Entwicklung der Babyhaare

Ein Erwachsener hat ungefähr fünf Millionen Haare an seinem Körper und 100.000 davon auf seinem Kopf. Auch wenn 100.000 definitiv der kleinere Anteil ist, trägt vor allem unsere Haarstruktur und Haarfarbe besonders zum äußeren Erscheinungsbild bei.

Vielleicht fragen Sie sich ja auch manchmal: „Welche Haarfarbe bekommt mein Kind und wann wachsen die Haare meines Babys?“

Die Struktur der Haare

Unsere Haare haben viel mehr Funktionen als man vielleicht denkt. Sie dienen uns als Wärmeschutz und können einen Hinweis auf unsere Gesundheit geben. Schon im Mutterleib schützt das Lanugohaar die zarte Haut Ihres ungeborenen Babys vor dem Aufweichen durch das Fruchtwasser.

Jedes Haar auf dem Kopf Ihres Kindes besteht aus einem Haarschaft (dem sichtbaren Teil des Haars) und einer Haarwurzel, die unter der Haut liegt. Die Haarwurzel ist von Haut- und Bindegewebe umhüllt, des sogenannten Haarfollikel, in den auch eine Talgdrüse mündet.

Jeder Haarfollikel ist mit einem Muskel verbunden, der das Haar zum Beispiel bei Kälte aufrichtet und für die Gänsehaut sorgt. In der Haarwurzel enden zudem viele Nervenfasern, sodass wir in der Lage sind, selbst kleinste Luftbewegungen über die Haare wahrzunehmen.

Das oberhalb der Hautschicht liegende Haar besteht aus Hornzellen und Hohlräumen. Nicht immer sind die Haare so gut zu erkennen wie auf dem Kopf: Bis auf wenige Areale ist der ganze Körper mit feinen, mehr oder weniger gut sichtbaren Härchen bedeckt.

Wann bekommen Babys Haare?

Die Entwicklung der Haare beginnt weit vor der Geburt Ihres Kindes – nämlich bereits zwischen der 9. und 12. Schwangerschaftswoche. Das heißt aber noch lange nicht, dass Ihr Baby deshalb mit vielen Haaren auf die Welt kommen wird. Im Mutterleib werden lediglich die Haarfollikel angelegt, die für die Produktion der Haare notwendig sind.

Die Stadien der Haarentwicklung

Der Haarfollikel produziert zu unterschiedlichen Zeiten ganz verschiedene Haar-Typen:

  • Fetalzeit: Lanugohaar

  • frühe Kindheit: Vellushaar

  • Erwachsenenalter: Terminalhaar

Die Lanugohaare fallen sehr bald nach der Geburt aus und werden vollständig durch das Vellushaar ersetzt. Diese ersten echten Haare Ihres Kindes sind dünner und haben weniger Pigmente (Farbstoffe) als die Haare von Erwachsenen.

Wie schnell wachsen Haare bei Kindern?

Am unteren Teil der Haarwurzel (Haarzwiebel) entstehen immer neue Haarzellen, die langsam im Inneren der Haarwurzel nach oben wandern und schließlich aus der Haut herauswachsen. Das passiert nur sehr langsam: Ein Kopfhaar wächst ungefähr 10 Millimeter im Monat. Nach rund 4 Jahren fällt es wieder aus, weil ein neues Haar von unten nachschiebt. Pro Tag können einem Menschen 80 bis 100 Haare ausfallen.

Was auf Erwachsene zutrifft, gilt noch lange nicht für Kinder: Oft kommt ein Baby ganz ohne Haare zur Welt und bleibt auch noch im ersten Jahr kahlköpfig. Nur weil die Haare Ihres Kindes vielleicht langsam wachsen, heißt das aber nicht, dass es später sehr wenig Haare haben wird. Möglicherweise hat Ihr Kind nur sehr blonde Haare, denn diese sind weniger gut sichtbar als dunkle. Das Haarwachstum fördern oder beschleunigen zu wollen, ist nicht nötig. Hier bedarf es einfach etwas Geduld.

Die Haarfarbe von Kindern: eine Sache der Gene

Wenn sich bei der Befruchtung Ihre Gene mit den Genen Ihres Partners vermischen, entsteht eine ganz neue und eigene Kombination – und das sind die Bausteine, aus denen Ihr Baby sich entwickelt.

Das Erbgut bestimmt die Haarfarbe. Es gibt Studien, die sich damit beschäftigen, welche Gene im Zusammenhang damit stehen könnten. Jedoch eignen sich diese bisher nicht für eine sichere Vorhersage der Haarfarbe bei Kindern.

