SPRECHEN LERNEN Für uns ist Sprechen etwas ganz Normales. Für Ihr Kind waren zum Erreichen dieser Fähigkeit hingegen einige bemerkenswerte Leistungen erforderlich. So musste es lernen, den Sprachfluss aufzuspalten und Modulationen, Rhythmen und Strukturen zu erkennen, aus denen sich Wörter zusammensetzen. Es nimmt die subtilen Unterschiede verschiedener Tonfälle wahr und hat sich die grundlegende Grammatik angeeignet. Ferner hat es nach und nach gelernt, immer mehr vertraute Wörter und Namen mit einer bestimmten Bedeutung zu verbinden. Gleichzeitig hat es viel Zeit in die Beherrschung seines Sprechapparats gesteckt, um die komplexen Lautkombinationen zu erzeugen, aus denen die Wörter seiner Muttersprache gebildet werden. Sie wissen vermutlich gar nicht, wie viele Wörter Ihr Kleines schon kennt, da es noch nicht alle klar verständlich aussprechen kann. Wenn Sie seinem Gebrabbel jedoch aufmerksam zuhören, entdecken Sie so manches Wort und werden verblüfft sein, dass es sich trotz seines eingeschränkten Wortschatzes überraschend gut mitteilen kann. Dabei bedient sich Ihr Kleines allerlei Tricks, um das meiste aus seinem verbalen Repertoire herauszuholen. So stellen Sie möglicherweise fest, dass es die Bedeutung eines einzelnen Wortes - z. B. "Hund" - dahingehend verallgemeinert, dass es alle Tiere umfasst. Oder es bezeichnet alle beweglichen Maschinen als "Auto". Dabei geht es nicht darum, dass es den Unterschied nicht kennt, sondern es verfügt einfach noch nicht über genügend Wörter, um sich präziser auszudrücken. Diese Verallgemeinerungen geben ihm nicht nur die Möglichkeit, seine Erfahrungen mitzuteilen, sondern bringen Sie auch dazu, ihm das gesuchte Wort zu nennen - ein schlauer Trick, der ihm neue Lerngelegenheiten verschafft. Im Laufe des nächsten Jahres schafft es Ihr Kind irgendwann sogar, sich täglich bis zu acht neue Wörter anzueignen! Und wenn es zwischen 100 und 150 Wörter kennt, fängt es an, diese auch zu kombinieren.