symptome

Ein Rückstau kann schlimmstenfalls zu einer Infektion führen. Daher sollten Sie dringend einen Arzt zurate ziehen, wenn Sie folgende Symptome feststellen:

  • Sie haben ungefähr drei bis sieben Tage nach der Entbindung plötzlich hohes Fieber.
  • Sie leiden unter Kopfschmerzen.
  • Ihr Bauch ist druckempfindlich.
  • In Ihren Binden finden Sie nur sehr wenig Wochenfluss.
  • Ihre Hebamme stellt bei Ihrer Untersuchung fest, dass Ihr Uterus für den Wochenbetttag noch zu groß ist.
  • Ihr Wochenfluss riecht auf einmal schlecht. (Der normale Geruch ist fade und nicht übelriechend).

Mittels einer Ultraschalluntersuchung kann Ihr Arzt feststellen, ob es sich wirklich um einen Wochenflussstau handelt.

Behandlung und Vorsorge

Wenn nun festgestellt werden sollte, dass sich noch viel Blut in der Gebärmutterhöhle befindet, muss gehandelt werden. So kann man versuchen mithilfe eines sehr dünnen Plastikschlauches das Blut abzulassen.

Manchmal wird auch mit anderen Methoden versucht, den Gebärmutterhalskanal etwas zu weiten. Die Gabe des Hormons Oxytocin regt darüber hinaus die Gebärmutter an und die Wochenbettblutung setzt wieder ein. Nur im Extremfall ist eine Operation nötig.

Folgende Vorsorgemaßnahmen können ergriffen werden:

  • leichte Bewegung
  • Wochenbettgymnastik
  • Stillen des Babys
  • regelmäßige Blasen- und Darmentleerung

Machen Sie sich aber keine allzu großen Sorgen: Ihre Hebamme wird Sie in der Zeit des Wochenbettes betreuen und auch Ihren Wochenfluss regelmäßig überprüfen bzw. danach fragen.

Tipps: Was man zum Thema Wochenfluss beachten sollte

Früher wurde die Meinung vertreten, dass der Wochenfluss besonders infektiös ist. Davon geht man heute nicht mehr aus. Lochien sind auch nicht krankheitserregender als Ihr Periodenblut.

Hygiene

Um aber jegliches Risiko auszuschließen, sollten Sie dennoch besonders auf Hygiene achten:

  • Falls möglich, verwenden Sie nach jedem Stuhlgang oder Wasserlassen ein Bidet oder waschen Sie sich mit Wasser über einer Schüssel oder am Waschbecken. Auch ein ausgedienter Messbecher mit Wasser neben der Toilette kann eine gute Hilfe zum Waschen sein.
  • Verwenden Sie beim Abtrocknen des Genitalbereichs lieber ein extra Handtuch.
  • Waschen Sie immer gründlich Ihre Hände. Besonders vor dem Stillen und bevor Sie Ihr Neugeborenes
  • Wechseln Sie Ihre Binden regelmäßig.
  • Verwenden Sie im Wochenbett Binden ohne Plastikfolie. Es sollten möglichst unparfümierte Flockenwindeln oder Vlieswindeln sein. Meist werden diese während Ihres Aufenthaltes im Krankenhaus von diesem gestellt. Es schadet aber sicherlich nicht, schon ein paar mit in Ihre Kliniktasche zu packen.
  • Benutzen Sie bitte keine Tampons, sondern lassen Sie das Wundsekret lieber ungehindert abfließen.

Wobei ist Vorsicht geboten?

Da die Wochenbettbinden sehr dick sind, macht es Sinn, wenn Sie sich etwas größere Slips zulegen. Verzichten Sie auch auf synthetische Fasern bei der Wahl Ihrer Unterhosen. Baumwollslips eignen sich besonders gut, da sich auf diesem Material Bakterien weniger wohl fühlen, als auf anderen Stoffen.

In den ersten Tagen nach der Entbindung sollten Sie lieber nicht baden, damit Sie nicht zu lange sitzen und evtl. die Naht einer möglichen Geburtsverletzung zu sehr aufweicht. Lange Zeit wurde behauptet, dass man während des Wochenflusses ganz auf Wannenbäder verzichten sollte. Wenn Ihnen das aber guttut, steigen Sie im Spätwochenbett ruhig in die Wanne.

Achten Sie bei einem Bad vielleicht darauf, dass die Brust nicht mit dem Wasser in Berührung kommt, um hier Infektionen zu vermeiden. Die Brustwarzen sind gerade am Anfang noch sehr empfindlich.

Auch sollten Sie während des Wochenflusses keinen ungeschützten Sex haben. Wenn alle Geburtsverletzungen abgeheilt sind, spricht nichts dagegen, dass Sie wieder mit Ihrem Partner intim werden, sofern Sie Lust darauf haben. Verwenden Sie aber bitte Kondome, da die Geburtswege in den ersten Wochen noch erweitert sind und dies das Eindringen von Keimen erleichtert.

Allerdings steht gerade in der ersten Zeit den Frauen weniger der Sinn nach Zärtlichkeiten mit dem Partner. Geburtsverletzungen müssen verheilen, die neue Situation ist oft überfordernd, die Nächte viel zu kurz und der Körper von stillenden Frauen wird außerdem noch sehr oft von dem kleinen Baby in Anspruch genommen.

Die Zeit vor der Geburt ist besonders aufregend. Werdende Eltern beschäftigen sich damit, den passenden Namen für das Baby zu suchen, die Kliniktasche zu packen oder sich im Geburtsvorbereitungskurs auf das Großereignis einzustimmen. Vergessen Sie bei all der Planung nicht, sich auch schon auf die Zeit danach einzustellen.

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SOURCES:

Pharmatzeutische Zeitung: Zeit der Rückbildung und Neufindung

Thieme: Wochenbett – Physiologie und Pathologie

Die Techniker: Was passiert mit der Gebärmutter nach der Geburt?

Frauenärzte im Netz: Wochenbett & Rückbildung

Deutsche ApothekerZeitung: Bakterien lieben Polyester

Book: Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. 259. Auflage. De Gruyter. Berlin. New York. 2001.

Book: Goerke, Kay; Junginger, Christa (Hrsg.): Pflege konkret. Gynäkologie Geburtshilfe. Urban & Fischer. München. 4. Auflage

Book: Stern, Loretta; Gaca Anja Constance: Das Wochenbett. Alles über diesen wunderschönen Ausnahmezustand. Kösel. München

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