
Diabetes bei Kindern und Babys
6 Min.Aktualisiert am 8 Oktober 2020
6 Min.Aktualisiert am 8 Oktober 2020
Die Diagnose Diabetes mellitus kann jeden treffen – auch junge Kinder und sogar Babys, auch wenn er bei Babys eher selten vorkommt. Es handelt sich um die am häufigsten vorkommende chronische Stoffwechselerkrankung. Eine Diabetes Diagnose stellt den Alltag der kleinen Patienten erst einmal auf den Kopf und die ganze Familie muss lernen, mit der neuen Situation umzugehen.
Trotz allem können Kinder mit Diabetes ein ganz normales Leben führen. Um dies zu ermöglichen, ist es wichtig, dass die Therapie bestmöglich umgesetzt wird und jeder im Umfeld gut über die Krankheit aufgeklärt ist.
Was ist Diabetes?
Diabetes mellitus, oder auch einfach nur Diabetes genannt, ist eine chronische Stoffwechselstörung, die dazu führt, dass dauerhaft zu hohe Blutzuckerwerte (Glukose) im Blut vorliegen.
Glukose ist für die Körperzellen überlebenswichtig: Sie beliefert die Muskeln, das Gewebe und die Organe, vor allem auch das Gehirn, mit Energie. Wenn wir essen, werden die von uns aufgenommenen Nährstoffe wie Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate in kleine Bestandteile, u.a. in Glukose aufgespalten. Damit die Zellen Glukose aus dem Blut aufnehmen können, ist das Hormon Insulin notwendig, welches in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird.
Erkranken Kinder an Diabetes, wird in den meisten Fällen im Körper nicht genügend Insulin produziert, so dass die Zellen nicht ausreichend Glukose aufnehmen können. Der Zucker verbleibt also im Blut, was wiederum zu erhöhten Blutzuckerspiegeln und daraus resultierenden Symptomen führt. In der Zelle liegt ein Mangel an Energie vor. Diese Situation kann akut lebensgefährlich sein und erfordert oftmals eine Behandlung in einem Krankenhaus. Langfristig können Schäden durch dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte an den Gefäßen entstehen.
Obwohl Diabetes bislang nicht geheilt werden kann, lässt er sich doch zumeist in den Griff bekommen. Sollte diese Erkrankung bei Ihrem Kind festgestellt werden, wird Ihr behandelnder Arzt Ihnen zur Seite stehen und eine geeignete Therapie empfehlen.
Die verschiedenen Diabetes-Typen
Man unterscheidet vor allem zwischen Diabetes Typ-1 und Typ-2. An Typ-1-Diabetes sind in Deutschland mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche erkrankt.
Typ-1-Diabetes
Bei Kindern mit Typ-1-Diabetes besteht ein absoluter Insulinmangel. Wenn sie Kohlenhydrate essen, steigt der Blutzuckerspiegel deutlich an. Der Mangel an Insulin verhindert, dass die Glukose von den Zellen aufgenommen werden kann. Der Zucker bleibt also im Blut.
Um die Zellen weiterhin mit Energie zu versorgen, werden vermehrt Fettreserven abgebaut, wodurch das Körpergewicht sinkt. Durch den Abbau der Fettreserven entstehen Substanzen (sogenannte Ketone), die zu einer Übersäuerung des Blutes führen und schwerwiegende Folgen haben können.
Gewichtsverlust, Schwäche und ein gefährlich hoher Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) sind bei den betroffenen Kindern die Folgen, wenn sie nicht behandelt werden. Typ-1-Diabetes ist derzeit zwar noch nicht heilbar, aber gut behandelbar.
Typ-2-Diabetes
Diese Art des Diabetes tritt häufiger bei Erwachsenen auf, aber auch Kinder und Jugendliche können daran erkranken. Typ-2-Diabetes geht meist auch mit Übergewicht einher. Oftmals besteht innerhalb der Familie eine Neigung zur Entstehung von Typ-2-Diabetes und zusätzlichen Erkrankungen wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung.
Der Körper ist bei dieser Form des Diabetes zwar in der Lage, Insulin zu produzieren. Allerdings reagiert die Zelle nicht richtig auf das Insulinsignal und somit kann die Glukose aus dem Blut nicht in die Zellen eindringen. Als Folge dessen sind auch hier die Blutzuckerwerte erhöht.
Die Bauchspeicheldrüse, die für die Produktion von Insulin verantwortlich ist, arbeitet auf Hochtouren. Dies kann das Organ nach einer gewissen Zeit überstrapazieren. Nur noch mit Mühe kann es noch genügend Insulin produzieren, um den Blutzucker auf einem gesunden Niveau zu halten.
Prädiabetes
Als Prädiabetes bezeichnet man ein Vorstadium des Diabetes mellitus Typ-2. Die Blutzuckerwerte der Kinder sind zwar höher als normal, sie können aber noch durch sehr hohe Insulinmengen von der Bauchspeicheldrüse kompensiert werden.
