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Falls Sie stillen, warten Sie drei bis vier Wochen, bevor Sie dem Kind zusätzlich Fertigmilch geben, damit Ihre Milchproduktion nicht nachlässt.
Auch wenn Sie Ihrem Säugling die Flasche geben, können Sie ihm wundervoll Nestwärme vermitteln, und Sie können die Fütterungszeiten nutzen, um einander kennen zu lernen. Der Vater, andere Familienmitglieder oder Betreuer können ab dem Zeitpunkt, an dem Sie auch Fertigmilch verwenden, Fütterungen übernehmen. Sorgen Sie dafür, dass sich das Kind bei jeder Fütterung Ihnen genauso nahe fühlt und genauso verhätschelt wird, wie wenn es gestillt werden würde. Heben Sie den Kopf des Kindes etwas an und halten Sie die Flasche hoch, damit das Kind nicht zu viel Luft schluckt.
Die Wahl der richtigen Fertigmilch
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Die Wahl der richtigen Fertigmilch
Industriell vorgefertigte Säuglingsnahrung enthält alle Nährstoffe, die Ihr Kind braucht. Für die so genannte "Säuglingsanfangsnahrung" gelten nämlich strengste Anforderungen hinsichtlich Zusammensetzung und Qualität. Diese Anforderungen sind in Richtlinien der Europäischen Union aufgeführt und im Rahmen der "Diätverordnung" in deutsches Recht umgesetzt worden. Die EU-Richtlinien für "Säuglingsanfangsnahrung" finden Sie in der folgenden Tabelle.
Tabelle 1 – Auszüge aus Richtlinien der EU über Säuglingsanfangsnahrung (91/321/EWG; 96/4/EG) im Vergleich zu Nährstoffgehalten in reifer Muttermilch
| Säuglingsanfangsnahrung (pro 100g) a | Muttermilch Durchschnitt(Spanne) (pro 100 g) | |
| Energie (kcal) | 60/75 | 71 |
| Protein (g) | 1,3-2,1 b | 1,13 (1,03-1,43) |
| Fett (g) | 3,1-4,6 c | 4,03 (3,50-4,62) |
| Kohlenhydrate (g) | 5-10 | 7,0 |
| Laktose (g) | 2,5 | 7,0 |
| Modifizierte Stärke | 2 g/100 ml oder 30% der Kohlenhydrate | - |
| Maltose, Saccharose, Maltodextrine, Glukosesirup | möglich | - |
| Saccharose | 20% der Kohlenhydrate | - |
| Natrium (mg) | 14-42 | 13 (12-19) |
| Kalium (mg) | 42-102 | 47 (46-64) |
| Calcium (mg) | 35 | 32 (25-41) |
| Phosphor (mg) | 18-63 | 15 (12-17) |
| Magnesium (mg) | 3,5-10,5 | 3,1 (2,9-5,0) |
| Eisen (mg) | 0,35-1,05 d | 0,058 (0,026-0,058) |
| Zink (mg) | 0,35-1,05 | 0,148 (0,120-0,390) |
| Kupfer (μg) | 14-56 | 72 (24-77) |
| Jod (μg) | 3,5 | 6,3 (4,3-9,0) |
| Vitamin A e (μg) | 42-126 | 69 (52-73) |
| Vitamin E f (μg) | 0,5/g mehrfach ungesättigter Fettsäuren | 0,28 (0,15-0,54) |
| Vitamin C (mg) | 5,6 | 4,4 (3,5-5,5) |
| Vitamin B1 (μg) | 28 | 15 (13-17) |
| Vitamin B2 (μg) | 42 | 38 (30-44) |
| Vitamin B6 (μg) | 25 | 14 (9-17) |
| Niacin (mg) g | 0,6 | 0,17 (0,13-0,20) |
| Folsäure (μg) | 2,8 | 8,5 (-) | a. Angaben pro 100kcal wurden umgerechnet unter der Annahme von 67 kcal/100g | b. Kuhmilchproteine | c. Linalsäure 0,3 bis 1,2 mg/100 kcal; Laurin- und Myristinsäure | d. für Produkte mit Zusatz des jeweiligen Nährstoffes | e. Retinaläquivalente | f. Tacapheroläquivalente | g. Niacinäquivalente |
Die Fertigmilch, die Sie kaufen, ist in ihrem Aufbau der Muttermilch so ähnlich wie möglich und sie ist darüber hinaus mit Eisen, anderen Mineralien und mit Vitaminen angereichert. Zwischen den gängigsten Marken bestehen keine relevanten Unterschiede. "Säuglingsanfangsnahrung" ist so zusammengesetzt, dass sie den Ernährungsbedürfnissen eines Kindes in den ersten vier bis sechs Monaten voll gerecht wird. Der Gehalt an Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten und anderen Bestandteilen ist gesetzlich festgelegt mit Angabe von Mindestwerten, Höchstwerten und ggf. der erlaubten Spannbreite. "Folgenahrungen" sind für die "... besondere Ernährung von Säuglingen über vier Monaten ..." bestimmt und stellen "... den größten flüssigen Anteil einer nach und nach abwechslungsreicheren Kost ..." dar. Die rechtlichen Regelungen für Folgenahrungen sind deutlich geringer als für die Anfangsnahrung. Wichtig zu wissen: Ernährungsphysiologisch gibt es keine zwingende Notwendigkeit für Folgenahrungen. In Deutschland erhalten aber "in der Praxis" die meisten Säuglinge ab dem zweiten Lebenshalbjahr eine "Folgenahrung" und keine "Anfangsnahrung" mehr.
