
Die Professoren Renate L. Bergmann, Joachim W. Dudenhausen und Karl E. Bergmann berichten aus Erfahrungen der täglichen Praxis auf dem Symposium zu dem Thema „Nahrungsmittel als Zusatzstoffe in der Schwangerschaft;. Informieren Sie sich über die neusten Untersuchungsergebnisse und lesen Sie unsere Ratschläge.
Vitamine, Mineralstoffe oder essentielle Fettsäuren als Tabletten, Kapseln oder Dragees – reicht gesundes Essen Ernährung in der Schwangerschaft nicht aus?
Von Prof. Dr. med. Renate Bergmann, Kinderärztin, Berlin
Um die Gesundheit zu fördern und Krankheiten zu vermeiden reicht nach neuesten Erkenntnissen die normale, gesunde Nahrung in der Schwangerschaft oft nicht mehr aus, weil der Bedarf an vielen lebenswichtigen Nährstoffen in der Schwangerschaft enorm steigt und man nicht bei jeder Frau feststellen kann, wie gut sie mit diesem Nährstoff versorgt ist. Deshalb wird empfohlen, wenigstens besonders kritische Nährstoffe in der Schwangerschaft zusätzlich zu sich zu nehmen.
Nahrungsergänzungsmittel sind Nahrungsmittel, die dazu bestimmt sind, die normale Ernährung, z.B. in der Schwangerschaft, zu ergänzen, also keine diätetischen Lebensmittel. Die Nahrungsergänzungsmittel enthalten Vitamine, Mineralstoffe, essentielle Fettsäuren und andere Nährstoffe, die in der Schwangerschaft notwendig sind. Sie werden in dosierter Form angeboten wie Arzneimittel, z.B. als Tabletten, Kapseln oder Dragees, werden aber gehandelt wie Lebensmittel.
Folsäure ist ein Vitamin - wichtig für junge Frauen und Schwangere. Es ist z.B. in solcher Nahrung, die in der Schwangerschaft empfohlen wird, wie Leber, Vollkornprodukten, grünem Blattgemüse, wie Spinat und Brokkoli, sowie in Spargel, Tomaten, Eigelb und Nüssen enthalten. Allerdings wird der Bedarf durch die tägliche Ernährung in der Schwangerschaft meist nicht vollständig abgedeckt. Das Risiko für Fehlbildungen des Gehirns und des Rückenmarks ist dann erhöht (Neuralrohrdefekt). Die werdende Mutter sollte bereits in den ersten 28 Tagen der Schwangerschaft gut damit ausgestattet sein, dann nämlich, wenn das Risiko für eine embryonale Fehlentwicklung besonders hoch ist. Daher sind allen jungen Frauen, vor allem denen mit Kinderwunsch, mit Folsäure angereicherte Nahrungsmittel oder folsäurehaltige Nahrungsergänzungsmittel zu empfehlen.
Sollten Schwangere zusätzlich eisenhaltige Nährstoffe zu sich nehmen?
Eisen fördert nicht nur das körperliche und seelische Wohlbefinden der werdenden Mutter, sondern verringert das Risiko für eine Frühgeburt oder Totgeburt. Denn Eisen ist wichtig für den Sauerstofftransport im Blut und wichtiger Bestandteil der roten Blutkörperchen. Der Bedarf an Eisen steigt mit dem Wachstum des Fötus an und kann nicht mehr nur mit Fleischgerichten, grünem Gemüse oder Hülsenfrüchte abgedeckt werden. Deshalb wird in der Schwangerschaft neben angemessenem Essen eine extra Eiseneinnahme empfohlen und zwar in niedrigen Dosen, am besten auch von Anfang an.
Jod ist unentbehrlich für die Schilddrüsenfunktion. Mit Jod werden die Schilddrüsenhormone gebildet, die wiederum lebenswichtig für den Stoffwechsel und den Kreislauf sind. Schilddrüsenhormone beeinflussen die Entwicklung der meisten Organe und somit der körperlichen Entwicklung. Zudem sind sie an Reifungsprozessen des Gehirns beteiligt und die damit verbundene intellektuelle Leistungsfähigkeit. Durch zusätzliches Jod im Kochsalz wurde der weit verbreitete Jodmangel im deutschen und mitteleuropäischen Raum weitgehend ausgeglichen und deshalb wird Jod in geringerer Dosis als früher (100-150 mg/Tag) als Zusatz in der Schwangerschaft gebraucht.
Über die Versorgung von Magnesium und Kalzium während der Schwangerschaft, braucht man sich weniger Sorgen zu machen, das sie mit dem richtigen Essen in de Organismus kommen. Magnesium wird ausreichend mit Vollkornprodukten, Nüssen und bestimmte Mineralwässer und Kalzium mit Kohlgemüse und Milchprodukten aufgenommen. Außerdem helfen die Schwangerschaftshormone das Kalzium aus der Nahrung besser zu verwerten.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin über Nahrungsergänzung. Er/ Sie kann Sie ausführlich beraten.
Lesen Sie den vollständigen Bericht im Sonderheft der Fachzeitschrift „Kinderärztliche Praxis“, Ausgabe März 2006
Link zu „Essen für zwei“ : Wie viel Sie von was essen sollten um den Nährstoffmangel auszugleichen.