Frau, die unter postpartaler Depression leidet.

Was sind Anzeichen einer postpartalen Depression?

Sie haben gerade ein wunderschönes Baby bekommen und erwarteten, dass jetzt eine Zeit voller Freude beginnt. Stattdessen sind Sie überwältigt von Angst, Selbstzweifeln, Trauer und Verwirrung. Völlig normal, denn ein gewisses Gefühl von Überforderung gehört in den ersten Tagen und Wochen dazu. Der plötzliche Abfall der Hormone nach der Geburt kann zusätzlich zu Stimmungsschwankungen und Traurigkeit beitragen.

Sie haben ein neues Familienmitglied, schlafen wenig und haben viel zu erledigen. Doch wenn sich Ihre emotionale Last zu schwer anfühlt, ist es möglich, dass Sie an einer postpartalen Depression – auch genannt postnatale Depression – leiden. Dieser Zustand ist kein Zeichen von Schwäche – es ist eine behandlungsbedürftige Komplikation der Geburt. Lesen Sie weiter, um herauszufinden, was genau eine postpartale Depression ist und lernen Sie Anzeichen, Symptome und Bewältigungsmechanismen kennen.

Was ist eine postpartale Depression?

Eine postpartale Depression ist ein medizinischer Zustand, der dazu führt, dass eine Mutter in den Tagen, Wochen und ggf. Monaten nach der Geburt schwere und langanhaltende negative Emotionen oder Gedanken verspürt. Einige der wichtigsten Anzeichen und Symptome sind weiter unten im Text aufgeführt. Eine postpartale Depression kann nach jeder Geburt auftreten – nicht nur nach der ersten. Sie beginnt in der Regel zwischen der ersten und dritten Woche nach der Geburt. Bei einigen Frauen kann sie Monate oder sogar ein Jahr später auftreten.

Wie häufig tritt die postpartale Depression auf?

Diese Erkrankung kommt häufiger vor, als Sie vielleicht denken. Etwa jede siebte Frau, die ein Kind bekommen hat, leidet darunter. Die Hälfte derjenigen, bei denen später eine postpartale Depression diagnostiziert wurde, können schon während der Schwangerschaft Symptome entwickeln. Wenn Sie also das Gefühl haben, dass Sie unter einer postpartalen Depression leiden oder diese bereits diagnostiziert wurde, sollten Sie wissen, dass Sie nicht alleine sind. Eine ärztliche Diagnostik und Behandlung ist bei einer postpartalen Depression unbedingt erforderlich.

Wie lange kann eine postpartale Depression dauern?

Ihre persönliche Situation und der Behandlungsplan des Arztes werden sich auf Ihren Zustand auswirken. Bald wird es Ihnen bessergehen. Bei manchen Frauen erreichen die Symptome nach einigen Wochen ihren Höhepunkt, bleiben dann aber noch drei bis 12 Monate länger bestehen. Eine frühzeitige Behandlung kann Ihre Symptome schneller lindern und dazu beitragen, den Zustand früher zu beheben.

Eine postpartale Depression sollte nicht mit dem sogenannten „Baby Blues“ verwechselt werden. Dieser beschreibt weniger schwere Symptome. Sie sind traurig und weinen oder haben Angstgefühle und Schlafstörungen. Diese milderen Symptome beginnen normalerweise ein paar Tage nach der Geburt und verschwinden nach ein paar Wochen. Obwohl der Baby Blues frustrierend ist, können Sie sicher sein, dass diese Gefühlsstörungen bald vorüber sind. Eine postpartale Depression sollte nicht mit einer seltenen, affektiven Störung namens postpartaler Psychose verwechselt werden, die schwerere Symptome, wie Halluzinationen, beinhaltet, und seltener auftritt.