Sie und Ihr Partner tragen zwei unterschiedliche Vererbungsmerkmale in sich, die für die Haarfarbe verantwortlich sind. Nur eines davon wird an Ihr Baby weitergegeben. Die Eigenschaft von Haut- und Haarfarbe wird heterozygot vererbt; d. h. vermischt. Das Mendelsche Vererbungsgesetz besagt, dass es sich hierbei um einen sogenannten dominant-rezessiven Erbgang handelt. Eine dunkle Haarfarbe setzt sich gegenüber der rezessiven helleren durch.

Sollten sowohl Sie als auch Ihr Partner dunkle Haare haben, kann es dennoch vorkommen, dass Ihr Baby blond zur Welt kommt. Gerade helle Haare dunkeln sehr oft nach. So könnten zum Beispiel auch bräunliche Haare mit zunehmendem Alter ins Schwarze übergehen. Suchen Sie ruhig einmal alte Kinderfotos von sich und vergleichen Sie Ihre Haarfarbe von damals mit der Farbe Ihres Babys.

Wie die Haarfarbe wahrgenommen wird, hängt allerdings auch von äußeren Faktoren ab: Wie reflektiert das Licht auf dem Haar und wie bricht es sich dort? Hier ist die Haarstruktur ausschlaggebend. Diese beeinflusst die Sättigung, die Helligkeit und den Farbton.

Wie entsteht die Haarfarbe Ihres Babys?

Das einzelne Haar besteht aus drei Komponenten: dem Mark, der Rinde und der Cuticula. Die Rinde ist die dickste Schicht, die aus Hornzellen und Melanosomen (Pigmentkörper) besteht. Die Zellen der Rinde und die Haarfarbe entstehen in der Haarwurzel.

Für die Färbung der Haare Ihres Babys ist der Pigmentstoff Melanin verantwortlich. Er kommt in den beiden Modifikationen Phäomelanin und Eumelanin vor, die jeweils für die unterschiedlichen Haarfarben verantwortlich sind. Hat Ihr Baby blonde, rote oder rotblonde Haare, ist der Pigmentstoff Phäomelanin zu einem sehr hohen Anteil vertreten. Eumelanin kann alle dunklen Farbtöne annehmen; also braune bis schwarze Haare.

Wie auch bei der Hautfarbe, ergibt sich die ganz individuelle Haarfarbe Ihres Babys aus dem Mischverhältnis dieser beiden Stoffe:

schwarze Haarekaum  Phäomelanin + sehr viel Eumelanin
braune Haarewenig Phäomelanin + viel Eumelanin
blonde Haareviel Phäomelanin + wenig Eumelanin
rötliche Haaresehr viel Phäomelanin + sehr wenig Eumelanin

 

Ihr Baby: ein individueller Kopf!

Jedes Kind ist verschieden und genauso unterschiedlich sind auch ihre Haare. Das betrifft nicht nur die Haarfarbe, sondern auch die Beschaffenheit. Manchem Baby stehen die Haare Wort wörtlich zu Berge, während andere eine sehr feine glatte Haarstruktur haben.

Lockenkopf

Ob Ihr Liebling glatte Haare oder wilde Locken haben wird, ist ebenfalls genetisch bestimmt. Die Haarfarbe und die Form werden unabhängig voneinander vererbt. Wenn Sie zum Beispiel rote Locken haben, so könnte Ihr Baby durchaus auch mit ganz glatten roten Haaren geboren werden.

Kräuseln und locken sich die Haare, ist hier ein ganz bestimmtes Enzym am Werk. Es ist in der Haarwurzel aktiv und beeinflusst dort die Form des Wachstums. Man vermutet, dass eine verminderte Aktivität dieses Enzyms für glatte Haare sorgt.

Süße Glatzen und Fuchsköpfchen

Verliert Ihr Baby die Haare nach der Geburt, ist das erst einmal kein Grund zur Sorge und bei vielen Neugeborenen normal. Oft dauert es dann eine Weile, bis sie wieder nachgewachsen sind. Besonders das ständige Liegen könnte zu kahlen Stellen führen. Durch die Bewegung des Kopfes auf der Unterlage scheuert sich das sehr feine Haar ab und zurückbleibt eine Glatze - die sogenannte Liegeglatze.

Rote Haare sind übrigens etwas ganz Besonderes: Nur zwei Prozent aller Menschen werden mit roten Haaren geboren. Zurückzuführen ist das auf die Mutation eines ganz bestimmten Gens. Dieses sorgt dafür, dass sehr viel mehr Phäomelanin produziert wird als bei anderen Menschen.

