Schwangerschaftsdiabetes

Schwangerschaftsdiabetes erkennen und behandeln

1
09.04.19
5 Lesedauer

Während der Schwangerschaft können Frauen unter Umständen einen zu hohen Blutzuckerspiegel entwickeln. Man spricht dann von Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationsdiabetes genannt. Diese Art der Diabetes kann sich auf Ihre Schwangerschaft und die Gesundheit Ihres Kindes auswirken. Daher sollten Sie während und nach dieser Zeit Ihre Blutzuckerwerte von Ihrem Arzt untersuchen lassen. Der Schwangerschaftsdiabetes-Test – auch als 50-g-Suchtest (oraler Glucose Toleranztest / oGTT) oder Glucose Challenge Test (GCT) bekannt – gehört mittlerweile zu den gängigen Vorsorgeuntersuchungen werdender Mütter. Aber auch schon vor und während Ihrer Schwangerschaft können Sie vieles tun, um das Risiko eines Schwangerschaftsdiabetes zu verringern. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Sport während der Schwangerschaft können dabei helfen, Ihre Blutzuckerwerte niedrig zu halten.

Hier erfahren Sie mehr über Gestationsdiabetes und seine Anzeichen, Symptome und Auswirkungen auf Ihre Schwangerschaft.

Worum geht es in diesem Artikel?

Was ist Schwangerschaftsdiabetes? Wie erkennen Sie Schwangerschaftsdiabetes? Was sind die Risiken eines Schwangerschaftsdiabetes? Was bedeutet ein Schwangerschaftsdiabetes für Sie und Ihr Baby? Wie Sie Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen und behandeln können

Was ist Schwangerschaftsdiabetes?

Schwangerschaftsdiabetes ist eine besondere Form der Diabetes, die bei manchen Frauen während der Schwangerschaft auftreten kann. Die Ursache für diese Erkrankung sind die Schwangerschaftshormone: Sie schrauben den Insulinbedarf in die Höhe. Durch den hohen Insulinverbrauch wird der Körper beim Abbau von Zucker (Glucose) gehindert. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel steigt immer weiter an.

Normalerweise versucht der Körper, dies auszugleichen, in dem er mehr Insulin ausschüttet. Doch bei manchen schwangeren Frauen kann der zusätzliche Bedarf an Insulin nicht produziert werden. Die Blutzuckerwerte bleiben daraufhin zu hoch, das heißt, die Glucose wird nicht genügend aus dem Blut in die Zellen transportiert, wo sie normalerweise als Energie verbraucht wird.

Der Schwangerschaftsdiabetes tritt meist in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auf, frühestens in der 20. Schwangerschaftswoche, in der Regel jedoch etwas später. Durch das Wachstum des Kindes produziert die Plazenta mehr Schwangerschaftshormone, die den Insulinbedarf immer weiter ankurbeln. Ein moderater Anstieg der Blutzuckerwerte nach dem Essen ist normal, leidet man allerdings unter Gestationsdiabetes, kann der anhaltende und zu hohe Blutzuckerspiegel negative Auswirkungen auf das Wachstum und die Entwicklung Ihres Kindes haben.

Wie erkennen Sie Schwangerschaftsdiabetes?

Ein Schwangerschaftsdiabetes wird leider oft gar nicht bemerkt, da die Symptome und Anzeichen von den Betroffenen nicht gespürt werden. Sollten allerdings eine der unten aufgeführten Risikofaktoren auf Sie zutreffen, wird Ihr Arzt Sie innerhalb der Vorsorgeuntersuchungen auf Gestationsdiabetes testen.

Auch wenn Sie keinerlei Anzeichen und Symptome eines Schwangerschaftsdiabetes aufweisen, wird Ihr Arzt in der Regel bei Ihnen in der zweiten Hälfte Ihrer Schwangerschaft – meist zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche – einen Screening-Test durchführen. Am besten Sie konsultieren Ihren Arzt, falls Sie sich unsicher sind, ob Ihre Werte normal sind.

Sollten Sie unter Schwangerschaftsdiabetes leiden, ist es sehr wichtig, dass Sie regelmäßig zu Ihren Vorsorgeuntersuchungen gehen. Besonders im dritten Trimester Ihrer Schwangerschaft sollten Sie öfter Ihren Arzt aufsuchen, um sicherzugehen, dass Sie und Ihr Kind gesund sind.