Aus dem Prädiabetes kann sich im Verlauf eine Typ-2-Diabetes-Erkrankung entwickeln. Um das zu vermeiden, ist es empfehlenswert, dass Kinder und auch das familiäre Umfeld ihre Lebensweise ändern: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen, regelmäßige Bewegung sowie das Erreichen und Halten eines normalen Körpergewichts sind dafür eine Grundvoraussetzung.
Was sind die Ursachen für Diabetes bei Kindern?
Die genauen Ursachen von Diabetes bei Kindern und Kleinkindern sind unbekannt. Experten haben jedoch für beide Diabetes-Typen gewisse Risikofaktoren identifiziert:
Diabetes bei Kindern: die Symptome
Manchmal verzögert sich die Diabetes-Diagnose bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Symptome ähneln zu Beginn oft denen anderer Krankheiten, sodass Eltern erst einmal keinen Verdacht schöpfen.
So gehört zum Beispiel ein erhöhter Flüssigkeitsbedarf und häufigeres Wasserlassen zu den typischen Anzeichen von Diabetes bei Kindern – was an einem heißen Tag zunächst einmal nichts Ungewöhnliches ist.
Wenn Sie jedoch eines der folgenden Symptome bei Ihrem Baby feststellen sollten, wenden Sie sich sicherheitshalber an Ihren Kinderarzt:
Sollten Sie eines oder mehrere dieser Symptome bei Ihrem Kind feststellen, heißt das nicht unbedingt, dass es sich um einen Diabetes handelt. Suchen Sie aber bitte trotzdem einen Arzt auf, um jeden Zweifel aus dem Weg zu räumen. Nur er kann schlussendlich eine sichere Diagnose erstellen.
Wie kann der Arzt Diabetes bei Kindern feststellen?
Sollten sowohl Sie, als auch Ihr Kinderarzt vermuten, dass Ihr Schützling an Diabetes erkrankt ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Blutzuckerwert zu untersuchen:
Sollte der Diabetes-Test positiv ausfallen, sollte sofort mit einer Behandlung begonnen werden.
Wie wird Diabetes bei Kindern behandelt?
Patienten mit Diabetes erhalten besonders in der Anfangszeit viel Hilfe: Neben der Diabetes-Therapie selbst, durchlaufen die kleinen Patienten eine altersgerechte Schulung und werden psychologisch betreut. Zusammen mit der ganzen Familie wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.
Im Zentrum steht dabei, die Werte des Blutzuckers zu normalisieren. Dies bedeutet nicht nur, zu hohe Blutzuckerwerte zu verhindern, sondern auch Unterzuckerungen zu vermeiden. Bei Typ-1-Diabetes wird dem Körper das fehlende Insulin zugeführt. Ein Therapieplan könnte bei Kindern Folgendes umfassen:
Ziel der Therapie ist es, die besten Voraussetzungen für eine normale körperliche und geistige Entwicklung zu schaffen. Es wird sicherlich eine ganze Zeit lang dauern, bis alle Maßnahmen verinnerlicht und im Alltag integriert sind. Diese sind jedoch wichtig, um Ihrem Kind ein erfülltes und normales Leben zu ermöglichen.
Mögliche Auswirkungen von Diabetes bei Kindern
Wird Diabetes allerdings nicht oder nur unzureichend behandelt, kann das langfristig Folgen für die Gesundheit Ihres Kindes haben:
All das klingt sehr beängstigend, aber es handelt sich hierbei nur um mögliche Auswirkungen, wenn Diabetes nicht behandelt oder eine Therapie unzureichend umgesetzt wird. Daher helfen Sie Ihrem Kind dabei, zu verstehen, wie wichtig die Behandlung ist.
Diabetes bei Kindern: Tipps für Eltern
Diabetes, insbesondere bei Kindern, erfordert viel Aufmerksamkeit und Betreuung im Alltag. Aber es gibt ein paar Dinge, die Sie beachten können, um das Risiko von Komplikationen zu verringern:
Als Eltern können Sie dabei helfen, dass Ihr Kind eine positive Einstellung und einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Krankheit entwickelt. Vergessen Sie aber nicht, dass auch Sie als Eltern Hilfe in Anspruch nehmen können!
Fakten im Überblick
Ja, Diabetes kann sogar schon im ersten Lebensjahr eines Babys auftreten.
Ein Leben mit Diabetes ist mit einigen Einschränkungen verbunden. Doch zusammen als Familie werden Sie diese Herausforderungen sicher gut meistern. Schrecken Sie auch nicht davor zurück Hilfe in Anspruch zu nehmen, wann immer Sie diese benötigen.
Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen, wie der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), dem Ärzteblatt oder den „Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (Mutterschafts-Richtlinien)”. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.
- Mayo Clinic: Diabetes
- Mayo Clinic: Type 1 diabetes in children
- Mayo Clinic: Type 2 diabetes in children
- Mayo Clinic: Treatment - Prediabetes
- Mayo Clinic: Treatment - Type 2 diabetes in children
- Mayo Clinic: Treatment - Type 1 diabetes in children
- Kids Health: Type 1 Diabetes: What Is It?
- Mayo Clinic: Prediabetes
- Book: Caring for your baby and young child birth to age 5, Sixth Edition Paperback – November 2, 2014 by American Academy of Pediatrics (Author)
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