Anzeichen und Symptome einer postpartalen Depression

Der erste Schritt besteht darin, zu erkennen, ob Sie an einer postpartalen Depression leiden. Folgende Anzeichen, die nicht alle auftreten müssen, können auf eine postpartale Depression hinweisen:

  • depressive Stimmung
  • starke Stimmungsschwankungen
  • häufiges Weinen
  • Schwierigkeiten, sich mit Ihrem Baby anzufreunden
  • Rückzug von geliebten Menschen
  • Appetitlosigkeit
  • gesteigerter Hunger
  • Schlaflosigkeit
  • zu viel Schlaf
  • überwältigende Müdigkeit oder Energieverlust
  • reduziertes Interesse und fehlendes Vergnügen an Aktivitäten, die Sie früher genossen haben
  • intensive Reizbarkeit und Wut
  • Die Sorge, dass Sie keine gute Mutter sind
  • Gefühle von Wertlosigkeit, Scham, Schuld oder Unzulänglichkeit
  • verminderte Konzentrationsfähigkeit
  • verminderte Fähigkeit, alltägliche Aufgaben zu bewältigen
  • schwere Angst- und Panikattacken
  • Gedanken, dem Baby oder sich selbst zu schaden
  • wiederkehrende Gedanken an Tod oder Selbstmord

Erst nachdem Sie mit Ihrem Arzt gesprochen haben, können Sie beantworten: Leide ich an einer postpartalen Depression? Besprechen Sie bitte unbedingt mit ihrem Arzt, sofern Sie eines oder mehrere der oben aufgeführten Symptome haben und diese ggf. länger anhalten oder schlimmer werden.

Ursachen und Risikofaktoren

Es ist nicht genau bekannt, was postpartale Depressionen verursacht, aber sie werden wahrscheinlich unter anderem von einer Kombination aus physischen und emotionalen Faktoren ausgelöst, die Folgendes beinhalten können:

  • Hormonelle Veränderungen. Nach der Geburt gibt es einen starken Rückgang der Schwangerschaftshormone Östrogen und Progesteron. Das verursacht Stimmungsschwankungen. Darüber hinaus können auch die Spiegel anderer Hormone schwanken, die von Ihrer Schilddrüse produziert werden. Das kann dazu führen, dass Sie sich müde, träge und deprimiert fühlen.
  • Schlafmangel. Eine Geburt und die Betreuung eines Neugeborenen sind sehr anstrengend. Das kann für Mütter sehr anstrengend sein und für Schlaf und Ruhe bleibt oft keine Zeit. Das Schlafdefizit baut sich auf und kann zu körperlichen Beschwerden und Erschöpfung führen. In diesem Zustand werden die Symptome einer postpartalen Depression schnell ausgelöst und auch verstärkt.
  • Emotionale Probleme. Das ist eine Zeit voller großer Veränderungen im Leben, in der vieles zusammenkommt, wie beispielsweise das Gefühl, überwältigt, überfordert, ängstlich oder weniger belastbar zu sein. Auch der Kampf mit dem Identitätsgefühl und ein teilweiser Verlust des eigenen Lebens können herausfordernd sein.

Risikofaktoren für eine postpartale Depression sind:

  • eine vergangene Depression, entweder während der Schwangerschaft oder zu anderen Zeiten
  • eine postpartale Depression nach einer früheren Schwangerschaft
  • Familienmitglieder, die unter Depressionen litten
  • Stressfaktoren im letzten Jahr, auch ohne Schwangerschaft
  • ein Baby, das gesundheitliche Probleme oder andere besondere Bedürfnisse hat
  • Schwierigkeiten beim Stillen
  • Probleme in der Beziehung mit dem Partner
  • ein schwaches soziales Umfeld
  • finanzielle Sorgen
  • eine bipolare Störung

Wenn Sie schon mal unter einer postpartalen Depression litten, informieren Sie Ihren Arzt, sobald Sie erfahren, dass Sie schwanger sind. Ihr Arzt kann wie folgt helfen:

  • Genaue Überwachung auf Anzeichen und Symptome einer Depression
  • Fragebogen während der Schwangerschaft, Untersuchung nach der Geburt
  • Selbsthilfegruppen, Beratungen oder anderen Therapien zur Unterstützung
  • Antidepressiva – auch während der Schwangerschaft
  • Psychotherapie nach der Geburt

Wie man mit einer postpartalen Depression umgeht

Sie können sich sicher sein, dass es Hilfe für Sie gibt. Ihr Arzt wird mit Ihnen über Behandlungsmöglichkeiten der postpartalen Depression sprechen. Dazu gehören Psychotherapie also Gesprächstherapie oder psychische Gesundheitsberatung und Medikamente wie Antidepressiva.

