
Der Weg zum Lesen beginnt bereits, wenn das Kind noch sehr klein ist, wenn die Kinder eine Faszination für Wörter entwickeln, Freude an Geschichten gewinnen und das Wunder entdecken, sich mit geliebten Menschen sprachlich zu verständigen. Die Familienmitglieder können beim Kleinkind die Freude am Lesen durch Aktivitäten fördern, die diese Fähigkeiten und Interessen aufbauen. Die folgenden Tipps sollen Ihnen helfen, das Lesen im Leben Ihres Kleinkindes zu einem zentralen Bestandteil zu machen:
Berichten Sie ihm über Neuigkeiten. Erzählen Sie Ihrem Kind, was Sie den Tag über machen, was Sie mit ihm machen, und was Sie in seiner Gegenwart lesen. Sie stellen so die Verbindung zwischen Wörtern und Ereignissen her und erleichtern ihm, die Elemente einer Geschichte zu verstehen.
Sehen Sie sich gemeinsam Bilderbücher an. Vermitteln Sie Ihrem Kind Lesen von Büchern als etwas Lustiges und Aufregendes. Beachten Sie die kurze Konzentrationsphase Ihres Kindes; jeder noch so kurze Kontakt kann die Liebe zu Büchern fördern.
Schauen, zeigen und dann benennen. Kleinkinder beginnen ihr Leben mit Büchern, indem sie zuerst das Vor- und Zurückblättern lernen. Dann sehen sie sich die Bilder allgemein an. Danach sehen sie sich die Bilder an während Sie diese benennen. Dann zeigen sie auf die Bilder, die Sie ihm beschrieben haben und schließlich beschreiben sie selbst, was sie auf den Bildern sehen. Bei welchem Entwicklungsschritt befindet sich Ihr Kind? Können Sie es auffordern, den nächsten Schritt zu tun? Drängen Sie es nicht, falls es noch nicht bereit ist. Sie können es jedoch unterstützen, Fortschritte zu machen, sobald es soweit ist.
Lesen Sie Ihrem Kind alltägliche Dinge vor. Lesen Sie ihm die Schilder beim Lebensmittelhändler vor, die Straßenverkehrsschilder oder die Speisekarte im Restaurant. Durch das Vorlesen wird der Nutzen von Wörtern deutlich gemacht und das Interesse an ihnen erweckt.
Nehmen Sie ein Buch mit. Packen Sie in die Windeltasche oder ins Auto ein oder zwei Bücher für Ihr Kleinkind oder Kind. Wenn Lebensräume mit Büchern gefüllt sind und Bücher stets bereit stehen, kann ein Kind sie einfacher als normalen Teil seines Lebens betrachten.
Besorgen Sie sich einen Ausweis für die Stadtbücherei und suchen Sie diese gemeinsam auf. Planen Sie diese Besuche regelmäßig ein. Erlauben Sie dem Kind, sich ein oder zwei Bücher auszusuchen. Suchen Sie sich ebenfalls ein paar Bücher aus. Lassen Sie das Geschichtenerzählen nicht ausfallen. Selbst wenn es noch nicht die ganze Zeit über ruhig dasitzen kann, wird Ihr Kind es als etwas Besonderes und Lustiges erfahren.
Sobald Ihr Kind das geeignete Alter erreicht hat, gehen Sie mit ihm zur Stadtbücherei, um ihm einen eigenen Ausweis ausstellen zu lassen. Stellen Sie Ihrem Kind für den Ausweis ein besonderes Kästchen und einen speziellen Platz zur Verfügung, damit es ihn als etwas Kostbares ansieht.
Lernen Sie Reime und Lieder. Kinder experimentieren mit den Lauten der Sprache mit Hilfe von Reimen. Dies weckt ihr Interesse an Wörtern und Lauten. Reime in Verbindung mit Gestik erleichtern es, Aktionen mit den Aktionswörtern zu verknüpfen. Gedichte für Kinder fördern ebenfalls dieses Bewusstsein und die Liebe zur Sprache.
Geben Sie ihm Bücher. Geben Sie allen Kindern, die Sie kennen, Bücher, wann immer Sie eine Gelegenheiten dazu haben. Sehen Sie sie dann zusammen an. Bewahren Sie diese Bibliothek an einem speziellen, aber zugänglichen Platz auf.
Stellen Sie Fragen. Die kindliche Sprachentwicklung kann besser gefördert werden, wenn die Kinder aufgefordert werden, sich der Sprache zu bedienen. Warten Sie, bis das Kind Ihre Frage beantworten kann. Lassen Sie ihm genug Zeit. Reagieren Sie auf seine Interpretation. Verwenden Sie dabei Wörter, die es möglicherweise nicht kennt. Schenken Sie der Bedeutung mehr Aufmerksamkeit als den exakten Wörtern.
Richten Sie eine Zeit ein, in der Sie regelmäßig über Ihren Tagesablauf mit Ihrem Kind sprechen. Fordern Sie Ihr Kind auf, ebenfalls von seinem Tag zu berichten. Hierbei handelt es sich um eine ganz spezielle Art und Weise, Geschichten zu erzählen. Die dafür festgesetzte Tageszeit sollte sich nicht ändern.
Machen Sie z.B. auch das Auto zu einem Ort, in dem Sie mit Ihrem Kind sprechen. Während Sie mit Ihrem Kind herumfahren, sollten Sie sich mit ihm austauschen, was Sie außerhalb des Autos bemerken, wohin Sie fahren, und was vor der Autofahrt geschah. Diese Zeit, in der Sie sich zusammen auf engstem Raum befinden, ist eine hervorragende Gelegenheit für den Aufbau von sprachlichen Fähigkeiten. Später werden hier Geheimnisse, Ängste, Befürchtungen und Hoffnungen enthüllt. Schalten Sie das Radio ab, um die Besonderheit dieser Gelegenheit zu unterstreichen.
Schlagen Sie nach. Stellt Ihr Kind eine Frage, z. B. zum Beginn einer Filmvorführung oder zu den Wetteraussichten, sollten Sie diese Informationen für Ihr Kind nachschlagen und vorlesen. Dadurch kann es beobachten, wie wir durch Lesen Dinge herausfinden und Probleme lösen.
Lehren Sie die Bedeutung von Buchstaben. Unterstützen Sie Ihr dreijähriges Kind dabei, "seinen" Buchstaben zu lernen: beispielsweise B für Benjamin. Helfen Sie ihm, seinen Buchstaben in Gedrucktem zu finden und den Laut in alltäglichen Dingen herauszufinden - B wie Brei. Da es sich als Mittelpunkt der Welt ansieht - was in seinem Alter normal ist - kann es aufbauend auf "seinem" Buchstaben weitere Buchstaben kennen lernen.
Erzählen Sie Gute-Nacht-Geschichten. Machen Sie Geschichten - gelesen oder erzählt - von frühester Kindheit an zu einem Teil des Rituals, mit dem Sie Ihr Kind zu Bett bringen. Enthalten Sie ihm die Gute-Nacht-Geschichte auf keinen Fall als Strafe vor; die Gute-Nacht-Geschichte sollte Ihnen heilig sein.
Erzählen Sie Ihrem Kind seine eigene Geschichte. Nehmen Sie ein Fotoalbum zur Hand und lassen Sie sich von Ihrem Kind über das abgebildete Ereignis erzählen. Ihre Sommerferien oder der Besuch bei der Großmutter werden zwar möglicherweise recht ausgeschmückt sein, fördern aber das Geschichtenerzählen.
Werden Sie "Stenograph". Lassen Sie sich von Ihrem Kind Geschichten diktieren, die Sie aufschreiben. Vielleicht möchten Sie auch einen Brief an einen Freund oder Verwandten schreiben. Lassen Sie Ihr Kind eine Unterschrift kritzeln oder seinen Namen so weit wie möglich schreiben. Seine schriftlichen Fähigkeiten werden seiner Fantasie um viele Jahre hinterherhinken. Dies soll Ihr Kind jedoch keinesfalls davon abhalten. Helfen Sie Ihrem Kind, seine Gedanken niederzuschreiben. Machen Sie ihm bewusst, dass diese Gedanken wertvoll sind und dass es seine Gedanken Anderen mit Hilfe des geschriebenen Wortes mitteilen kann.
Arbeiten Sie mit Tonkassetten. Bei älteren Vorschulkindern können Bücher mit Tonkassetten es Ihrem Kind erleichtern, die Verbindung zwischen dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort zu erkennen. Es kann immer wieder zu bestimmten Stellen zurückgehen und "mitlesen", während das Band abläuft. Dies soll jedoch keinesfalls ein Ersatz für das Vorlesen durch eine Person sein.
Beziehen Sie Ihr Kind beim Lesen ein. Fragen Sie es, wie es weitergeht, warum eine im Buch vorkommende Figur etwas Bestimmtes tut oder wie eine Figur fühlt. Erwarten Sie als Antwort keine zu ausführliche Erklärung. Sie sollten das Interesse des Kindes an der Geschichte bzw. am Handlungsverlauf wach halten. Fragen Sie, ob es den Handlungsverlauf ändern möchte. Lassen Sie Ihr Kind Bücher "vorlesen", sobald es damit vertraut ist. Korrigieren Sie nicht, außer wenn es um Hilfe bittet.
Setzen Sie Computer mit Bedacht ein. Es sind eine Vielzahl von Software-Paketen erhältlich, die Kindern das Lesen von Büchern erleichtern können. Suchen Sie sich die Programme heraus, die keine direkten Anweisungen enthalten, sondern das Lesenlernen durch Fähigkeiten wie z. B. das Suchen nach Mustern, das Sortieren von Formen und das Lernen von Buchstaben, fördern. Andere empfehlenswerte Software-Pakete erzählen Ihrem Kind eine Geschichte mit Hilfe von Bildern oder enthaltenen Buchstabenschablonen, aus denen es sein eigenes Buch zusammenstellen kann. Hilfreich können auch Bücher mit Audioteil sein, mit dem die auf dem Bildschirm markierten Wörter vorgelesen werden.
Suchen Sie sich die Kinderbetreuungseinrichtung danach aus, ob das Sprechen mit den Kindern, das Stellen von Fragen, das regelmäßige Lesen eine hohe Priorität haben und ob Bücher bereit stehen.
Seien Sie ein gutes Vorbild. Lesen Sie selbst, und suchen Sie sich beim Besuch der Stadtbücherei selbst ein paar Bücher aus. Das ganze Haus sollte durch die überall bereit liegenden Bücher, Magazine und Zeitungen zum Lesen animieren.
Lassen Sie keinen Tag ohne Beschäftigung mit einem Buch vergehen. Bücher sollten für Ihr Kind zu einem normalen Bestandteil seines Tages werden. Lesen Sie wirklich jeden Tag, sei es ein Gedicht oder eine Geschichte.