Wie Sie die Haare Ihres Babys pflegen

Kinder spielen mit Essen, Knete und nicht selten auch mit Dreck. All das bleibt nicht nur an den Händen kleben, sondern auch gern in den Haaren. Daher wird früher oder später der Zeitpunkt kommen, an dem Sie Ihrem kleinen Schatz die Haare waschen werden.

Babys erste Haarwäsche

In den ersten Lebensmonaten reicht es vollkommen aus, die Haare Ihres Babys mit warmem Wasser und einem Schwamm zu waschen. Später kommt es darauf an, wie viele Haare Ihr Kind hat. Bei der Haarpflege sollte Folgendes beachtet werden:

  • Waschen Sie die Haare dann, wenn Sie Ihr Baby gerade baden.

  • Verwenden Sie ein mildes Baby-Shampoo. In den ersten Lebensmonaten reicht es jedoch aus, wenn sie die Haare Ihres Babys mit warmen Wasser waschen.

  • Shampoonieren Sie die Haare erst am Ende des Bades, damit Ihr Baby nicht zu lange mit nassen Haaren im Seifenwasser sitzt.

  • Legen Sie beim Ausspülen die Hände über die Stirn Ihres Babys, um zu verhindern, dass das Haarwaschmittel in die Augen gelangt.

  • Nehmen Sie ein weiches Handtuch, um die Haare zu trocknen.

Nicht alle Babys lassen sich gern die Haare waschen. Nehmen Sie sich für die Haarpflege ruhig Zeit und massieren Sie den Kopf Ihres Babys vorsichtig, während Sie das Shampoo auf die Haare auftragen. Sie signalisieren Ihrem Kind damit, dass das Haarewaschen etwas ist, was man durchaus auch genießen kann.

Was Sie bei Locken beachten sollten

Haben Sie einen kleinen Lockenkopf zu Hause, ist es manchmal gar nicht einfach, die wilde Mähne unter Kontrolle zu bringen. Verwenden Sie zum Haarewaschen am besten einen Conditioner mit hohen pflanzlichen Anteil (z. B. Minze, Zitronengras oder Rosmarin). Bitte achten Sie immer darauf, nur babygerechte Produkte zu verwenden.

Wenn Sie die Haare Ihres Babys schneiden wollen, achten Sie immer darauf, dies im trockenen Zustand zu tun, da Sie nur dann den natürlichen Wirbel der Locken erkennen können. Nehmen Sie eine Lockensträhne zwischen Daumen-, Zeige- und Mittelfinger und schneiden Sie die Spitzen ab. So verfahren Sie dann Strähne für Strähne.

FAKTEN IM ÜBERBLICK

  • Es ist fast unmöglich, die genaue Haarfarbe Ihres Babys mit Sicherheit vorherzubestimmen. Fest steht aber, dass sich dunkle Haare fast immer gegenüber blonden Haaren durchsetzen.

  • Die Haarfarbe kann sich noch bis ins jugendliche Alter ändern. Ist Ihr Baby bei der Geburt noch strohblond, könnte seine Haarfarbe in den darauffolgenden Jahren zunehmend dunkler werden. Auch rote Haare können noch nachdunkeln.

  • Rote Haare sind eine Seltenheit. Rothaarige Babys produzieren sehr viel weniger Phäomelanin – ein Farbstoff, der für eine dunkle Haarfarbe verantwortlich ist. Je mehr Familienmitglieder rothaarig sind, desto höher ist die Chance, dass Ihr Baby rote Haare bekommt.

  • Locken werden vererbt. Dieser Erbgang geschieht allerdings unabhängig von der Haarfarbe. Ein ganz bestimmtes Enzym beeinflusst das Haarwachstum und die lockige Struktur. Bei Babys mit Locken ist dieses besonders aktiv.

Ob rot-, blond- oder dunkelhaarig: Sie als Eltern können nur Vermutungen darüber anstellen, wie die Haarfarbe Ihres Kindes einmal aussehen wird. Lassen Sie sich also am besten einfach überraschen!

Zur Entstehung dieses Artikels:
Alle Inhalte aus in diesem Artikel basieren auf vertrauenswürdigen fachspezifischen und öffentlichen Quellen. Eine ausführliche Liste aller verwendeten Quellen finden Sie im Anschluss an diesen Artikel. Die hier aufgeführten Ratschläge und Informationen ersetzen keinesfalls die medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Konsultieren Sie für eine professionelle Diagnose und Behandlung immer Ihren Arzt.