Obwohl eine postpartale Depression immer einer ärztlichen Therapie bedarf und nicht selbst behandelbar ist, können diese Ansätze helfen, eine solide Grundlage für Ihren medizinischen Behandlungsplan zu schaffen und die Genesung beschleunigen:

  • Achten Sie auf einen gesunden Lebensstil. Bauen Sie leichten Sport in Ihren Alltag ein. Gehen Sie zum Beispiel mit Ihrem Baby spazieren. Versuchen Sie, sich ausreichend zu erholen und gesund zu essen.
  • Haben Sie realistische Erwartungen. Stellen Sie sich auf Ihr neues Baby ein und üben Sie nicht unnötig mehr Druck auf sich selbst aus, weil Sie das Gefühl haben, dass alles perfekt sein muss.
  • Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst. Organisieren Sie eine Vertrauensperson, z.B. Ihren Partner oder Ihre Mutter, die sich um Ihr Baby kümmert und nehmen Sie sich eine Auszeit. Verlassen Sie das Haus, unternehmen Sie etwas, das Ihnen Freude bereitet oder ruhen Sie sich einfach nur ungestört aus.
  • Halten Sie den Kontakt mit Ihren Freunden aufrecht. Das Gefühl der Isolation ist ein riesiges Problem für junge Mütter. Sprechen Sie mit Ihren Lieben darüber, wie Sie sich fühlen und sprechen Sie mit anderen Müttern über ihre Erfahrungen.
  • Teilen Sie Ihre große Belastung. Ihre Lieben werden Ihnen gerne helfen. Manchmal reicht es, einfach nur zu fragen. Diese Auszeit gibt Ihnen die Chance, eine verdiente Atempause zu bekommen.
  • Bleiben Sie am Ball. Folgen Sie den Ratschlägen Ihres Arztes und beenden Sie die Behandlung nicht einfach, weil Sie sich kurzfristig besser fühlen. Das kann zu einem Rückfall führen.

Wie kann ich meine Freundin unterstützen, die unter einer postpartalen Depression leidet

Menschen mit einer postpartalen Depression können möglicherweise nicht mitteilen, dass sie depressiv sind, weil Sie selbst oft die Anzeichen und Symptome nicht kennen. Wenn Sie vermuten, dass eine geliebte Person unter einer postpartalen Depression leidet, helfen Sie ihr sofort dabei, einen Arzt aufzusuchen. Denken Sie daran, dass Sie als Partner, Freund oder Familienmitglied keine postpartale Depression heilen können. Sie können dennoch unterstützen. Hier sind ein paar Tipps:

  • Versichern Sie ihr, dass Sie immer für sie da sind und es durch eine Behandlung Tag für Tag besser werden kann.
  • Hören Sie ihr zu und akzeptieren Sie ihre Gefühle. Seien Sie sich bewusst, dass sie ihre negativen Gefühle nicht kontrollieren kann.
  • Bieten Sie an, auf das Baby aufzupassen. So hat sie Freizeit für entspannende Aktivitäten, wie spazieren zu gehen oder eine Massage zu genießen.
  • Bitten Sie ein Familienmitglied, einen Freund oder einen Babysitter, sich ein paar Stunden um das Baby zu kümmern. Sie braucht ein bisschen Schlaf.
  • Helfen Sie bei grundlegenden Besorgungen, Hausarbeiten oder alltäglichen Aufgaben, um ihr ein bisschen Last von den Schultern zu nehmen.

Wenn Sie der Vater des Neugeborenen bzw. der Partner der Mutter sind, denken Sie daran, dass es auch väterliche und männliche postpartale Depressionen gibt. Wenn Ihr Partner depressiv ist, kann es auch Auswirkungen auf Sie haben, da auch Ihr Depressionsrisiko in dieser Zeit erhöht ist. Wenn Sie depressiv sind, probieren Sie die oben genannten Mittel aus und sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Eine postpartale Depression ist nicht Ihre Schuld. Trotzdem fühlen sich viele Frauen leider schuldig oder sind beschämt. Sie können sich nicht erklären, warum sie so unglücklich sind. Denken Sie daran, dass dies ein medizinisches Problem ist, das eine Behandlung erfordert, und es wichtig ist, nicht allein zu leiden. Es gibt Hilfe dort draußen, und sobald Ihre Sicht auf Ihr Leben wieder klarer wird und die Behandlung Erfolg zeigt, können Sie die Zeit mit Ihrem Baby ausgiebig genießen.

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