Was sind die Risiken eines Schwangerschaftsdiabetes?

Es ist noch immer ungeklärt warum manche Frauen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln, allerdings besteht ein erhöhtes Risiko, wenn Sie

  • älter als 25 sind
  • körperlich nur wenig aktiv sind
  • Übergewicht haben
  • einen erhöhten Blutdruck haben
  • in der Vergangenheit unter einer Herzkrankheit gelitten haben
  • das Polyzystisches Ovar-Syndrom (PCOS) aufweisen
  • oder ein nahes Familienmitglied einen Prädiabetes (Typ-2-Diabetes) hat
  • in einer vorherigen Schwangerschaft Gestationsdiabetes gehabt haben
  • in der Vergangenheit ein Kind geboren haben, das mehr als 4 Kilogramm wog
  • in der letzten Schwangerschaft eine unerklärliche Fehlgeburt erlitten haben
  • afro- oder lateinamerikanischer, indigener, pazifisch insularer oder asiatischer Abstammung sind

Ihr Arzt wird darüber im Klaren sein, ob Sie einen oder einige dieser Risikofaktoren aufweisen. Dennoch ist es ratsam, dass Sie vor Ihrer Schwangerschaft oder bei Ihrer ersten Vorsorgeuntersuchung Ihren Arzt aufklären, wenn Sie einen oder mehrere dieser Risikofaktoren aufweisen.

Was bedeutet ein Schwangerschaftsdiabetes für Sie und Ihr Baby?

Fast alle zukünftigen Mütter mit Gestationsdiabetes werden ein gesundes Baby zur Welt bringen. Nichtsdestotrotz muss ein Schwangerschaftsdiabetes regelmäßig vom Arzt beobachtet und kontrolliert werden. Hier finden Sie einige der Gesundheitsrisiken für ihr Kind, wenn Sie unter Schwangerschaftsdiabetes leiden:

  • Übermäßige Gewichtszunahme ihres Kindes. Durch den erhöhten Glucose-Wert in Ihrem Blut wird Ihrem Kind mehr Zucker zugeführt. Dadurch wächst es schneller und nimmt an Gewicht zu. Dies kann zu Komplikationen oder Verletzungen während der Geburt führen.
  • Erhöhtes Risiko einer Frühgeburt. Auch wenn die meisten Frauen mit Gestationsdiabetes Ihre Schwangerschaft bis zum Ende austragen, könnte es unter Umständen sein, dass – aufgrund der Größe des Kindes – der Arzt Ihnen empfiehlt, die Geburt frühzeitig einzuleiten.
  • Erhöhtes Risiko eines Atemnotsyndroms. Dadurch kann das Kind nur erschwert atmen und braucht künstliche Unterstützung, bis die Lunge genügend entwickelt ist.
  • Niedriger Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie)
  • Gelbsucht
  • Entwicklung von Typ-2-Diabetes später im Leben
  • Übergewicht in der Kindheit

Die Geburt eines großen Kindes kann u. a. zu folgendem führen:

  • Geburtsschwierigkeiten
  • Erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts. Aufgrund der Größe des Kindes könnte es zu Komplikationen bei einer vaginalen Geburt kommen.
  • Starke Blutungen nach der Geburt
  • Risse in der Vagina oder in dem Perineum – dem Bereich zwischen Vagina und Anus – bei einer vaginalen Geburt.

Schwangerschaftsdiabetes erhört außerdem Ihr Risiko für:

  • Bluthochdruck und Präeklampsie (erhöhter Blutdruck)
  • Typ-2-Diabetes. Ihr Blutzuckerspiegel sollte sich nach der Geburt normalisieren, jedoch besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes später im Leben. Zwischen 15 und 70 % der Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten, entwickelten auch später im Leben Diabetes. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Sollten Sie nach der Geburt ihr Normalgewicht wiedererlangen, verringert sich das Risiko. Von den Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes, die ihr übermäßiges Gewicht loswurden, waren nur weniger als 25 % von Typ-2-Diabetes betroffen.

Einige Frauen können auch schon vor ihrer Schwangerschaft eine sehr milde Form von Diabetes unbemerkt gehabt haben. Für diese Frauen kann Diabetes ein lebenslanges Problem sein und die Krankheit kann auch nach der Geburt fortbestehen.