Fertigmilch ist in zwei grundlegenden Varianten erhältlich:
fütterungsfertig (am teuersten, wird meist nur in Kliniken verwendet)
Pulver (preiswert)
Die Variante, die Zeit und Mühen erspart, ist am teuersten - was kaum verwundern kann. Wer Milchpulver richtig anrühren und einige Minuten Zeit für diese Arbeit investieren kann, der sollte sich ruhig für die preiswertere Variante entscheiden. Lesen Sie sorgfältig die Anweisungen des Herstellers durch, bevor Sie Milchpulver und Wasser vermischen. Wenn Sie mitten in der Nacht ein Fläschchen zubereiten, oder zu anderen Zeiten, wenn Sie besonders müde sind, so konzentrieren Sie sich, damit Ihnen keine Fehler unterlaufen.
Sie brauchen zur Zubereitung der Fertigmilch für Ihr Kind kein abgefülltes Wasser zu verwenden - es sei denn, es gibt Probleme mit der örtlichen Wasserqualität. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, dem zuständigen Gesundheitsamt, der Gemeindeverwaltung oder direkt mit dem Wasserversorger Ihrer Region, falls Sie Fragen zur Wasserqualität in Ihrer Gegend haben. Es wird empfohlen, allen Kindern bis zum dritten Geburtstag D-Fluoretten zu geben. In der Kinderklinik der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz beginnen wir damit ab dem fünften Lebenstag. D-Fluoretten enthalten Vitamin D und Fluorid. Frühgeborene und Mangelgeborene (das sind Kinder mit einem zu niedrigen Geburtsgewicht) erhalten die D-Fluoretten, sobald sie ein Körpergewicht von 3000 Gramm erreichen. Kinder, die eine "balancierte (exakt berechnete) Diät" vom Arzt verordnet erhalten, brauchen keine D-Fluoretten, da alle nötigen Vitamine und das Fluorid bereits in der Nahrung enthalten sind. Kinder, die mit Wasser angerührte Fertigmilch in Gebieten erhalten, in denen die Fluoridkonzentration im Trinkwasser mehr als 0,3 mg/l beträgt, brauchen keine zusätzlichen Fluoride. Falls Ihr Trinkwasser mehr als 1 mg Fluorid/l enthält, sollte das Wasser nicht zur Anrührung von Säuglingsnahrung verwendet werden. Die Fluoridkonzentration in Ihrem Trinkwasser erfahren Sie vom örtlichen Gesundheitsamt oder Ihrem Wasserversorger. Die Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin empfiehlt, Säuglingen und Kleinkindern keine fluorhaltige Zahnpasta zu geben. Sie verschlucken nämlich regelmäßig Zahnpasta, weshalb die Zufuhr an Fluor nicht mehr kontrollierbar ist. Für einen Anhalt über die optimale Fluorzufuhr für Ihr Kind klicken Sie auf dieses Link zum Robert-Koch-Institut . Alle weiteren Fragen kann Ihnen Ihr Kinderarzt beantworten. .
Der Magen eines Neugeborenen kann direkt nach der Geburt etwa 5 bis 10 ml Flüssigkeit aufnehmen. Die tägliche Trinkmenge kann man mit der "Finkelstein-Formel" berechnen: Danach beträgt die tägliche Trinkmenge in den ersten zehn Lebenstagen: (Lebenstag - 0,5) x 70. Am zehnten Lebenstag trinkt ein Neugeborenes 500 bis 600 ml, also etwa die Menge, die 1/6 seines Körpergewichtes entspricht. Im Alter von zwei Monaten braucht der Säugling dann z. B. zwischen 700 und 900 ml täglich und ungefähr sechs bis sieben Mahlzeiten innerhalb von 24 Stunden.
In der nachfolgenden Tabelle sehen Sie, wie viel Fertignahrung Ihr Säugling in Abhängigkeit von seinem Alter ungefähr braucht und wie oft er gefüttert werden muss:
| Alter | Menge pro Mahlzeit | Häufigkeit der Mahlzeiten |
| | ||
| Neugeborenes | 60 bis 90 ml | Alle drei bis vier Stunden |
| Ein Monat | 120 ml | Alle vier Stunden |
| Zwei Monate | 120 ml | Sechs bis sieben Mahlzeiten pro 24 Stunden |
| Vier Monate | 120 bis 170 ml | Sechs Mahlzeiten pro 24 Stunden |
| Sechs Monate | 170 bis 220 ml | Fünf Mahlzeiten pro 24 Stunden |
| Ein Jahr | 450 bis 680 ml | Drei bis vier Mahlzeiten pro 24 Stunden |
Sie können die nötige Nahrungsaufnahme Ihres Kindes auch folgendermaßen berechnen:
Die tägliche Nahrungsmenge beträgt:
| Alter | Trinkmenge in ml pro kg Körpergewicht und Tag | entspricht einem Anteil des Körpergewichtes von etwa |
| Frühgeborene | 180 bis 200 ml | 1/5 |
| 1. bis 3. Lebensmonat | 150 bis 170 ml | 1/6 |
| 4. bis 6. Lebensmonat | 140 bis 160 ml | 1/7 |
| 7. bis 9. Lebensmonat | 110 bis 140 ml | 1/8 |
| 10. bis 12. Lebensmonat | 100 bis 120 ml | 1/10 |
Die Trinkmenge sollte aber nie größer als 1000 ml pro Tag sein.
Fertigmilch bewegt sich langsamer durch den Verdauungstrakt als Muttermilch. Die Zeitspanne zwischen den einzelnen Mahlzeiten ist daher etwas länger (drei bis vier Stunden) und der Stuhl des Kindes ist etwas "trockener" als der von Kindern, die gestillt werden.
Denken Sie daran, dass jeder Säugling unterschiedlich ist und dass jedes Kind bei jeder Mahlzeit und jeden Tag unterschiedlich viel Nahrung aufnimmt. Zwingen Sie Ihr Kind nie zu essen, bieten Sie ihm aber zu den Mahlzeiten immer genug Nahrung an. Bei einem Kind, das oft aufstößt, sind möglicherweise häufigere Mahlzeiten mit kleineren Mengen angebracht. Ihr Kind wird Sie wissen lassen, wie es gefüttert werden will.
Weitere Punkte, die Sie beachten sollten
Verwenden Sie keine Ziegenmilch, Schafsmilch oder Stutenmilch anstelle von Muttermilch oder Fertigmilch. Die Nährstoffzusammensetzung dieser Milchsorten eignet sich nicht für Säuglinge. Mangelerscheinungen und Mangelkrankheiten sind eine mögliche Folge.
Sie selbst sind vielleicht mit Kondensmilch groß geworden, heute werden jedoch auf dem Markt weit bessere Alternativen angeboten. Das Verhältnis zwischen Eiweißen, Mineralien und Fett in Kondensmilch ist für Menschen nicht ideal, die einzelnen Nahrungsbestandteile schwanken von Produkt zu Produkt und es fehlen wichtige Mineralstoffe und Vitamine. Kondensmilch ist für Säuglinge ungeeignet.
Reine Kuhmilch wird in keiner Form für Kinder empfohlen, die jünger als ein Jahr sind. Geben Sie Ihrem Kind Muttermilch oder fertige Säuglingsmilch, bis es mindestens ein Jahr alt ist. Gegen die "Eigenherstellung" von Säuglingsmilch sprechen:
Fügen Sie der Nahrung Ihres Säuglings niemals Honig zu! Honig kann Sporen des Bakteriums "Clostridium botulinum" enthalten. Säuglinge erkranken nach Aufnahme dieses Erregers, weil er im Darm des Kindes ein Gift bildet, das Muskeln lähmt ("Botulismus-Toxin"). "Clostridum botulinum" ist nach heutigem Wissen zumindest für einige Fälle des "plötzlichen Kindstodes" verantwortlich.
Verdünnen Sie die Fertigmilch nicht, und machen Sie die Säuglingsnahrung nicht schwächer als in den Anweisungen angegeben.
Liebe miri2612, die Tabelle ist nicht fehlerhaft, diese ml-Angaben beziehen sich auf den gesamten Tag, also 24 Stunden! Wer lesen kann, ist klar im Vorteil ;-)
die Tabelle scheint allerdings fehlerhaft, seit wann können Frühgeborene 180- 200 ml Flüssigkeit zu sich nehmen???
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