Wie Sie Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen und behandeln können

Zum Glück gibt es viele Dinge, die Sie tun können, um einen Schwangerschaftsdiabetes vorzubeugen. An erster Stelle sollten Sie versuchen – am besten schon vor Ihrer Schwangerschaft – einen gesunden Lebensstil zu führen. Ein ausgewogener Ernährungsplan sowie regelmäßiges Work-out oder Fitness für Schwangere helfen bei der Vorbeugung von Übergewicht und stärken außerdem Ihre Gesundheit. Je früher Sie damit anfangen desto besser.

Sollte bei Ihnen schon ein mit Gestationsdiabetes diagnostiziert sein, können Sie folgendes tun, um Ihre Blutzuckerwerte zu kontrollieren und weitere Komplikationen zu vermeiden:

  • Halten Sie sich an einen gesunden Ernährungsplan. Schwangere Frauen sollten vermeiden, Gewicht zu verlieren. Was dürfen und sollten Sie also essen? Viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte sind die beste Ernährung bei einem Schwangerschaftsdiabetes. Am besten Sie essen mehrere kleinere Mahlzeiten verteilt über den Tag und zu regelmäßigen Zeiten. Fragen Sie Ihren Arzt nach einem für Sie geeigneten Ernährungsplan, der Ihnen bei der Regulierung Ihres Gestationsdiabetes hilft, und informieren Sie sich, wie viel Gewicht Sie während Ihrer Schwangerschaft zunehmen können.
  • Sport. Körperliche Bewegung und Sport helfen Ihnen dabei Ihre Blutzuckerwerte niedrig zu halten. Außerdem trägt es zu Ihrer allgemeinen Fitness und Gesundheit bei. Auch hier können Sie ihren Arzt fragen, welche Sportart für Sie während der Schwangerschaft am besten geeignet ist. Joggen in der Schwangerschaft oder Yoga bieten sich oft an. Wenn Ihr Arzt damit einverstanden ist, versuchen Sie täglich ein 30-minütiges, moderates Training durchzuführen (fünf Mal die Woche).
  • Nehmen Sie Ihre Medikamente. Ca. 10 bis 20 % der Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes müssen sich Insulin spritzen, um Ihre Blutzuckerwerte zu regulieren. Falls nötig wird Ihr Arzt Ihnen Insulin verschreiben. Diese korrekt und wie verordnet einzunehmen, trägt erheblich zu Ihrer und der Gesundheit Ihres Kindes bei!

In den letzten drei Monate Ihrer Schwangerschaft wird Ihr Arzt Ihnen empfehlen, öfter zu den Vorsorgeuntersuchungen zu kommen, um Ihre Blutzuckerwerte zu kontrollieren. In vielen Fällen wird empfohlen, dass Sie Ihren Blutzuckerspiegel selbst jeden Tag (oder mehrmals täglich) zu Hause überprüfen und die Werte in eine Tabelle eintragen. Sollte dies auf Sie zutreffen, wird Ihr Arzt Sie darüber aufklären, wie und wann Sie dies tun. Wahrscheinlich werden Sie auch einen Termin bei einem Diabetologen erhalten, der sich besonders gut mit der Behandlung von Diabetikern auskennt.

Außerdem wird Ihr Arzt die Gesundheit Ihres Kindes begutachten und sichergehen, dass es sich gut entwickelt.

Gleich nach der Geburt werden Ihre Blutzuckerwerte nochmals überprüft und ebenso sechs bis zwölf Wochen später (manchmal noch regelmäßiger). Unter Umständen empfiehlt der Arzt, dass Sie Ihren Blutzuckerspiegel alle paar Jahre nach Ihrer Geburt nochmals überprüfen lassen.

Es kann besorgniserregend sein, zu erfahren, dass man mit Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert wurde. Bestimmt haben Sie sehr viele Fragen dazu. Denken Sie immer daran, dass Ihr Arzt Ihnen die richtige Behandlung zukommen lassen wird, sodass Ihre Schwangerschaft ohne Komplikationen verlaufen und Ihr Kind gesund zur Welt kommen wird.

Flexible banner
Alle Quellen sehen

Das könnte Sie auch interessieren: